München/Hamburg - Hat Natascha Kampusch in ihrem Entführungsfall gelogen? Eigentlich war die Österreicherin am Mittwoch nach München gereist, um den Film "3096 Tage" vorzustellen, der auf ihrer Autobiografie beruht und die achtjährige Gefangenschaft im Keller des Werbetechnikers Wolfgang Priklopil behandelt. Doch bei der Pressekonferenz musste sich die 25-Jährige Fragen zum Wahrheitsgehalt des Films stellen.
Ausgerechnet Kampuschs Vater Ludwig Koch hatte neue Zweifel an der Entführungsgeschichte gesät. In dem Buch "Vermisst" des britischen Autors Alan Hall, das am Dienstag in London erschien, bezweifelt Koch, dass seine Tochter jahrelang in dem Verlies gelebt haben soll.
"Das Mädchen aus dem Keller ist ein Mythos", heißt es in einer Passage, die auf der Internetseite oe24.at publiziert worden war. "Sie wartete mit ihrer Flucht, bis sie 18 war, weil sie nicht in ein Heim wollte oder zu ihrer Familie zurück."
Kampusch selbst hatte nichts von dem Buch gewusst, als sie am Mittwoch vor die Presse trat. "Ich bin so erschüttert", sagte die 25-Jährige den Medienvertretern. "Ich werde nachdenken und Spaziergänge machen müssen."
Die Wienerin wurde als Zehnjährige von Priklopil gekidnappt. Im August 2006, im Alter von 18 Jahren, gelang ihr die Flucht. Ihr Entführer nahm sich daraufhin das Leben. Seitdem gibt es Gerüchte, dass Kampusch über die Entführung nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte. Das Buch ihres Vaters, mit dem Natascha Kampusch in früheren Interviews hart ins Gericht gegangen war, wird diese Vorbehalte weiter nähren.
sbr/dpa
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