Von Stefan Pannor
Vincent Burmeister, 1983 in Kiel geboren, stammt aus der Punkszene - dem Teil der Szene, die Punk als Möglichkeit sieht, Grenzen zu überschreiten, statt sich im Schmuddelimage einzunisten.
Entsprechend vielfältig ist die Backlist des jungen Zeichners. Von Pop-Art-beeinflussten, quietschbunten "Perry Rhodan"-Comics über das regenverhangene Nordsee-Mordsee-Drama "Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kieland" bis hin zur Aufarbeitung der deutschen Kriegsbeteiligung in Afghanistan unter dem Titel "Kriegszeiten" reicht die Liste.
Letzteres hat so gut wie gar keine Farbe mehr. Nach autobiografischen Schilderungen und Recherchen des Journalisten David Schraven arbeitet Burmeister die Jahre 2001 bis 2011 grafisch auf, illustriert misslungene Kriegseinsätze und PR-Stunts deutscher Politiker, die den festgefahrenen Auslandseinsatz in Afghanistan kennzeichnen.
In bissigem Gelb - ein Punk würde vermutlich "pissgelb" sagen - und tiefem Schwarz, immer kurz vor der Grenze zum Abstrakten und grafisch das große Vorbild Frank Miller nicht verleugnend, ist "Kriegszeiten" eine hochätzende Kriegschronik. Die Bitterkeit des Buches erklärt vielleicht den Zynismus von Burmeisters Weihnachtsillustration, die er exklusiv für SPIEGEL ONLINE angefertigt hat.
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