Ungarn: Schriftsteller Esterházy im Radio zensiert

Ein guter Rat kann in Ungarn manchmal schon zu viel sein: Das staatliche Radio hat einen Satz aus einer Radiosendung von Péter Esterházy herausgeschnitten. Der Schriftsteller hatte seinen Hörern geraten, das Nationaltheater zu besuchen, bevor ein Regime-loyaler Regisseur dort Intendant wird.

Schriftsteller Esterházy (Archivfoto): International bekannter Autor Zur Großansicht
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Schriftsteller Esterházy (Archivfoto): International bekannter Autor

Budapest - Es war nur ein kleiner Satz in einer monatlichen Radiosendung, doch das staatliche ungarische Radio hat ihn trotzdem herausgeschnitten. Schriftsteller Péter Esterházy hatte seinen Hörern geraten, das Budapester Nationaltheater zu besuchen, so lange dessen Intendant Robert Alföldi noch im Amt sei. Diese Stelle habe Esterházy zufolge in der später ausgestrahlten Sendung jedoch gefehlt.

Alföldi wird im Sommer von Attila Vidnyanszky abgelöst. Der Regisseur steht Ministerpräsident Viktor Orbán nahe und gilt als Vertreter einer antiwestlichen, konservativen Theaterauffassung. Seit der rechtskonservative Orbán 2010 die Macht übernommen hat, kontrollieren Orbán-loyale Kader die öffentlich-rechtlichen Medien in Ungarn. Manipulationen und Zensur kommen häufig vor.

Esterházy ist im deutschen Sprachraum vor allem für seine Werke "Donau abwärts" (1992) und "Harmonia Caelestis" (2001) bekannt. Er selbst schrieb über die Zensur in der Wochenzeitung "Élet és Irodalom", ein Internetportal veröffentliche Auszüge aus dem Beitrag.

max/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Ich habe Angst
mike_spiegel 03.01.2013
gerade _weil_ es sich hierbei eigentlich um eine Kleinigkeit handelt. Das zeigt, wie weit die Angst in diesem Land schon gediehen ist. Genau so hat es in Deutschland angefangen. :-( Ich hoffe nur, dass ich Unrecht habe.
2. Was soll denn die gespielte Empörung?
DerScheinTrügt 03.01.2013
im Forum bei Spiegel Online gibt es doch schließlich auch Zensur.
3. Eine Schande für Europa
mcadamde 03.01.2013
---Zitat--- Ein guter Rat kann in Ungarn manchmal schon zu viel sein: Das staatliche Radio hat einen Satz aus einer Radiosendung von Péter Esterházy geschnitten. Der Schriftsteller hatte seinen Hörern geraten, das Nationaltheater zu besuchen, bevor ein Regime-loyaler Regisseur dort Intendant wird. ---Zitatende--- Und das im 21. Jahrhundert, in der Europäischen Union...?! Wir tadeln Länder der zweiten und dritten Welt, kritisieren China, Russland und die Türkei wegen deren "Menschenrechtsinterpretation". Und mitten in der EU lassen wir eine ehemals so freiheitliebende Nation zu einer schandhafte Diktatur verkommen??? Wann endlich werden wir einsehen, dass Menschenrechte sogar über der Grundidee der Demokratie stehen müssen?! Menschenrechte dürfen nicht missachtet werden, auch dann nicht wenn das scheinbar "demokratisch legitimiert" passiert!
4. Brenzlige Themen
Peter-Lublewski 03.01.2013
Zitat von DerScheinTrügtim Forum bei Spiegel Online gibt es doch schließlich auch Zensur.
Oder brenzlige Themen werde erst gar nicht zur Diskussion freigegeben. Auch eine Art Zensur :-(
5. Rhetorische Fragen
janeinistrichtig 03.01.2013
Péter Esterházy kenne ich nicht. Wie deutlich allerdings Ungarn, als Mitglie der EU, sich unter Orbán entwickeln durfte und darf, nämlich in Richtung einer herrschaftlichen Regierungsform einer kleinen Gruppe, die sich quasi alles erlauben kann, ist mir völlig unverständlich. Mit all den Gesetzesänderungen, Restriktionsmöglichkeiten, Unfreiheiten. Wo verbleibt eigentlich der freiheitliche, menschenrechtliche Exportschlager "Demokratie" der EU, wenn solcher eigentlich nur noch auf die finanzielle Bilanz eines Mitglieds schaut? Wenn also nicht zu wenig, schon gut bedeutet. Wenn er so leicht, wie in Ungarn, kontakariert werden kann?
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