US-Bestsellerautor Tom Clancy ist tot

"Jagd auf Roter Oktober" machte ihn weltberühmt: Der US-Schriftsteller Tom Clancy gehörte zu den bekanntesten Thriller-Autoren der Gegenwart. Nach Angaben der "New York Times" starb er nun im Alter von 66 Jahren.

AP

Hamburg/New York - Der US-Schriftsteller Tom Clancy ist tot. Der Bestsellerautor sei im Alter von 66 Jahren in einem Krankenhaus in Baltimore gestorben, meldete die "New York Times" per Kurznachrichtendienst Twitter am Mittwoch unter Berufung auf seinen Verleger.

Clancy war vor allem mit Polit-Thrillern wie "Jagd auf Roter Oktober" bekannt geworden. Der Autor, geboren 1947, arbeitete lange Jahre als Versicherungsagent. Eine Meuterei auf einem sowjetischen Zerstörer regte Clancy dazu an, seinen ersten Thriller "Jagd auf Roter Oktober" zu schreiben. Das Buch wurde auf Anhieb ein internationaler Erfolg, der sich in der Verfilmung mit Sean Connery in der Hauptrolle wiederholte.

Seinen ursprünglichen Berufswunsch, beim Militär Panzerkommandant oder U-Boot-Kapitän zu werden, konnte sich Clancy aufgrund seiner extremen Kurzsichtigkeit nicht erfüllen. Mit militärisch geprägten Polit-Thrillern brachte er es innerhalb weniger Jahre zum Bestsellerautor und Multimillionär. 1997 erhielt er für mehrere Romane und eine Jugendbuchreihe den Rekordvorschuss von mehr als 100 Millionen Dollar. 1998 kaufte Clancy das Football-Team der Minnesota Vikings.

Die Detailgenauigkeit, mit der Clancy über Waffensysteme berichtete, beeindruckte auch die US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush, die den Autor wiederholt zu Gesprächen einluden.

Aber auch die fiktiven Szenarien seiner Bücher kamen der späteren Realität derart nahe, dass sie sich im Nachhinein wie eine Vorwegnahme der Wirklichkeit lesen lassen: So hatte Clancy in den Thrillern "Ehrenschuld" und "Befehl von oben" bereits in den neunziger Jahren Selbstmordattentate eines Piloten auf eine Weise beschrieben, die den Anschlägen vom 11. September 2001 erstaunlich nahekam.

Seine Weltsicht fasste Clancy selbst in markigen Worten zusammen: "Ich wurde streng katholisch erzogen, ich glaube an Gut und Böse, an Recht und Unrecht. Und ich glaube auch, dass es sehr viel weniger moralische Unklarheiten gibt, als uns so mancher Intellektuelle glauben machen will."

Im Zentrum von Clancys Büchern stand seit "Jagd auf Roter Oktober" meist die Figur des Jack Ryan, ein Marinehistoriker, der es durch Börsenspekulationen zu Reichtum gebracht hatte - und im Roman "Ehrenschuld" gar Präsident der USA wird. In "Ziel erfasst", im Frühjahr 2013 auf den deutschen Bestsellerlisten, stellt Ryan sich abermals zur Wahl.

Mit der Firma Jack Ryan Enterprises betrieb Clancy die Vermarktung seiner Filmrechte. Neben "Jagd auf Roter Oktober" gehörten auch "Die Stunde der Patrioten" und "Das Kartell" mit Harrison Ford zu den erfolgreichen Clancy-Verfilmungen.

Vielen dürfte Clancy gar nicht als Buchautor, sondern als Videospielmarke in Erinnerung bleiben: Das Unternehmen Ubisoft stellt bereits seit vielen Jahren Produkte her, die stets "Tom Clancy's" im Namen tragen, etwa die Schleichspielserie "Splinter Cell", in der ein einsamer Elitekämpfer gegen übermächtige Bösewichte antritt. In Kürze wird "Tom Clancy's The Division" erscheinen, ein Spiel über Spezialkräfte, die nach einem Kollaps der USA aufgrund einer Seuche versuchen, im Chaos einen Rest Ordnung aufrechtzuerhalten. Clancys erzählerisches Markenzeichen - entschlossene, hervorragend ausgebildete Helden, die stets im Dienste der guten Sache handeln - passte hervorragend zu den aufwendigen, aber inhaltlich meist sehr schlichten Militärshootern der Gegenwart.

Der letzte von Clancy zu Lebzeiten veröffentlichte Roman erscheint im Januar 2014 in deutscher Übersetzung: "Gefahrenzone". Darin geht es um einen möglichen Militärschlag der Volksrepublik China gegen Taiwan.

sha/cis/dpa

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