Literatur Terézia Mora bekommt Georg-Büchner-Preis

Die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands geht dieses Jahr an Terézia Mora. Schmerzlich treffe die in Ungarn geborene Schriftstellerin den Nerv der Zeit, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Terézia Mora
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Terézia Mora


Die Schriftstellerin Terézia Mora bekommt den Georg-Büchner-Preis 2018. Das gab die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt bekannt. "In ihren Romanen und Erzählungen widmet sich Terézia Mora Außenseitern und Heimatlosen, prekären Existenzen und Menschen auf der Suche und trifft damit schmerzlich den Nerv unserer Zeit", heißt es in der Jury-Begründung. Mora wird der Preis am 27. Oktober in Darmstadt verliehen.

Die Jury lobt auch die Schonungslosigkeit, mit der die 47-Jährige Verlorenheit von Großstadtnomaden in den Blick nimmt und die Abgründe innerer und äußerer Fremdheit auslotet. "Dies geschieht suggestiv und kraftvoll, bildintensiv und spannungsgeladen - mit ironischen Akzenten, irisierenden Anspielungen und analytischer Schärfe."

Vielfach ausgezeichnet

Mora, 1971 im ungarischen Sopron geboren, wurde schon vielfach ausgezeichnet: 1999 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis für die Erzählung "Der Fall Ophelia" aus ihrem ersten Erzählband "Seltsame Materie". Auf der Leipziger Buchmesse gewann sie den Preis für ihren Roman "Alle Tage". Für ihren Roman "Das Ungeheuer" wurde sie 2013 auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Zuletzt erschien von Terézia Mora "Die Liebe unter Aliens", ein mitreißender Erzählband über Einsamkeit und Allzumenschliches, wie es in der Kritik von SPIEGEL ONLINE heißt. "Dass alles in diesen Erzählungen im Flow gehalten wird, verdankt sich den manchenteils umgangssprachlich eingefärbten, kurzen, rasanten Sätze, dem leichten Ton, der Alltag zur Literatur erhebt. Es ist eine Sprache, die nah an den Figuren ist und uns in deren Konflikte und Zerrissenheiten führt", heißt es dort.

Übersetzungen aus dem Ungarischen

Seit 1990 lebt Mora in Berlin, wo sie Theaterwissenschaft und Hungarologie an der Humboldt-Universität studierte und das Drehbuch-Diplom der Deutschen Film- und Fernsehakademie erwarb. Parallel zu ihrem erzählerischen Werk arbeitet sie auch als Übersetzerin aus dem Ungarischen. Unter anderem übersetzte sie Werke von Péter Esterházy, István Örkény und Zsófia Bán ins Deutsche.

Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als renommiertester Literaturpreis Deutschlands und wird seit 1951 verliehen. Preisträger waren unter anderem Erich Kästner (1957), Günter Grass (1965), Sarah Kirsch (1996), Wilhelm Genazino (2004) und im vergangenen Jahr der Lyriker Jan Wagner.

Alle Gewinner seit 2010:

2018: Terézia Mora

2017: Jan Wagner

2016: Marcel Beyer

2015: Rainald Goetz

2014: Jürgen Becker

2013: Sibylle Lewitscharoff

2012: Felicitas Hoppe

2011: Friedrich Christian Delius

2010: Reinhard Jirgl

2009: Walter Kappacher

2008: Josef Winkler

2007: Martin Mosebach

2006: Oskar Pastior

2005: Brigitte Kronauer

2004: Wilhelm Genazino

2003: Alexander Kluge

2002: Wolfgang Hilbig

2001: Friederike Mayröcker

2000: Volker Braun

brs

insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
GinaBe 03.07.2018
1. Gratulation!
Auf das MEHR darüber, welches in Aussicht gestellt wird, freue ich mich. Ebenso hoffe ich, umfangreich über das bevorstehende Ingeborg- Bachmann- Preis -Lesen von Klagenfurt aus auf dem literarischen laufenden Geschehen gehalten zu werden.
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