Taschenbuch-Bestseller Wenn eine Frau mit der Wade denkt

Susan Phillips führte ein biederes Leben als Hausfrau, bevor sie auf dem Fahrradsattel ihr Talent für das Schreiben von Liebesschmonzetten entdeckte. "Kein Mann für eine Nacht" ist neu auf Rang sechs der Taschenbuch-Bestsellerliste.


Eine junge Frau namens Fleur wird reich und berühmt; doch wenn sie allein ist, meldet sich ihre verwundete Seele. Sechs Jahre später erkennt Fleur, was ihr wirklich wichtig ist. In New York nimmt sie den Kampf gegen ihre intrigante Familie, ihre raffinierten Feinde und gegen den Mann auf, der ihr Herz gebrochen hat – und den sie nicht vergessen kann.

Schnüff.

Cover von "Kein Mann für eine Nacht": Sättigungsbeilage für in Liebesdingen unterernährte Frauen

Cover von "Kein Mann für eine Nacht": Sättigungsbeilage für in Liebesdingen unterernährte Frauen

Susan Elizabeth Phillips war eine literaturbegeisterte Hausfrau, als sie in ihre Rolle als zukünftige US-Bestsellerautorin hineinstolperte: Oft traf sie sich mit ihrer Freundin Claire, um sich von Windeln und Waschmaschine abzulenken. Weil die beiden Damen gern lasen, tauschten sie sich über Bücher aus und kamen im hausfraulichen Übermut einer Fahrradtour auf die Idee, es doch einmal mit einem Roman zu versuchen. Nach einem ersten Arbeitstreffen standen nach vier Stunden drei Sätze auf dem Papier.

Phillips wollte aber nicht aufgeben. Also erzählte sie Claire, wie sie die Chance, ihren Mann Bill näher kennen zu lernen, fast vergeigt hatte: Als sie ihn als frisch immatrikulierte Studentin der Theaterwissenschaft an der Uni fragte, was er denn werden wolle, antwortete er wahrheitsgemäß: Ingenieur. Trotz ihrer wirren Frage, ob das etwas mit dem Reparieren von Toastern zu tun habe, sei Bill bei ihr geblieben, so Phillips. Die Moral von der Geschicht'? Besser beharrlich sein als nicht.

Tatsächlich hatten die beiden jungen Frauen bald Erfolg: Als das Manuskript ihres historischen Liebesromans fast fertig war, schickten sie es an einen Verlag, der wider Erwarten antwortete: "Ja, wir wollen Ihren Text drucken." Das Buch erschien 1983 unter dem Pseudonym Justine Cole. Als Claire dann wenig später wegziehen musste, war Phillips mit ihren Schreibaspirationen auf sich allein gestellt.

Doch schon bald hatte sie das Erfolgsrezept für ihre Bestseller in Serie raus: Man nehme eine mit ihrem Leben unzufriedene, mäßig attraktive Frau um die 30 mit Erfolg im Job und einem sicheren Händchen für die Auswahl des falschen Mannes, der spätestens nach ein paar Wochen über alle Berge ist. Man lasse sie einem schmucken, welterfahrenen Traummann begegnen, der keinen Gedanken daran verschwendet, sich zu binden.

Es ist diese Mischung, die ein vorwiegend weibliches Publikum abends auf dem Sofa, bei einem Gläschen Sekt in der Badewanne oder im Urlaub zu den Büchern von Susan E. Phillips greifen lässt. Sie selber weiß, dass sie nicht allzu anspruchsvolle Frauenliteratur produziert. Doch auch wenn die Phillips'schen Heldinnen nach dem immer gleichen Strickmuster durchs Leben schlingern, lassen sich viele mit der leichten Kost abspeisen.

Mit ihrer Sättigungsbeilage für in Liebesdingen unterernährte Frauen ist die Autorin weit gekommen: Finanziell unabhängig, liebt sie Reisen, ausgedehnte Wanderungen und das Radfahren: Noch immer bringt sie Ideen für neue Bücher mit, wenn sie vor ihrem Haus vom Sattel steigt. So ist sie nach beinahe 30 Büchern zu Geld, Ansehen – und strammen Waden gekommen.

Helge Rehbein, buchreport


Susan E. Phillips: "Kein Mann für eine Nacht", Blanvalet, 7,95 Euro



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