Vor über 60 Jahren ist Andrea Camilleri aus seiner sizilianischen Heimat weggezogen, dennoch gilt der Schriftsteller als eine Art Kulturbotschafter der Insel. Sein bislang größter literarischer Erfolg: die Romanfigur Commissario Montalbano. Der launische Polizist aus der fiktiven sizilianischen Stadt Vigàta, für die Camilleris Geburtsort Porto Empedocle Pate stand, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und gelangt häufig durch eine Erleuchtung zur Lösung seiner Fälle.
Der heimatverbundene Ermittler zeigt sich angewidert von den politischen Verhältnissen in Italien und von der zunehmenden Brutalität. Mit seiner Vorliebe für die sizilianische Küche und seinem Sinn für Literatur kommt die Romanfigur laut eigener Aussage Camilleris dem Vater des Autors recht nahe.
"Die schwarze Seele des Sommers", Montalbanos zehnter Fall - 16 Fälle sind in Italien auf dem Markt, ins Deutsche übersetzt sind bislang elf -, führt den Kommissar auf der Suche nach einem vermissten Feriengast in eine Villa. Dort findet er einen Koffer mit der Leiche einer Frau, die seit Jahren als vermisst gilt. Wenig später nimmt eine Dame Kontakt zu ihm auf, die der Toten zum Verwechseln ähnlich sieht.
Der 1925 geborene Wahl-Römer Camilleri fing zu Beginn der vierziger Jahre an, Theaterstücke zu inszenieren, zahlreiche Regiearbeiten für Rundfunk und Fernsehen kamen hinzu. Kurzgeschichten, Gedichte und Artikel für Zeitschriften verfasste Camilleri schon früh; sein erster Roman erschien 1978. "Il Corso delle Cose" (in deutscher Übersetzung erst 2002 als "Hahn im Korb" veröffentlicht) war jedoch ebenso wenig ein Erfolg für den damaligen Regie-Professor wie seine nachfolgenden, im 19. Jahrhundert spielenden historischen Romane. Die große Popularität kam erst mit Commissario Montalbano.
Ingo Schiweck, buchreport

Andrea Camilleri:
Die schwarze Seele des Sommers.
Bastei Lübbe; 286 Seiten; 8,99 Euro.
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