Buch über den "Sieg" des FC Bayern Zu früh gekommen

Steilvorlage für einen Shitstorm: In den Social Networks machen Links und Screenshots eines bizarren Buch-Vorverkaufs die Runde - der Schmöker feiert den Sieg des FC Bayern in der Champions League. Daraus wurde nichts, und natürlich auch nicht aus dem Buch.

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Triumph im Vorverkauf: Das nie erschienene Buch "Der Pott ist dahoam!"
weltbild.de

Triumph im Vorverkauf: Das nie erschienene Buch "Der Pott ist dahoam!"


Es ist eine Nachricht, nach der sich Fans gesehnt haben: "Der FC Bayern München ist Champions-League-Sieger 2012 und hat 'dahoam' im eigenen Stadion die wichtigste internationale Trophäe für Vereinsmannschaften gewonnen" ist da schwarz auf weiß zu lesen. Der Satz ist ein Auszug aus einem Werbetext für ein angekündigtes Buch des Sportjournalisten Thomas Roth ("Kicker").

Und weil der Satz durchaus nicht aus einem Paralleluniversum berichtet, sorgt er zurzeit für einige Aufmerksamkeit: Genau so warb der Copress Verlag für ein Buch, das ein Bestseller hätte werden können. Wenn die Dinge anders gelaufen wären. Sind sie aber nicht.

Und deshalb kollidieren nun mediale Welten: Das Buch- und Verlagsgeschäft mit seiner wanderdünenhaften Geschwindigkeit mit der bedingungs- und gnadenlosen Jetztzeitigkeit von Foren, Facebook und Google Plus. Denn dort hagelt es nun natürlich Spott und Häme: Am Abend des Champions-League-Finales hatte es nur Stunden gebraucht, bis ein Leser von SPIEGEL ONLINE eine Entdeckung machte, über die er dann direkt zünftig im Forum lästerte: "Bei Amazon steht ein Buch zur Vorbestellung bereit, das das Bärenfell schon vorab verteilte - und nun wahrscheinlich nie in Druck gehen wird."

Der Titel des Buches: "Der Pott ist dahoam!"

So was nennt man eine Steilvorlage zum Shitstorm. Der setzte aber erst am Montag ein, bei Google Plus und Facebook. Inzwischen machen Links zu Vorbestellungsseiten für das Buch die Runde, denn tatsächlich ist das virtuelle Werk noch bei etlichen Online-Buchhändlern bestellbar. Bei Amazon kletterte es von Montag bis Mittwoch aus der Obskurität einer sechsstelligen Platzierung zeitweilig auf Rang 2500 der meistbestellten Bücher - und auf Rang vier der Bücher über "EM, WM, Champions & Nationalmannschaft".

Autor Thomas Roth versteht die ganze Aufregung nicht. "Es ist doch völlig normal", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, "dass Bücher gegenüber dem Buchhandel angekündigt werden und dann aus irgendwelchen Gründen vielleicht doch nicht erscheinen."

"Die Basis" von 1997: Roth wartet seit 15 Jahren darauf, die Geschichte fortzuschreiben
Copress

"Die Basis" von 1997: Roth wartet seit 15 Jahren darauf, die Geschichte fortzuschreiben

Stimmt, die Peinlichkeit liegt einzig in der Kollision von Online- und Buchwelt. Die passen mitunter immer noch nicht so recht zueinander, weil sie gänzlich anders ticken. Denn bei Online-Buchhändlern sind Bücher ab dem Zeitpunkt der Ankündigung auch vorbestellbar. Sie werden zu konkreten Waren, die man schon kaufen kann, bevor sie überhaupt entstehen. Das lässt Roth nun so dastehen, als hätte er lang vor dem Champions-League-Finale schon einmal ein Buch über den Sieg geschrieben.

Das aber sei absolut nicht so. Roth: "Ich habe schon 1997 ein Buch über deutsche Teams im Europapokal geschrieben, das seitdem nicht fortgeführt wurde. Im Grunde stellt das die Basis dar, mit Kapiteln über deutsche und österreichische Erfolge in vergangenen Jahrzehnten. Ich hätte nach dem Finale jetzt nur noch ein Kapitel über den Erfolg der Bayern schreiben müssen, dann hätte das Buch erscheinen können."

