Taschenbuch-Bestseller Schlafende Hunde soll man nicht wecken

Absolute Sicherheit ist unmöglich: John Katzenbachs Bestseller "Das Rätsel" kreist um einen Mord in einem streng bewachten Wohnviertel. Ein Psychothriller über amerikanische Ur-Ängste, der es in sich hat.


Am liebsten schreibt der 57-jährige US-Autor John Katzenbach seine Bücher, wenn seine Königspudel-Dame unter dem Schreibtisch schläft. Ihr ungestörter Schlaf, das sagt Katzenbach selbst, sei Garant für seine Erfolge auf dem Buchmarkt: Ein knappes Dutzend Thriller hat Katzenbach seit 1987 vorgelegt. "Der Patient" (im US-Original "The Analyst") und "Die Anstalt" ("The Madman’s Tale") wurden Weltbestseller, die für das Kino verfilmt worden sind. Auf Deutsch sind beide Bücher im Jahr 2006 erschienen.

Katzenbach-Cover: Thriller mit gesellschaftlicher Relevanz

Katzenbach-Cover: Thriller mit gesellschaftlicher Relevanz

Katzenbachs Thriller offenbaren oftmals schockierende Einblicke in die menschliche Psyche und werden wegen ihrer psychologischen Raffinesse gelobt. Die Neigung zum Genre stammt aus dem Familienhintergrund: Katzenbach ist Sohn einer Psychologin und eines Generalbundesanwalts, und stand als Gerichtsreporter beim "Miami Herald" und "Miami News" unter Vertrag. So dreht sich auch "Das Rätsel" um einen Psychologieprofessor, der auf das Profiling von Serienkillern spezialisiert ist. Er soll von der Öffentlichkeit möglichst unbemerkt den Mord an einer jungen Frau aufklären, der sich in einem von der "State Security" streng kontrolliertem Wohnviertel ereignet hat.

Das Pikante: Die wohlhabenden Bewohner der abgeschirmten Enklave waren mit dem Versprechen absoluter Sicherheit gelockt worden. Auf verschlungenen Pfaden tappt der ermittelnde Psychologieprofessor zurück in seine eigene, dunkle Familiengeschichte: Der Mord weist Ähnlichkeiten mit einem Kriminalfall auf, der sich vor 25 Jahren ereignete und bei dem auch sein eigener Vater zu den Verdächtigen gehörte – bis er auf mysteriöse Weise ums Leben kam.

Während andere Thrillerautoren ihre Ermittler und Privatdetektive mit einem Höchstmaß an Kompetenzen ausstatten, setzt Katzenbach auf Figuren, die gewöhnlichen Menschen entsprechen. "Meine Charaktere sind darauf angewiesen, eigene Kräfte zu mobilisieren, um in der Geschichte zu bestehen. Und wie im wirklichen Leben müssen sie immer irgendwie dafür bezahlen, dass sie diese inneren Ressourcen zum Einsatz bringen."

Auch Katzenbach mobilisiert Kräfte, wenn er sich von Filmproduzenten unverstanden fühlt. Seine Bücher sind mit Stars wie Sean Connery und Bruce Willis verfilmt worden. Selten hatte er dabei einen Einfluss darauf, was aus den Texten gemacht wurde. "Wenn dann die Verfilmungen dürftiger als meine Buchvorlage ausfielen, war ich schon frustriert", bekennt der Autor. Kurzerhand ließ er sich von den Produzenten der Kinofilme "Der Patient" und "Die Anstalt" zusichern, die Drehbücher selbst schreiben zu können.

Seinen amerikanischen Lesern mutet Katzenbach ebenfalls einiges zu: "Ich habe über die Rassenproblematik, über Homosexualität und über Armut geschrieben – immer im Stil von Thrillern", berichtet der Autor. "Gibt es eine gesellschaftliche Problematik im Hintergrund, bekommt der Thriller eine größere Tiefe."

Impulse für seine Arbeit bekommt Katzenbach von seiner Frau Madeleine Blais, Journalistik-Professorin und Pulitzer-Preisträgerin (1980), und seinen erwachsenen Kindern Nick und Justine. Und auch die geliebte Hündin spielt für die Produktivität des Autors eine nicht zu unterschätzende Rolle. Geht er abends vor dem Essen mit der Königspudeldame vor die Tür, kommen Katzenbach nach eigener Auskunft die besten Ideen für die weitere Arbeit am Text.

Helge Rehbein, Buchreport


John Katzenbach: "Das Rätsel", Knaur, 8,95 Euro



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.