Taschenbuch-Bestseller Von Amts wegen peinlich

Mit unverständlichen Worten zum Erfolg: Der TV-Journalist Hinrich Lührssen übersetzt in "Raumübergreifendes Großgrün" die schlimmsten Stilblüten der Behördensprache - und steigt damit auf Platz 23 in die Taschenbuch-Bestsellerliste ein.


Als Hinrich Lührssen vor einiger Zeit in einer Satzung der Stadt Ibbenbüren auf den Begriff "nicht lebende Einfriedung" stieß, war die Idee zu einem Bestseller geboren. "Um diesen Begriff zu klären, war ich im Behördenhaus: Erst im Bauamt, dann im Grünflächenamt, im Straßenbauamt und in der Straßenverkehrsbehörde. Keiner konnte den Begriff übersetzen", sagt der 51-jährige Fernsehjournalist. Erst der Leiter des Ibbenbürener Tiefbauamts konnte Lührssen nach einem Blick in die Akten aufklären: Eine "nicht lebende Einfriedung" ist ganz einfach ein Zaun. Bei der Gelegenheit lernte Lührssen auch gleich, dass es eine lebende Form der Einfriedung gibt: Die Hecke.

Hinrich Lührssen, Raumübergreifendes Großgrün

Hinrich Lührssen, Raumübergreifendes Großgrün

"Raumübergreifendes Großgrün" lautet der Titel des Buches, das aus der Amtsdeutsch-Erfahrung des Bremers entstanden ist. Die Zuschauer von Günther Jauchs RTL-Sendung "Stern TV" kennen Hinrich Lührssen durch seine Rubriken "Stern der Woche" und "Werbung beim Wort" als einen Journalisten, der sich nicht zu schade ist, Peinlichkeiten auszugraben oder zu inszenieren. Eine Menge Peinliches, unnötig Unverständliches hat er für sein Nachschlagewerk zutage gefördert. So benutzen manche Behörden das Wort "Lautraum" für eine Diskothek. Unter "Beelterung" sollte der Bürger die Vermittlung eines Kindes in eine Pflegefamilie verstehen, während die "Herkunftsmutter" die leibliche Mutter ist. Eine "Lebensberechtigungsbescheinigung" gibt es nicht für Menschen, sondern es handelt sich um das Stammbuch bei Hundezüchtern.

Das "raumübergreifende Großgrün" aus dem Buchtitel steht für einen Baum. Lührssen erinnert in diesem Zusammenhang an die legendäre Sängerin Alexandra, deren wohl bekanntesten Song er zu "Mein guter Bekannter, das raumübergreifende Großgrün, ist für immer von uns gegangen" verunstaltet.

Ingo Schiweck, buchreport


Hinrich Lührssen: Raumübergreifendes Großgrün, 192 S., 8,95 Euro, Rowohlt.

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insgesamt 1302 Beiträge
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BerSie, 13.08.2008
1. Gegen den Tag
Ob lesende Hund, sprechende Kugelblitze, oder das Michelson-Morley-Experiment... seltsam ist die Faszination des neuen Pynchon, der mich immer mehr in den Bann zieht! PS Wär ja schön, wenn hier auch Sachbuchbesprechungen toleriert würden!
joachim durrang 13.08.2008
2. bücher
ich lese hauptsächlich meine eigenen texte
kurzundknapp, 13.08.2008
3.
Zitat von joachim durrangich lese hauptsächlich meine eigenen texte
Wow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
BerSie, 13.08.2008
4.
Zitat von kurzundknappWow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
Was der wohl textet, wenn keiner zukuckt?:-)
Muffin Man, 13.08.2008
5.
Unter den Neuerscheinungen sind es in letzter Zeit nur zweie gewesen, die meine Neugier soweit geweckt habe, das Portemonnaie zu zücken: Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels (http://www.dtv.de/eleganz_des_igels/index.html)", eine möglicherweise interessante Gegenüberstellung zweier Außenseiterpositionen, ich hab's allerdings wegen eines höheren Stapels älterer Bücher, die ich noch vorher lesen will, kaum angerührt... und Cornelius Medveis "Mr. Thundermug (http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22701)", dessen Story allerdings ziemlich simpel ist - naja, DAS ist's ja auch, was Lesepublikum und Lektoren verlangen...
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