Warnung vor Mordkomplott Salman Rushdie sagt Teilnahme an Literaturfestival ab

Khomeinis Mordbefehl verfolgt den Autor der "Satanischen Verse" noch immer: Zwei Killer seien auf dem Weg, ihn in Jaipur zu töten, wurde Salman Rushdie vom indischen Geheimdienst gewarnt - der Schriftsteller strich daraufhin seine Teilnahme am dortigen Literaturfestival.

AFP

Hamburg/Neu Delhi - Aus Angst vor einem Mordanschlag hat der britische Schriftsteller Salman Rushdie seine Teilnahme an einem Literaturfest im nordwestindischen Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaats Rajasthan, abgesagt. Er sei vom Geheimdienst informiert worden, dass zwei bezahlte Mörder aus der Unterwelt Mumbais auf dem Weg nach Jaipur seien, um ihn zu töten, sagte der Autor des Romans "Die satanischen Verse" am Freitag in einer von den Organisatoren veröffentlichten Mitteilung.

Er habe zwar einige Zweifel an diesen Informationen, ergänzte der indischstämmige Autor. "Es wäre aber dennoch meiner Familie, dem Publikum und meinen Schriftsteller-Kollegen gegenüber unverantwortlich, unter diesen Umständen zu dem Festival zu kommen." Er werde sich stattdessen per Videokonferenz zu Wort melden. Die Absage sei eine große Tragödie, bedauerten die Veranstalter.

Die geplante Teilnahme des 64-Jährigen an dem wichtigsten Literaturfest Südasiens hatte zu heftiger Kritik von muslimischen Politikern und Theologen geführt. Die einflussreiche islamische Hochschule Darul Uloom Deoband hatte die Regierung in Neu Delhi aufgefordert, Rushdie die Einreise zu verweigern. Vor der Wahl im bevölkerungsreichsten indischen Bundesstaat Uttar Pradesh - wo 19 Prozent der Einwohner dem Islam anhängen und die Darul Uloom Deoband ihren Sitz hat - unterstützten auch politische Parteien die Forderung. Die Regierung des Bundesstaates Rajasthan hatte wegen der Kontroverse Sicherheitsbedenken angemeldet, sollte Rushdie an dem Festival in Rajasthans Hauptstadt Jaipur teilnehmen.

Rushdie hatte in den vergangenen Jahren immer wieder an Literaturveranstaltungen in Indien teilgenommen. Indien war nach Erscheinen der "Satanischen Verse" im Jahr 1988 das erste Land, das das umstrittene Werk verbot.

1989 verhängte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ein Todesurteil gegen Rushdie, weil das Buch Muslime beleidige. Der Autor lebte daraufhin jahrelang unter strengstem Polizeischutz in London und New York.

sha/dpa



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