Virginia Woolf Melancholische Ikone weiblichen Schreibens

"Liebster, ich fühle deutlich, daß ich wieder verrückt werde...": Virginia Woolf gilt als Pionierin der literarischen Moderne. Berühmt wurde die Britin auch durch ihre Anfälle von Wahnsinn.

Virginia Woolf
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Virginia Woolf


Eine Frau im Profil, die Augen sehen müde aus, die Haare sind im Nacken zum Knoten gebunden. Um ihr Gesicht weht Herbstlaub. So sieht die Startseite von Google an diesem Donnerstag aus: Das Unternehmen erinnert damit an den 136. Geburtstag der einflussreichen britischen Schriftstellerin Virginia Woolf.

Geboren wurde sie am 25. Januar 1882 als Adeline Virginia Stephen in London. Schon früh arbeitete sie als Schriftstellerin und Kritikerin. Ende der Zwanzigerjahre war sie international bekannt und erfolgreich, sie schrieb unter anderem die Romane "Mrs Dalloway", "Die Fahrt zum Leuchtturm" und "Die Wellen". Bis heute gilt Woolf als eine der einflussreichsten feministischen Autorinnen des vorigen Jahrhunderts und als Pionierin der literarischen Moderne.

1912 nahm Woolf den Heiratsantrag des Schriftstellers und politischen Publizisten Leonard Woolf an. Die Beziehung zwischen den intellektuell ebenbürtigen Partnern beschränkte sich auf den geistigen Austausch - die lesbischen Beziehungen seiner Frau überging Leonard Woolf mit Schweigen (seine Erinnerungen an Woolf erschienen 1988 auch auf Deutsch).

Das Paar gründete gemeinsam seinen eigenen Verlag, die Hogarth Press. Es bot Woolf nicht nur die Möglichkeit, geschätzte Avantgardisten aus aller Welt - von Maxim Gorki bis Italo Svevo, Gertrude Stein und Rainer Maria Rilke - dem englischen Publikum nahezubringen - sondern auch, ihre Bücher so zu publizieren, wie sie es wollte.

Depressionen und Suizid

Virginia Woolf durchlitt privat schwere Zeiten, sie war Opfer sexuellen Missbrauchs in der Familie, litt zeitlebens unter Depressionen und war bekannt für ihre Anfälle von Wahnsinn. Im Alter von 13 Jahren erlitt Woolf ihren ersten Nervenzusammenbruch. Mit 22 unternahm sie einen Selbstmordversuch. Ein zweiter scheiterte ein Jahr nach der Hochzeit knapp.

Ende Februar 1941 beendete Woolf ihren Roman "Zwischen den Akten" und verfiel erneut in tiefste Depressionen. Am 28. März fand Leonard Woolf einen Brief auf dem Kaminsims: "Liebster, ich fühle deutlich, daß ich wieder verrückt werde... Ich glaube nicht, daß zwei Menschen glücklicher hätten sein können, bis diese schreckliche Krankheit kam... Wenn jemand mich hätte retten können, wärest Du es gewesen. Alles andere hat mich verlassen, außer dem sicheren Wissen um Deine Güte. Ich kann Dein Leben nicht länger ruinieren. V." Drei Wochen später entdeckten Kinder ihren im Wasser treibenden Leichnam.

Auch nach ihrem Tod wirkte Woolfs Werk nach. 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker vier ihrer Romane zu den 100 bedeutendsten britischen Romanen: "Die Fahrt zum Leuchtturm", "Mrs Dalloway", "Die Wellen" und "Orlando". Der SPIEGEL nannte sie einmal die "melancholische Ikone weiblichen Schreibens".

Google

Für die Zeichnung auf Googles Startseite ist die in London ansässige Künstlerin Louise Pomeroy verantwortlich. Das Herbstlaub, so heißt es zur Erklärung des Doodles, sei ein wiederkehrendes Motiv in den Werken Woolfs. Dazu wird sie mit diesen Worten zitiert: "The autumn trees gleam in the yellow moonlight, in the light of harvest moons, the light which mellows the energy of labor, and smooths the stubble, and brings the wave lapping blue to the shore."

aar



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