Wegen umstrittener Äußerungen Uwe Tellkamp sagt Lesereise im Norden ab

Bei einer Debatte in Dresden hatte der Schriftsteller Uwe Tellkamp Positionen von AfD und Pegida vertreten. Jetzt hat er eine Lesereise abgesagt: Er sehe "eine nicht unerhebliche Gefahr, dass seine Lesungen zweckentfremdet" werden könnten.

Uwe Tellkamp
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Der Schriftsteller Uwe Tellkamp hat seine im März geplante Lesereise in Norddeutschland nach Angaben des Eichthal-Verlags abgesagt: "Der Autor Uwe Tellkamp fühlt sich nach den Vorkommnissen bei der Diskussion in Dresden momentan nicht in der Lage, Lesungen vor Publikum durchzuführen", teilte der Verleger der Edition Eichthal, Jens-Uwe Jess, am Donnerstag mit. Es sei nicht gelungen, diesen Entschluss rückgängig zu machen. "Herr Tellkamp sieht eine nicht unerhebliche Gefahr, dass seine Lesungen zweckentfremdet und von Kräften gekapert werden, die mit Literatur wenig oder nichts zu tun haben."

Tellkamp hatte bei einer Diskussion im Dresdner Kulturpalast Positionen der AfD und der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung vertreten und sich mit dem Dichter Durs Grünbein einen verbalen Schlagabtausch um die Flüchtlingspolitik und Meinungsfreiheit geliefert. Bei der Debatte vor mehreren Hundert Zuschauern im Dresdner Kulturpalast sagte der 49-jährige Tellkamp zu den Motiven von Flüchtlingen unter anderem: "Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent."

Daraufhin hatte sich der Suhrkamp-Verlag von seinem Autor distanziert. In Schleswig, Kiel, Lübeck und Hamburg (19. bis 23. März) sollte der Dresdner Autor aus seinem Werk "Die Carus-Sachen" lesen, das bei Edition Eichthal erschienen ist, sowie aus "Lava", der noch unveröffentlichten Fortsetzung seines Werks "Der Turm" (2008).

"Tellkamp ist als Autor hochwichtig. Und es ist überhaupt nicht notwendig, dass ich in allen Teilen seiner Meinung bin", sagte Jess in Hamburg. In den "Carus-Sachen" schildert der studierte Arzt Tellkamp nach Angaben des Verlags im Rahmen einer Vater-Sohn-Beziehung das Leben und Werk seines Dresdner Vorgängers, des Mediziners, Schriftstellers und Naturphilosophen Carl Gustav Carus. Die Versöhnung von Natur und Technik sei ebenso wichtig wie die Meinungsfreiheit, ergänzte Jess.

bsc/dpa



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