US-Satiriker Dave Barry "Schickt mehr nackte Deutsche her!"

Als gäbe es nicht schon genug Beziehungsforscher: Mit seinem neuen Buch schaltet sich jetzt auch US-Satiriker Dave Barry in die Diskussion ein. Und erklärt den Frauen endlich, warum manche Männer bekloppt genug sind, mit einem Kanu eine Skisprungschanze herunter zu brettern.

Von Silvia Tyburski


Komiker Barry, l., mit John Cleese: "In unseren Köpfen passiert rein gar nichts"
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Komiker Barry, l., mit John Cleese: "In unseren Köpfen passiert rein gar nichts"

In der David-Letterman-Show zündete Dave Barry einmal eine Herren-Unterhose an. Einzige erlaubte Hilfsmittel: eine Barbie-Puppe mit Roller Blades und sehr viel Haarspray. Barry, Vater eines 24-jährigen Sohnes und einer fünfjährigen Tochter, hatte herausgefunden, dass Barbies Rollschuhe Funken sprühen, wenn man sie nur heftig genug über den mit Spray präparierten Slip rollt.

Der Klassenclown Amerikas

Für seinen Teenager-Humor wird der Satiriker und Journalist von einer großen Fangemeinde geliebt. Dave Barry ist der Klassenclown der USA. Einer, dessen rundem, jungenhaften Gesicht man ansieht, dass er es war, der dem Lehrer das Furzkissen auf den Stuhl gelegt hat. Ausgerechnet dieser Typ, der nie erwachsen geworden ist, hat jetzt ein Buch über Männer geschrieben: "Dave Barry erklärt, was ein echter Kerl ist", der englische Originaltitel: "Dave Barrys Complete Guide to Guys - a Fairly Short Book". Ein Männerführer also, der in den USA gerade verfilmt wurde.

Die Grundthese: Frauen glauben, Männer würden ihr Gehirn benutzen. Ein fataler Irrtum - jedenfalls, wenn es sich um einen "echten Kerl" handeln sollte. Ein Kerl, das ist laut Barry ein Mann, der mit einem Golden Retriever artverwandter ist als mit seiner Freundin. "Frauen meinen, wir wären genauso sensibel und grüblerisch wie sie", erklärt Barry, 57, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Aber das sind wir nicht. In unseren Köpfen passiert rein gar nichts. Da ist nur ein Rauschen, etwa so: krchchchchchchch...", sagt er und imitiert ein schlecht eingestelltes Radio.

Barry im Kreise junger Damen: "Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass wir sexistisch sind, hätte sie uns nicht verschiedene Geschlechter gegeben"
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Barry im Kreise junger Damen: "Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass wir sexistisch sind, hätte sie uns nicht verschiedene Geschlechter gegeben"

Eigentlich habe er nicht die geringste Ahnung von Beziehungsdingen, sagt Barry über Barry. Mangel an Kenntnis aber hat ihn noch nie davon abgehalten, eines seiner unsachlichen Sachbücher zu schreiben, auf deren Umschlägen wahlweise aufblasbare Krokodile, Gummi-Enten oder batteriebetriebene Aufzieh-Männer zu sehen sind.

Gottgewollter Sexismus

In seinem Männerführer beschreibt er unter anderem, wie Kerle sich auf Herrentoiletten verhalten (Pufferzonen zwischen den Pissoirs einhalten und niemals - niemals! - Blickkontakt mit Mitpinklern aufnehmen). Er argumentiert für das Recht, sich mit Schmutzwäsche die Nase zu putzen und erläutert, warum manche Kerle bekloppt genug sind, mit einem Kanu eine Skisprungschanze hinunter zu brettern. Auf diese Erklärung haben Frauen seit Beginn der Menschheit gewartet - oder wenigstens seit der Vertreibung aus dem Paradies. Dass er dabei das eine oder andere Klischee bedient, rechtfertigt er so: "Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass wir sexistisch sind, hätte sie uns nicht verschiedene Geschlechter gegeben."

Komiker unter sich: "John Cleese ist permanent witzig"

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Mit dem Schreiben hat Barry 1975 bei der Lokalzeitung angefangen. Dort berichtete er über "stinklangweilige Gemeindesitzungen, von denen einige wahrscheinlich noch immer nicht beendet sind". Später sinnierte er in seiner Kolumne über Politik, Sex, verstopfte Toiletten und vollgepupste Windeln. 22,50 Dollar habe er anfangs pro Text verdient, sagt er. 1988 erhielt er für seine Kolumne den Pulitzerpreis. Seine Glossen, die er zuletzt für den "Miami Herald" schrieb, wurden zuletzt in 500 Zeitungen gedruckt.

Barrys Figur hat sich in den letzten Jahren der von Dirk Bach angenähert. Das hindert ihn aber nicht daran, Fotos ins Internet zu stellen, auf denen er von Schönheiten mit langen Haaren und tiefen Ausschnitten umgarnt wird. Er trägt gern rosa und blaue Hemden mit Palmen und Fischen drauf. Auf seiner Website sieht man ihn verkleidet, Grimassen schneidend und in wilden Posen - etwa eine Toilette mit einem Vorschlaghammer bedrohend. Nebenbei spielt er Gitarre in einer Band, die er zusammen mit Stephen King, Amy Tan, Simpsons-Erfinder Matt Groening und anderen Schriftstellern gegründet hat. Sie nennt sich "The Rock Bottom Remainders" - "Die Ladenhüter".

