Taschenbuch-Bestseller Vademecum für Verschwörungstheoretiker

Ist das nicht merkwürdig, welche Dinge nicht in der Zeitung stehen, aber bei Gerhard Wisnewski? Aus dieser Grundhaltung speist sich die aktuelle Ausgabe von "Verheimlicht - vertuscht - vergessen", sie schafft den Einstieg auf Rang 19 der SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch-Bestsellerliste.


Er weiß angeblich, wie die Realität wirklich ist. Andere Medienprofis betreiben seiner Meinung nach "Vielweiberei mit der Lüge", geben sich der "allgemeinen Hurerei im Medienbordell" hin. Es ist inzwischen schon eine Art Tradition, dass Gerhard Wisnewski zum Jahreswechsel zurückblickt und seine Sicht der Ereignisse der abgelaufenen zwölf Monate darlegen darf.

Was dabei unter dem Titel "Verheimlicht - vertuscht - vergessen" herausgekommen ist, das kann man als Vademecum für Verschwörungstheoretiker bezeichnen. So führt der 1959 im schwäbischen Krumbach geborene Wisnewski seinen Lesern die Atomkatastrophe von Fukushima als "neuen 11. September" vor.

Zum Hintergrund: Der immer auffallend antiamerikanisch erscheinende Autor behauptet seit Jahren, dass die USA selbst in die Attentate vom 11. September 2001 verwickelt seien. Nach Fukushima sei "wie damals (…) wenige Wochen nach dem traumatischen Ereignis ein Krieg geführt (worden) - damals gegen Afghanistan, heute gegen Libyen".

Dann schiebt er die Frage "Ist das nicht merkwürdig?" hinterher. In Wisnewskis Welt ist es das. Wie so vieles andere auch.

Wisnewski, der bestreitet, dass die Amerikaner 1969 auf dem Mond gewesen sind, glaubt beispielsweise nicht, dass ein amerikanisches Kommando al-Qaida-Führer Osama Bin Laden in Pakistan aufgespürt und getötet hat - schließlich sei ein Bild des toten Bin Laden gefälscht gewesen und außerdem sei keine Leiche da. Auch die Geburtsurkunde von US-Präsident Obama gehört für Gerhard Wisnewski ins Reich der Fälschungen: Eigentlich dürfte der Mann gar nicht Präsident sein. Die USA befänden sich deswegen in der größten Verfassungskrise seit ihrer Gründung.

Osama hin, Obama her: Letztendlich geht es bei Wisnewski um "die totale Auflösung der Gesellschaft, ja letztlich der Menschheit". Und angesichts dieses Ernstes der Lage kann man sich ja zur Abwechslung mal mit anderen Realitäten beschäftigen.

