Tina Fey schreibt über ihr Leben: Der Feminismus ist ein Witz

Von Maren Keller

Was ist besser als "Frauen wie die, die man gern wäre"? Richtig: "Frauen, mit denen man gern befreundet wäre". Die US-Komikerin Tina Fey hat eine Art Biografie geschrieben. Das Buch macht sie endgültig zu der Frau, mit der man am allerliebsten zusammen lachen würde.

Komikerin Tina Fey: Die lustigste Frau der Welt Fotos
Rowohlt/ Corbis

So selbstverständlich wie man vom Mount Everest als höchstem Berg der Welt redet, so selbstverständlich folgt inzwischen auch auf Tina Feys Name ein Superlativ: lustigste Frau der Welt. Und das vollkommen zu recht.

Tina Fey, 42, kann man kennen - als ehemalige Chef-Autorin von "Saturday Night Live", als Autorin und Produzentin der Comedy-Serie "30 Rock", in der es um die Macher einer Comedy-Serie geht, und in der sie neben Alec Baldwin die Hauptrolle der Liz Lemon spielt. Und man sollte sie kennen - als Imitatorin von Sarah Palin, denn in dieser Rolle war sie so gut, dass Palin Autogrammkarten drucken ließ, auf denen stand: "Ich bin nicht Tina Fey".

Nerdbrillen und Minirock

Fast nebenher hat Fey einen neuen Frauentypus etabliert, die so genannten femnerds. Schusselige und chaotische Frauen, die trotzdem viel mehr sind als der hässliche Sidekick der Hauptrolle. Frauen, die gleichzeitig klug und chaotisch sind, die Nerdbrillen statt Minirock tragen - oder auch Nerdbrillen und Minirock, ganz wie sie wollen. Die sympathisch und attraktiv sind. Und sexy auf eine ganz eigene Weise. Zoey Deschanel in der Serie "New Girl" zählt zu diesen femnerds, die großartige Regisseurin und Schauspielerin Lena Dunham ("Girls") und Amy Poehler, die die Hauptrolle in "Parks and Recreation" spielt.

Bislang wurden in den Medien meist Frauen berühmt, die so waren wie andere Frauen gerne wäre. Nun hat Tina Fey ein Buch geschrieben, das sie zu der Frau macht, mit der Frauen am allerliebsten befreundet wären. "Bossypants" heißt das Buch. Und man könnte es vielleicht eine Biografie nennen, wenn es nicht noch viel mehr wäre. Denn eigentlich nutzt Fey nur die Ereignisse ihres Lebens, um daran entlang Geschichten zu erzählen: über Erwartungen und Misserfolge, über die kurze Zeit, in der sie dünn war, über den besten Sommer ihres Lebens, den sie einer Theatergruppe verdankt, über das Chef-Sein und über ihren Vater Don Fey.

Am Ende fügen sich alle Anekdoten zu einer großen Geschichte über das Selbstbewusst-Werden und das Sich-Selbst-Bewusst-Werden. Fey ist eine Frau, die grundsätzlich nie den Erwartungen entspricht, und am Ende trotzdem gewinnt: "Welcher neunzehnjährige Junge aus Virginia träumt nicht von einem breithüftigen, sarkastischen griechischen Mädchen mit kurzem Haar und Dauerwelle? Was sagen Sie da? Keiner von denen? Sie haben recht. Also verbrachte ich vier Jahre damit, die Desinteressierten zu bezaubern. (Das war vermutlich eine gute Vorbereitung für meine spätere Karriere bei einer Fernsehshow mit geringen Einschaltquoten.)"

Grunzend über Witze lachen

Natürlich war das Buch in den USA ein Hit: Fünf Wochen am Stück führte es die Bestsellerliste der "New York Times" an, wurde über eine Million Mal verkauft und von den Kritikern für seinen Humor gelobt. Was naheliegend ist. Weil es wirklich lustig ist. Aber darüber hinaus ist es auch ganz selbstverständlich und ganz unverkrampft ein politisches und ein feministisches Buch.

Fey ist zusammen mit Eva Longoria die bestbezahlte Darstellerin im amerikanischen Fernsehen; sie ist so erfolgreich, dass es kaum noch vorstellbar ist, dass es eine Zeit gab, in der die Männer die Witze machten und die Frauen lachten. Und so kann man von ihr etwas über Feminismus lernen - und es gleich bei der Lektüre umsetzen: Man muss nicht mädchenhaft über Witze kichern, man darf über Witze grunzen - und dabei gut aussehen.

Der Feminismus ist manchmal eben auch ein Witz. Und in diesem Fall ein wirklich guter.


Tina Fey: Bossypants, Rowohlt Polaris, 288 Seiten, 13,95 Euro.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. julia louis-dreyfus
Liam Lennon 25.06.2012
Vergesst mir die Julia Louis-Dreyfus nicht! Die hat schon lange vor Tina Fey die moderne, (unfassbar) witzige, chaotische, intelligente, selbstveralbernde, trottelige Powerfrau erschaffen!
2. Schade,
alettoria 25.06.2012
... dass es nicht möglich zu sein scheint, das Buch auf deutsch als eBook irgendwo herunter zu laden (ausser, man klickt obskure Links). Wie lange dauert das wohl noch?!
3.
s1lv 25.06.2012
Zitat von alettoria... dass es nicht möglich zu sein scheint, das Buch auf deutsch als eBook irgendwo herunter zu laden (ausser, man klickt obskure Links). Wie lange dauert das wohl noch?!
Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber wenn ihr Englisch einigermaßen gut ist, empfehle ich es auf Englisch. Man weiß nie, was eine Übersetzung am Humor verändert und es ist in der Originalsprache auch leicht zu verstehen.
4. griechisch?
s-hagmann 25.06.2012
wenn tina fey von griechischen Mädchen redet, meint sie Mitglieder von sororiities( Kennzeichen: 2-3 griechische Buchstaben als Abkürzung) an Unis, sororitiy girls geltenn aber aber oberflächlich, aber sexy.
5. Griechisch!
miss steff 25.06.2012
Zitat von s-hagmannwenn tina fey von griechischen Mädchen redet, meint sie Mitglieder von sororiities( Kennzeichen: 2-3 griechische Buchstaben als Abkürzung) an Unis, sororitiy girls geltenn aber aber oberflächlich, aber sexy.
Tina Fey ist griechischstämmig. Mit richtigem Vornamen heißt sie Elizabeth Stamatina.
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