Umstrittene McDonald's-Aktion: Buch zum Burger

Geschickter Werbe-Schachzug oder soziale Verantwortung? Weil vier Millionen Kinder in Großbritannien kein Buch besitzen, verteilt McDonald's jetzt zum "Happy Meal" Kinderliteratur statt Plastikfigur. Ein perfider Weg, um den Nachwuchs zum Burger-Konsum zu erziehen, meinen Kritiker.

Pommes und Burger in einer McDonald´s Filiale: Unangemessene Marketing-Strategie? Zur Großansicht
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Pommes und Burger in einer McDonald´s Filiale: Unangemessene Marketing-Strategie?

Hamburg/London - Jedes dritte Kind in Großbritannien besitzt kein Buch. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des National Literary Trust vom Dezember vergangenen Jahres. Für vier Millionen Kinder heißt das: Keine Gute-Nacht-Geschichte, kein Gruseln unter der Bettdecke, keine Märchenstunde im Kinderzimmer. Dem tristen Zustand will jetzt ausgerechnet die amerikanische Fast-Food-Kette McDonald's ein Ende setzen: Von Mitte Januar bis Anfang Februar werden in den britischen Filialen zu jedem "Happy Meal" statt quietschbunter Plastikfiguren Kinderbücher als Gimmick dazugelegt. Für die Eltern gibt es sogar noch eine kleine Fingerpuppe - damit sie die Geschichten zu Hause für die Kleinen nachspielen können.

So soll beispielsweise die Bauernhof-Katze "Mossop" zum Leben erweckt werden, die zu faul zum Mäusefangen ist. "Mossop" ist eine Figur in der bekannten Kinderbuch-Serie von Michael Morpurgo, einem der renommiertesten Kinderbuchautoren der Insel und Schöpfer von "War Horse", das jüngst von Steven Spielberg verfilmt wurde. Die Kinderbuch-Aktion ist Teil einer Partnerschaft zwischen Morpurgos Verlag HarperCollins und der Burger-Kette. Neun Millionen Bücher sollen so in den vier Wochen den Weg vom Schnellrestaurant ins Kinderzimmer finden - und McDonald's einen sozialen, geradezu fürsorglichen Anstrich verleihen.

Der Direktor des gemeinnützigen National Literacy Trust sprach der Werbeaktion seine Unterstützung aus. Die hohe Reichweite der Aktion werde seiner Meinung nach im hohen Maße dazu beitragen, Familien zum gemeinsamen Lesen zu ermutigen.

Ob die Verbindung zwischen Kinderbüchern und fettigem Fast Food der beste Weg ist, Kindern das Lesen wieder näherzubringen, ist allerdings umstritten. "In einer Zeit, in der wir eine Adipositas-Epidemie bei Kindern haben, ist dies eindeutig eine unangemessene Marketing-Strategie.", sagte Charlie Powell, Direktor einer Kampagne für gesunde Kinderernährung, der Daily Mail. Die Idee hinter der Aktion sei offensichtlich, Fast Food für Kinder und Jugendliche attraktiver zu machen. "Das ist nicht die Richtung, in die wir gehen sollten." Man solle vielmehr hinterfragen, ob es McDonald's Rolle in der Gesellschaft sei, sich um die Alphabetisierung der Kinder zu kümmern.

vks

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Genau!
pausenfueller 16.01.2012
Fake: McDonalds spendet Unicef 10 Millionen Dollar! "In einer Zeit, in der wir eine Adipositas-Epidemie bei Kindern haben, ist dies eindeutig eine unangemessene Marketing-Strategie.", sagte Charlie Powell..." Fake: McDonalds schafft Frieden im Nahen Osten! "In einer Zeit, in der wir eine Adipositas-Epidemie bei Kindern haben, ist dies eindeutig eine unangemessene Marketing-Strategie.", sagte Charlie Powell..." Oh Mann! Statt dem blöden Platikmüll verteilen die jetzt EINMAL was sinnvolles in ihren Tüten, und schon hat wieder jemand was zu meckern. Was erwarten die Kritiker denn? Dass McDoof in jede Kindertüte ein kleines Stückchen frisch geschlachtetes Robbenbaby reintut, nur damit niemand glaubt sie wollten was positives für ihr Image tun? Puhhh ...
2.
Atheist_Crusader 16.01.2012
Zitat von sysopDie Idee hinter der Aktion sei offensichtlich, Fast Food für Kinder und Jugendliche attraktiver zu machen.
Oh mann, man kann sich auch künstlich aufregen... Jaaa. So macht man Dinge für Kinder und Jugendliche attraktiver: man packt Bücher dazu. Zum Lesen. Aus Papier. Ohne USB-Port. Und selbst wenn: damit verführte man auch nicht mehr Heranwachsende zum Fastfood-Konsum (als ob man das überhaupt müsste), als Erwachsene mit Sammel-Kaffeetassen. Wer regt sich denn ernsthaft über sowas auf? Dass FastFood ungesund ist, dürfte auch der letzte Hirnsklerotiker verstanden haben, genauso wie Zigaretten, Alkohol und diverse andere Dinge. Also was soll die Aufregung? Jede Form von "unangemessener" Konnotation verbieten? Bücher sind gut und FastFood ist schlecht, also darf man das nicht verbinden? Ist ja fast so bescheuert wie der Wirbel über die an den Bierkonsum gekettete Regenwald-Rettung. Geht's denn so langsam noch? WTF? Leute, kommt mal wieder runter. Das klingt so, als würde McDonald's jetzt die öffentlichen Schulen aufkaufen und in deren Kantinen nur noch Essen aus eigener Herstellung anbieten. Sie verteilen nur ein paar Bücher, so what? Das darf jeder tun.
3.
Zephira 16.01.2012
Selbst wenn McDonald's jedem Kunden einen lebenslangen Büchereiausweis spendieren würde, würden die Kritiker jammern. Als wenn McDonald's daran schuld wäre, dass sie es nicht auf die Reihe kriegen, sich von etwas anderem als Fast Food zu ernähren...
4. Na und?
dr.u. 16.01.2012
Zitat von sysopDie Idee hinter der Aktion sei offensichtlich, Fast Food für Kinder und Jugendliche attraktiver zu machen. "Das ist nicht die Richtung, in die wir gehen sollten." Man solle vielmehr hinterfragen, ob es McDonald's Rolle in der Gesellschaft sei, sich um die Alphabetisierung der Kinder zu kümmern.
Wenn sich sonst niemand in der Gesellschaft dazu berufen fühlt, den Kinder das Lesen näher zu bringen... Es grenzt ja schon fast an ein Scheitern der Gesellschaft bzw. Bildungspolitik, wenn eine Fastfoodkette diesbezüglich in die Bresche springen muss. Ansonsten finde ich die Idee richtig gut. Diese bunte, lärmende Plastikspielzeug ist doch sowiso die Pest.
5. Gegen Titelzwang
Ollie_ 16.01.2012
Man kann sich auch über alles aufregen. Die Kinder futtern doch eh bei Mäkkes. Daher ist die Aktion zu begrüßen. Besser Bücher als "Made in China" Schrott. Hoffentlich wird dies von den Kindern bzw. Eltern auch angenommen.
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