Nicole Stöcker, buchreport

Buchtipp



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
schlutzmitlustig 16.01.2012
1.
Ich frage mich wirklich warum auf SpOn Werbung für ein solches Buch gemacht werden muss das sich ein mutmasslich paranoider zusammengeschustert hat. Alleine schon die Tatsache dass Wisnewski auf seiner HP den Kopp Verlag bewirbt und laut eigener Aussage dort auch publiziert hat sollte ihn eigentlich disqualifizieren hier erwähnt zu werden. Zitat EsoWatch zum Kopp Verlag : "Der Kopp Verlag ist ein deutscher Verlag und eine Versandbuchhandlung in Rottenburg am Neckar.[2] Inhaber und Gründer ist Jochen Kopp (geb. 1966), ein ehemaliger Polizist am Polizeipräsidium Stuttgart. Das Verlagsprogramm beinhaltet vor allem Bücher der Bereiche Esoterik, Verschwörungstheorien, Ufologie, aber auch Alternativmedizin und Pseudowissenschaften. Angeboten werden auch Werke von bekannten Antisemiten oder Propagandisten brauner Esoterik." Read more: Kopp Verlag (http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Kopp_Verlag#ixzz1jdhUtT1U) Na herzlichen Dank, solche Werke und Verlage haben der Welt noch gefehlt. Mfg SmL
Schfrage 16.01.2012
2. Glauben - wissen - mitlaufen - stagnieren
Schon "amüsant", dass Bücher, seien sie noch so verstörend (würden jetzt viele sagen) verkauft werden und anschließend (nicht nur) vom Spiegel als quasi Humbug dargestellt werden. Man sollte sich vor Augen führen, dass es lediglich Bücher sind, um die es hier geht. Jeder Mensch hat seinen eigenen Kopf, mit seinen eigenen Gedanken... was er dann aus dem Buch (lediglich Buchstaben auf Papier!!!) und seinem Inhalt macht, bleibt ihm und nur ihm überlassen. Wenn es aber darum geht scheinbar "gefährliche" Literatur zu verbieten, oder gleich einen ganzen Verlag anzugreifen, dann möge man sich doch mal Bücher der folgenden Person zur Brust nehmen: Zbigniew Kazimierz Brzeziński Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!!
stevowitsch 16.01.2012
3. Werbung
Zitat von schlutzmitlustigIch frage mich wirklich warum auf SpOn Werbung für ein solches Buch gemacht werden muss das sich ein mutmasslich paranoider zusammengeschustert hat. Alleine schon die Tatsache dass Wisnewski auf seiner HP den Kopp Verlag bewirbt und laut eigener Aussage dort auch publiziert hat sollte ihn eigentlich disqualifizieren hier erwähnt zu werden. Zitat EsoWatch zum Kopp Verlag : "Der Kopp Verlag ist ein deutscher Verlag und eine Versandbuchhandlung in Rottenburg am Neckar.[2] Inhaber und Gründer ist Jochen Kopp (geb. 1966), ein ehemaliger Polizist am Polizeipräsidium Stuttgart. Das Verlagsprogramm beinhaltet vor allem Bücher der Bereiche Esoterik, Verschwörungstheorien, Ufologie, aber auch Alternativmedizin und Pseudowissenschaften. Angeboten werden auch Werke von bekannten Antisemiten oder Propagandisten brauner Esoterik." Read more: Kopp Verlag (http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Kopp_Verlag#ixzz1jdhUtT1U) Na herzlichen Dank, solche Werke und Verlage haben der Welt noch gefehlt. Mfg SmL
Na, den Artikel als Werbung fuer besagtes Buch zu bezeichnen ist schon drollig. Ich finde, das ist ein klares "Daumenrunter". Die Wisnewski Fans holen sich die Schwarte sowieso, und wer den nicht kennt ist jetzt gewarnt, sein Geld fuer sowas auszugeben. Gut so.
schlutzmitlustig 16.01.2012
4.
Zitat von stevowitschNa, den Artikel als Werbung fuer besagtes Buch zu bezeichnen ist schon drollig. Ich finde, das ist ein klares "Daumenrunter". Die Wisnewski Fans holen sich die Schwarte sowieso, und wer den nicht kennt ist jetzt gewarnt, sein Geld fuer sowas auszugeben. Gut so.
Sicher ist es keine Werbung im positiven Sinne, aber dennoch Werbung, da das Buch (und evtl auch der Autor) hier einem breiteren Teil der SpOn-Leserschaft bekannt gemacht wird. Das Problem ist ja nicht der in seiner Meinung gefestigte Leser, sondern Menschen die sich von so etwas beeinflussen lassen, und alleine in meinem Bekanntenkreis gibt es davon einige.
SteveFfm 16.01.2012
5.
Zitat von schlutzmitlustigSicher ist es keine Werbung im positiven Sinne, aber dennoch Werbung, da das Buch (und evtl auch der Autor) hier einem breiteren Teil der SpOn-Leserschaft bekannt gemacht wird. Das Problem ist ja nicht der in seiner Meinung gefestigte Leser, sondern Menschen die sich von so etwas beeinflussen lassen, und alleine in meinem Bekanntenkreis gibt es davon einige.
Das Gefährliche ist doch nicht die Diversifizierung der Informationsquellen, im Gegenteil. Wer sich nur auf die Massenmedien verlässt, fällt ruck-zuck der Kriegspropaganda anheim, die embedded journalists oder die auf Pressemitteilungen angewiesenen Redaktionen verbreiten. Diese müssen sich noch nichtmal im Klaren darüber sein, wessen Lied sie singen. Nachrichtendienste tragen nicht umsonst diesen Namen. Bei allen Kriegen der letzten Jahre hat sich später herausgestellt, dass sie anders verliefen, als vom Mainstream berichet. Und wer sich mit der Materie beschäftigt und dazu auch alternative Informationsportale heranzieht, ist zumeist näher und früher an der Wahrheit. Was Sie als gefestigt bezeichnen, nenne ich leichtgläubig und vertrauensselig naiv.
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