Bestseller auf der Wartebank

Hätte, denn natürlich wird es das nicht. Nach dem verpatzten Finale tilgte der Copress Verlag das Buch aus dem Programm. Bis es nun aus den Datenbanken der Händler verschwindet, ist es nur eine Frage der Zeit. Mit der Aufnahme haben es die Online-Hhändler offenbar eiliger als mit der Streichung.

Was beim Verlag auch niemanden aufregt. Buchverlage planen langfristig, sie denken in Monaten, nicht in Tagen oder Stunden. Aber sie haben auch ihre Ziele: Ein Buch, das sich am Scheitern der Bayern im Finale aufhinge, wäre kaum verkäuflich - es sei denn, es ginge um Robben-Witze, die in den Social Networks ebenfalls gerade mächtig Konjunktur haben.

Also liegt Roths Projekt, die Geschichte der deutschen Erfolge im europäischen Vereinswettbewerb fortzuschreiben, wieder auf unbestimmte Zeit auf Eis. Sein virtueller Bestseller beschert ihm nun mehr Aufmerksamkeit als jedes andere Buch, das er nie herausgebracht hat - Roth fremdelt deutlich mit den bizarren Nebenwirkungen dieser übereiligen Online-Medienwelt.

Dass sein "Der Pott ist dahoam!" ein Bestseller auf Abruf oder Wartebank werden könnte, war ihm schon im Vorfeld klar: "Ich wusste ja, worauf ich mich da einlasse." Aber irgendwann, hofft der Münchner Autor, werde er schließlich "die Bayern gewinnen sehen".

Die Basis für das dann fällige Buch liegt bereit.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Rubeanus 23.05.2012
1. Nichts neues
So etwas gab es früher auch schon: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/2/28/Deweytruman12.jpg
achmed1 23.05.2012
2. welch ein
Zitat von sysopCopressSteilvorlage für einen Shitstorm: In den Social Networks machen Links und Screenshots eines bizarren Buch-Vorverkaufs die Runde - der Schmöker feiert den Sieg des FC Bayern in der Champions League. Daraus wurde nichts, und natürlich auch nicht aus dem Buch.. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,834719,00.html
witz. weder Ral Madrid nach dem elfertreten, noch so´nst eine Manschaft hat bisher solch einen Buhai um ein verkorkstes Spiel gemacht. wer 120 min zu dämlich ist, einen vermeindlich schwachen gegener zu schlagen, kann doch haooy sein
Kosmopolit08 23.05.2012
3.
Zitat von sysopCopressSteilvorlage für einen Shitstorm: In den Social Networks machen Links und Screenshots eines bizarren Buch-Vorverkaufs die Runde - der Schmöker feiert den Sieg des FC Bayern in der Champions League. Daraus wurde nichts, und natürlich auch nicht aus dem Buch.. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,834719,00.html
Spot und Häme sind in diesem Fall wohl eher an Verein und Mannschaft gerichtet, nicht an den Autor. Der Hochmut vor dem Fall, in diesem Fall das Loblied in Form eines Buches bevor das Spiel überhaupt gelaufen ist, passt eben zum FC.
f_baer 23.05.2012
4.
Zitat von Kosmopolit08Spot und Häme sind in diesem Fall wohl eher an Verein und Mannschaft gerichtet, nicht an den Autor. Der Hochmut vor dem Fall, in diesem Fall das Loblied in Form eines Buches bevor das Spiel überhaupt gelaufen ist, passt eben zum FC.
Stimmt, weil der FCB auch so viel damit zu tun hat... Wenn sich die Medien schon im Vorfeld darin ergehen, wie klar ein Ergebnis doch ausfallen werde, dann halluziniert ihresgleichen gleich UH als Verfasser. Es bleibt aber, genau so wie die angeblich schon entschiedene Meisterschaft im November/Dezember, ein Medienhype, der nichts mit den Aussagen der Verantwortlichen zu tun hat.
deus-Lo-vult 23.05.2012
5. ...
Zitat von sysopCopressSteilvorlage für einen Shitstorm: In den Social Networks machen Links und Screenshots eines bizarren Buch-Vorverkaufs die Runde - der Schmöker feiert den Sieg des FC Bayern in der Champions League. Daraus wurde nichts, und natürlich auch nicht aus dem Buch.. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,834719,00.html
Tja, Hochmut kommte bekanntlich vor dem Fall! Ich gönne den Bayern den dritten 2. Platz in Folge! Waren es nicht die Bayern, die vor Jahren über "Vizekusen" spotteten? Man sieht sich immer 2 Mal im Leben. Nicht wahr "Vizebayern"? :P
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