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Unpolitische Autoren: Günter Grass kritisiert junge Kollegen

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, 82, kritisiert in einem SPIEGEL-Gespräch die mangelnde Bereitschaft junger Autorenkollegen, sich politisch zu äußern: "Sie sollten nicht die Fehler der Weimarer Republik wiederholen und sich in privater Distanz halten."

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ddp

Günter Grass: "Eine andere Wertigkeit"

Grass, dessen neues Buch "Grimms Wörter" jetzt erscheint, äußerte sich im SPIEGEL-Gespräch auch zur Zukunft des Buchs in Zeiten elektronischer Lesegeräte. Das Buch werde "eine andere Wertigkeit bekommen", so der Autor. "Die Massenproduktion wird sich reduzieren, und das Buch wird wieder das Ansehen eines aufbewahrenswerten, vererbbaren Gegenstandes erlangen." Er selbst habe mit seinem Verleger abgesprochen, das keines seiner Bücher für Lesegeräte wie das iPad freigegeben werde, "bevor ein die Autoren schützendes Gesetz wirksam wird".

Grass, der 1999 in Stockholm mit der höchsten literarischen Würde ausgezeichnet worden war, hält den Nobelpreis im Nachhinein für "weniger wegweisend" in seinem Leben als den Preis der Gruppe 47 im Jahr 1958. Der, so Grass, "wurde von Kollegen vergeben und hatte daher ein ganz anderes Gewicht". Außerdem sei er damals "arm wie die Kirchenmaus" gewesen.

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1. Die politische Stille in der Kultur
werner.harke 15.08.2010
Grass hat sicher Recht und dass nicht nur im Bereich der Literatur, wo er in der Nach-Böll-Zeit politisch etwas zu sagen hatte. Wenn wir an die aufrüttelnden Lieder der Liedermacher in den 19hundert-Endsechzigern und -Siebzigern denken; An sozialkritische Filme eines Fassbinder und...und ..und! Wo sind die Gründe für diese politische Stille zu suchen? Ist es das Profitdenken der Kulturschaffenden und die Angst, dem Subventionen Rotstift zum Opfer zu fallen, wenn sie sich allzu kritisch mit dem System auseinander setzen? Man hat das Gefühl, in Literatur, Theater, Film und Musik setzt sich der "Soap show" Trend des Privatfernsehens durch: Unterhaltung und Effekthascherei um jeden Preis und dem Preis der Einschaltquoten.Frei nach dem Motto des Julius Cäsar: "Gebt dem Volk Brot und Spiele!" Dem wäre noch hinzuzufügen:"Ein dummes Volk lässt sich besser regieren!"
2. genau so isses...
vidapura 15.08.2010
Wo sind die Gründe für diese politische Stille zu suchen? Ist es das Profitdenken der Kulturschaffenden und die Angst, dem Subventionen Rotstift zum Opfer zu fallen, wenn sie sich allzu kritisch mit dem System auseinander setzen? Man hat das Gefühl, in Literatur, Theater, Film und Musik setzt sich der "Soap show" Trend des Privatfernsehens durch: Unterhaltung und Effekthascherei um jeden Preis und dem Preis der Einschaltquoten.Frei nach dem Motto des Julius Cäsar: "Gebt dem Volk Brot und Spiele!" Dem wäre noch hinzuzufügen:"Ein dummes Volk lässt sich besser regieren!"[/QUOTE] denn es kommt natürlich noch dazu jenes wort: prekäres volk, mit leeren (wohlstands)versprechen eingelullt, weiß natürlich, dass man schnell weg ist vom medienfenster, wenn man keilt, siehe frau heidenreich...!!!
3. nachfolge
autocrator 15.08.2010
Zitat von vidapuraWo sind die Gründe für diese politische Stille zu suchen? Ist es das Profitdenken der Kulturschaffenden und die Angst, dem Subventionen Rotstift zum Opfer zu fallen, wenn sie sich allzu kritisch mit dem System auseinander setzen? Man hat das Gefühl, in Literatur, Theater, Film und Musik setzt sich der "Soap show" Trend des Privatfernsehens durch: Unterhaltung und Effekthascherei um jeden Preis und dem Preis der Einschaltquoten.Frei nach dem Motto des Julius Cäsar: "Gebt dem Volk Brot und Spiele!" Dem wäre noch hinzuzufügen:"Ein dummes Volk lässt sich besser regieren!"[/QUOTE] denn es kommt natürlich noch dazu jenes wort: prekäres volk, mit leeren (wohlstands)versprechen eingelullt, weiß natürlich, dass man schnell weg ist vom medienfenster, wenn man keilt, siehe frau heidenreich...!!!
man muss heutzutage nicht mal keilen: halbwegs intelligent sein, einfach nur sagen was sache ist, und einigermaßen bekannt sein, das reicht schon. Eben, siehe Frau Heidenreich. Natürlich hat Grass recht, und natürlich gibt es keine alternative zum politischen engagement aller (nicht nur der schreiberlinge), in einer demokratie. Was Grass aber nicht sieht: Das engagement seiner generation verpuffte offensichtlich im Nichts, und die alt-68er, die jetzt schon seit geraumer zeit am ruder sind, fahren eine politik, die 180° das gegenteil dessen ist, was die seinerzeitlichen erkenntnisse waren. Man hat ja nicht das gefühl, dass irgendwas "besser" geworden ist, im gegenteil. Und sich mit leuten gemein machen, die dafür verantwortlich sind - soviel charakter hat die Grass-nachfolgegeneration wenigstens, das nicht zu tun.
4. Politik ist uninteressant ?!
MadMad 15.08.2010
Im übrigen hat die Politik einfach nicht mehr den Stellenwert, den es noch vor 40 Jahren hatte. Bereits Kinder werden heute überflutet mit einer Vielzahl von Angeboten und die Politik steht dabei sicherlich eher hinten. Politikverdrossenheit nennt man so etwas und solange Politiker mit einem Charisma wie unsere Frau Merkel an der Macht sind, wird sich daran nicht viel ändern. So jemand wie Barack Obama täte uns da sicher gut. Mad von www.diemeinungen.de
5. heute nicht mehr nötig
matt1981bav 15.08.2010
Die Chance der SS beizutreten wie er haben die jungen Kollegen von Grass zum Glück heutzutage nicht mehr, deswegen brauchen sie dann auch nachher nicht aus Schuldgefühlen und Vertuschung nach ganz links wechseln wie der Herr Grass.
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Heft 33/2010:
Allein gegen Hitler
Wie Winston Churchill die Nazis stoppte

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