Überraschende Auszeichnung Literaturnobelpreis geht an Tomas Tranströmer

Ehrung für einen Außenseiter: Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer erhält den Nobelpreis für Literatur. Das gab das Komitee in Stockholm bekannt und würdigte den 80-jährigen Dichter als einen der "größten Poeten unserer Zeit".


Hamburg/Stockholm - Der Literaturnobelpreis geht 2011 an den schwedischen Dichter Tomas Tranströmer. Das gab Peter Englund, der Sekretär der Schwedischen Akademie, in der Alten Börse in Stockholm bekannt. Die Begründung: "Tranströmer ist einer der größten Poeten unserer Zeit. Seine dichte Bildersprache verschafft uns einen neuen Zugang zur Realität."

Tomas Tranströmer wurde 1931 in Stockholm geboren. 1954 erschien sein erster Gedichtband "17 dikter". Er arbeitete als Psychologe in einer Jugendstrafanstalt und später für verschiedene Arbeitsämter. 1965 stellte Nelly Sachs den jungen Dichter in einer ersten Übersetzung dem deutschsprachigen Publikum vor. In deutscher Sprache erschienen bei Hanser später unter anderem seine Gedichtbände "Der wilde Marktplatz" und "Das große Rätsel".

In seinen Versen beschäftigt sich Tranströmer mit der Natur ebenso wie mit einer inneren, erträumten Welt jenseits der Realität - seine Gedichte tragen Titel wie "Landschaft mit Sonnen" oder "Die Nachtigall in Badelunda".

Tranströmers Name wurde seit längerem genannt, wenn es darum ging, die Favoriten für den Literaturnobelpreis aufzuzählen. Dass der Schwede tatsächlich ausgezeichnet wurde, ist trotzdem eine Überraschung. Das "Svenska Dagbladet" schrieb vorab sinngemäß: Über 80 Jahre alt, Lyriker und dann auch noch Schwede - die Akademie könne sich die Ehrung für ihn kaum erlauben.

Seine Frau Monica sagte kurz nach der Bekanntgabe, ihr Mann habe nicht mehr damit gerechnet, dass er das noch erleben dürfe. Der Dichter selbst kann nach einem Schlaganfall in den neunziger Jahren nur noch mit Mühe sprechen.

Der Literaturnobelpreis gilt als die weltweit wichtigste Auszeichnung für Schriftsteller. Er ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Im Jahr 2010 war der Peruaner Mario Vargas Llosa geehrt worden.

sha/dpa/dapd

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nahal, 06.10.2011
1. wieder
Zitat von sysopEhrung für einen Außenseiter: Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer erhält den Nobelpreis für Literatur. Das gab das Komitee in Stockholm bekannt und würdigte den 80-jährigen Dichter als einen der "größten Poeten unserer Zeit". http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,790251,00.html
Es beweist immer wieder, dass der Literaturnobelpreis, genau so wie der Friedensnobelpreis nicht ernstzuznehmen ist.
felix_bach 06.10.2011
2. belesen
Aha, sie kenne also seine Lyrik? QUOTE=nahal;8864869]Es beweist immer wieder, dass der Literaturnobelpreis, genau so wie der Friedensnobelpreis nicht ernstzuznehmen ist.[/QUOTE]
jutta weise, 06.10.2011
3. .
es hat nichts mit Ernstzunehmen zu tun, denn: Kunst ist Geschmacksache, daher wird die Nominierung dieses Preises auch immer Kontroversen auslösen. Beim Friedensnobelpreis sehe ich das allerdings viel kritischer, siehe Obama. Der war mehr als fragwürdig!
Dauthendey 06.10.2011
4. ...
Zitat von nahalEs beweist immer wieder, dass der Literaturnobelpreis, genau so wie der Friedensnobelpreis nicht ernstzuznehmen ist.
Na, da beweist aber jemand seinen literarischen Sachverstand. --- Endlich wird wieder einmal ein großer europäischer Dichter ausgezeichnet, aber sie scheinen keinen schimmer zu haben, wer das ist. Immerhin sind sie da ja in guter Gesellschaft, Reich-Ranicki hat via BILD auch gerade verlauten lassen, dass ihm der Name nichts sagt. Tja, mangelnde Bildung bringt einen offensichtlich weiter.
ogs 06.10.2011
5. Titel:
Zitat von jutta weisees hat nichts mit Ernstzunehmen zu tun, denn: Kunst ist Geschmacksache, daher wird die Nominierung dieses Preises auch immer Kontroversen auslösen. Beim Friedensnobelpreis sehe ich das allerdings viel kritischer, siehe Obama. Der war mehr als fragwürdig!
Genau so isses. :-) Bei Literatur kann es jeden treffen und man denkt sich vielleicht "Aha". Wenn ich mir vorstelle, dass Kohl schon wieder für den Friedensnobelpreis gehandelt mir, da schüttelts mich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.