"Landgericht": Ursula Krechel erhält den Deutschen Buchpreis
Ein jüdischer Richter kehrt nach der Nazi-Zeit nach Deutschland zurück - und wird nicht gerade willkommen geheißen. Für ihren Roman "Landgericht" wurde Ursula Krechel jetzt mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
Frankfurt - Die Schriftstellerin Ursula Krechel erhält den Deutschen Buchpreis 2012. Sie bekommt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für den Roman "Landgericht", wie die Jury des Buchpreises am Montagabend in Frankfurt am Main am Vorabend der Buchmesse bekanntgab.
Im Roman der 64-jährigen Autorin geht es um die Gründungsjahre der Bundesrepublik und erzählt die Geschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer. Nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland kehrt er 1947 in seine Heimat zurück und stößt erneut auf Abwehr.
Im nüchternen Chronikstil beschreibt Krechel zugleich den schwierigen Neuanfang nach dem Krieg und die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit. Sie betrachte ihr Buch auch "als persönliche Wiedergutmachung an den Opfern", sagte Krechel bei der Preisverleihung.
"Bald poetisch, bald lakonisch, zeichnet Krechel präzise ihr Bild der frühen Bundesrepublik - von der Architektur über die Lebensformen bis hinein in die Widersprüche der Familienpsychologie", heißt es in der Begründung der Jury. "Landgericht" sei "ein bewegender, politisch akuter, in seiner Anmutung bewundernswert kühler und moderner Roman".
Die in Berlin lebende Autorin hat sich mit 13 Gedichtbänden vor allem als Lyrikerin einen Namen gemacht. "Landgericht" ist erst ihr zweiter Roman. Krechel setzte sich im Finale gegen fünf weitere literarische Neuerscheinungen durch. Der Deutsche Buchpreis wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen. Vergeben wird er vom Deutschen Buchhandel.
Der Preis steht für eher konventionell gemachte Literatur, die auf ein breites Publikum zielt. Staatstragende Themen haben gute Chancen, häufig erzählt vor dem Hintergrund einer Familiengeschichte. Und genau das, bemängeln Kritiker, ist mittlerweile sein Problem.
Ursula Krechel wurde 1947 geboren und hatte erst vor vier Jahren mit "Shanghai fern von wo" ihren späten Debütroman vorgelegt - eine Geschichte um jüdische Flüchtlinge am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, die in Shanghai zu überleben versuchen. Krechel wurde für den Roman mehrfach ausgezeichnet.
kha/dpa/dapd
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