Die "New York Times" erklärte Dave Barry zum lustigsten Mann der Vereinigten Staaten. Er ist zumindest einer ihrer besten Komiker. Kein leichter Job. Wie toppt man sich selbst, wenn man jahrelang ein Feuerwerk an Gags und Haarspray-getränkten Unterhosen gezündet hat? Beim Lesen des "Männerführers" schleicht sich das schale Gefühl ein, das alles irgendwie schon gelesen zu haben - auch wenn dies, anders als andere Barry-"Sachbücher", keine Sammlung bereits erschienener Kolumnen ist. Was als Glosse funktioniert, kann in Buchform langatmig werden.

"Playboy"-Hefte als Familienersatz

Der Pointen-Pyromane ist müde geworden. Anfang Januar verkündete er im "Miami Herald", diese Kolumne sei vorerst die letzte. Er hat sich ein Jahr frei genommen, ein Sabbatical, in dem er zwei weitere Bücher zu Ende bringen will. Ende 2005 will er entscheiden, ob er als Kolumnenschreiber zurückkehrt oder nicht. "Ich bekam darauf hin eine Menge E-Mails und Briefe von Lesern, die mich baten, weiter zu machen. Und viele nette Artikel wurden über mich geschrieben - fast, als wäre ich gestorben. Es ist, als würde ich zu meiner eigenen Beerdigung gehen, wo jeder sagt: 'Er war ein netter Kerl.'"

Auch prominente Fans tragen Trauer, darunter Komiker Steve Martin. Sein Bedauern drückte er allerdings auf seine eigene Art aus, mit einem Kommentar in der "Washington Post": "Dave behauptet, er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Ich sage Ihnen das nur ungern - aber Daves Familie besteht nur aus einer Haschischpfeife und ein paar alten 'Playboy'-Heften." Im Gespräch rückt Barry das gerade: "In Wirklichkeit habe ich brandneue 'Playboy'-Hefte!"

Kaum im Ruhestand, tüftelt Barry schon wieder neue Projekte aus. Zusammen mit Thriller-Autor und "Remainders"-Bassist Ridley Pearson schreibt er an einem Kinderbuch. Und in amerikanischen Kinos gibt es in diesem Jahr ein Wiedersehen, wenn der "Guide to Guys" als Film anläuft. Eine Low-Budget-Produktion des Drehbuchautoren von "Schlaflos in Seattle", Jeff Arch. Der schaffte es immerhin, Monty-Python-Chefkomiker John Cleese zu engagieren.

Entertainer Barry: "In Wirklichkeit habe ich brandneue 'Playboy'-Hefte"
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Entertainer Barry: "In Wirklichkeit habe ich brandneue 'Playboy'-Hefte"

Cleese gestand in Interviews, schon seit Jahren begeisterter Barry-Anhänger zu sein. Im Film spielt er verschiedene, halbseidene Experten, die das Wesen von Kerlen psychologisch, biologisch und soziologisch erforschen. Dafür schlüpfte Cleese laut Barry jedes Mal "in eine total schlechte Verkleidung. Er trägt mal einen miesen Bart im Gesicht, mal eine miese Perücke auf dem Kopf."

Bleibt Monty-Python-Fan Barry für wenige Sekunden einmal ernst, erzählt er, wie brillant er Cleese findet. "Ich habe schon viele Leute getroffen, die vor der Kamera witzig sind, aber nicht, wenn man sich ganz normal mit ihnen unterhält. John Cleese ist permanent witzig!" Ein echter Kerl eben, genau wie Barry.

Nackte Tatsachen aus Deutschland

In der Frage, was einen echten Kerl ausmacht, haben die Deutschen laut Barry übrigens noch einiges zu lernen. In seiner Tabelle "Männer und echte Kerle im Vergleich" tauchen die verantwortungsbewussten Deutschen zusammen mit Leonardo da Vinci, George Washington und Superman auf der "Männer"-Seite auf, Italiener kommen dagegen als echte Kerle weg - gemeinsam mit Walt Disney, George W. Bush und Bart Simpson.

"Ich hoffe, das wird bei Ihnen nicht als Beleidigung aufgefasst", sagt Barry, und schwärmt, um Wiedergutmachung bemüht, von den vielen deutschen Touristen in seiner Heimat Florida. "Die Deutschen lieben Miami. Und wir lieben sie! Sie kommen her und geben nicht nur viel Geld aus, sondern sie gehen auch nackt an den Strand."

Das komme bei den Amerikanern wohl nicht so gut an, sagt man, halb entschuldigend. "Oh doch!", entgegnet Barry: "Das kommt hervorragend an! Wir finden es wunderbar! Schickt mehr nackte Leute her."



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