Neuer Duden: "Vollpfosten" darf rein, "Stickhusten" fliegt

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Neue Wörter braucht das Land. Der Duden-Verlag hat das Standardwerk in Buchform überarbeitet und vermerkt jetzt auch Begriffe wie "App" oder "Spacko". Andere mussten dafür weichen.

Berlin - Wer häufiger die Bezeichnung "Vollpfosten" über sich ergehen lassen muss, kann jetzt wenigstens nachschlagen, wofür ihn seine Mitmenschen halten: für einen sehr dummen Menschen. So steht es zumindest im neuen Duden, der die umgangssprachliche Bezeichnung in seine 26. Version mit aufgenommen hat. Auch "Spacko" hat es unter die 5000 neuen Wörter des gelben Standardwerks geschafft - wobei die Definition ähnlich zu der des "Vollpfosten" ausfallen dürfte.

Auch Wörter aus der Netzwelt sind nun zu finden: "Shitstorm", "Facebook", "App" und "Social Media". Bei dem Wort "Compi" handelt es sich laut Duden übrigens um eine umgangssprachliche Bezeichnung für - Überraschung! - Computer. Darüber hinaus hat sich vor allem die Finanzkrise niedergeschlagen. So kann in der gedruckten Ausgabe, die am Donnerstag erscheint, erstmals "Eurobond", "Finanztransaktionssteuer" und "Zockerpapier" nachgeschlagen werden.

"Alle drei bis vier Jahre wandelt sich der Wortschatz so stark, dass eine Überarbeitung des Standardwerks sinnvoll ist", sagt Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht. Neu ist auch die "Vorständin", die gleichberechtigt neben dem Vorstand steht, auch wenn im wirklichen Leben erst ein Bruchteil der Vorstandsposten in großen Unternehmen mit Frauen besetzt sind. Kaum mehr gebrauchte Ausdrücke der vorigen Ausgabe aus dem Jahr 2009 wie "Buschklepper", "Füsillade" und "Stickhusten" wurden dafür gestrichen.

Das Bibliographische Institut, wie der zur Cornelsen-Gruppe gehörende Duden-Verlag offiziell heißt, will mit der Neuausgabe auch die Negativschlagzeilen über den Umzug nach Berlin beenden. Von den einst 190 Mitarbeitern werden nur neun bei der jetzt 40-köpfigen Truppe in der Bundeshauptstadt weiter beschäftigt. 20 konnten für die Software-Sparte in Mannheim bleiben, etwa 45 waren bei dem inzwischen an den S. Fischer Verlag verkauften Kinder- und Jugendbuchprogramm tätig. Letztlich hätten insgesamt knapp 70 Mitarbeiter eine endgültige Kündigung bekommen, so eine Sprecherin.

Duden-Geschäftsführerin Marion Winkenbach gibt sich dennoch zuversichtlich. Das neue Team in Berlin sei hoch motiviert, der Duden werde trotz aller Internetangebote auch gedruckt seinen Stellenwert behalten. "Das ist ein Werkzeug wie Messer und Gabel, das hat jeder daheim." Insgesamt enthält der neue Duden knapp 140.000 Einträge - etwa das Zehnfache des aktiven Wortschatzes eines Durchschnittsdeutschen.

vks/dpa

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