Offener Brief an US-PEN-Zentrum Schriftsteller wollen sich nicht von Israel unterstützen lassen

Einmal im Jahr lädt das amerikanische PEN-Zentrum Autoren aus aller Welt nach New York. Zu den Sponsoren des World-Voices-Festivals zählt auch die israelische Botschaft. Dagegen haben nun über 100 Schriftsteller protestiert.

"Die Farbe Lila"-Autorin Alice Walker
Getty Images

"Die Farbe Lila"-Autorin Alice Walker


Die Pulitzerpreis-Gewinner Alice Walker, Richard Ford und Junot Díaz zählen zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes, der sich an die amerikanische Sektion der internationalen Schriftstellervereinigung PEN richtet.

Darin fordern die über 100 Unterzeichner, dass das US-PEN-Zentrum die Unterstützung der israelischen Botschaft ablehnen solle, die zu den Sponsoren des jährlich vom PEN-Zentrum ausgerichteten Festivals World Voices zählt.

"Es ist sehr bedauerlich, dass das Festival sich dazu entschlossen hat, sich von der israelischen Regierung unterstützen zu lassen, während diese seit Jahrzehnten der palästinensischen Bevölkerung ihre Grundrechte verweigert und regelmäßig palästinensische Schriftsteller und Journalistin ins Visier nimmt", heißt es in dem Schreiben, das von der Organisation Adalah-NY initiiert wurde - eine New Yorker Gruppe, die zum Boykott israelischer Institutionen aufruft.

Unter dem offenen Brief, der hier im Wortlaut zu lesen ist, finden sich die Namen weiterer prominenter Intellektueller und Autoren, darunter Angela Davis, Louise Erdrich oder Rachel Kushner. Auch der palästinensische Autor Ahmad Qatamesh, gegen dessen Festnahme durch israelische Behörden das internationale PEN-Zentrum 2011 protestiert hatte, zählt zu den Unterzeichnenden. Ausdrücklich richtet sich der Aufruf nicht gegen einzelne Israelis, sondern nur gegen die staatlichen Institutionen.

In einer Antwort des amerikanischen PEN-Zentrums an seine Mitglieder verwies Colm Tóibín, der Schirmherr des diesjährigen World-Voices-Festivals, auf eine seit 2007 bestehende Richtlinie, sich keinen Boykott-Aktion gleich welchen Ziels anzuschließen. In der vom "Guardian" zitierten Mail verweisen die Organisatoren darauf, dass verschiedene Regierungen das Festival unterstützten. Dass die Finanzierung aus vielen Quellen komme, sichere, "dass alle Programmentscheidungen unsere sind." Auch unterstütze man nicht die politischen Positionen der Sponsoren.

Das amerikanische PEN-Zentrum war bereits vor rund einem Jahr in die Kritik einiger seiner Mitglieder geraten, als es auf seiner Gala den Preis für Meinungsfreiheit dem Satiremagazin "Charlie Hebdo" zuerkennen wollte. Damals hatten mehr als 200 Autoren protestiert.

feb



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