Übergangener Dichter Wondratschek Privatmann vergibt Alternativen Büchner-Preis

Und wer bekommt den Georg-Büchner-Preis wieder nicht? Wolf Wondratschek. Das geht nicht, findet ein Privatmann. Und machte den Dichter jetzt zum ersten Preisträger eines flugs ausgerufenen Alternativen Büchner-Preises.

Wolf Wondratschek
imago stock&people

Wolf Wondratschek


Ohne Frage hat der Dichter Wolf Wondratschek schon lange den wichtigsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis, verdient. Trotzdem ging die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung vor ein paar Tagen schon wieder an ihm vorbei. Sie sprach den Preis dem Lyriker Jan Wagner zu, der vor allem für eine liebevolle Detaillyrik aus Zoo, Wald und Gemüsegarten bekannt ist. Dem privaten Investor Helmut Maier reicht es jetzt: Er lobte spontan einen eigenen Preis aus, den er Alternativen Büchner-Preis nennt.

Das Preisgeld ist ebenso hoch wie beim nicht alternativen Preis, 50.000 Euro, die Jury besteht aus ihm allein und der erste Preisträger heißt Wolf Wondratschek. "Ach, ich mache halt manchmal verrückte Sachen", sagt Maier im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er habe sich geärgert, dass dieser Gigant schon wieder nicht ausgezeichnet wird. Er sei "ein Liebhaber der Sprache" und habe einfach etwas tun wollen.

Maier hatte schon vor ein paar Jahren Wondratscheks Romanmanuskript "Selbstbild mit Ratte" dem Dichter abgekauft - um diesen Roman allein für sich zu haben. Maier ist Literaturliebhaber und Wondratschek-Fan. Er ist, so sagt er, Senior Partner einer Internationalen Unternehmensberatung im Ruhestand und lebt in Wien.

Ihm war gar nicht bewusst, so sagt er im Gespräch, dass es einen Alternativen Büchnerpreis schon einmal gab. Der Darmstädter Bürger Walter Steinmetz hatte ihn - aus Unzufriedenheit über die Juryentscheidungen - vor fast dreißig Jahren ausgelobt.

Walter Jens war damals der erste Preisträger, die Laudatio hielt Marcel Reich-Ranicki. Es folgten als weitere Preisträger unter anderem Dieter Hildebrandt und Hans Werner Richter. Ob Maier nun dauerhaft einen Gegenpreis zum Akademiepreis vergeben will, steht noch nicht fest.

Was aber klar ist: Mit Wondratschek ("Früher begann der Tag mit einer Schusswunde"), der sich dem Literaturbetrieb schon immer konsequent verweigert, hat Maier jedenfalls schon einmal einen fantastischen ersten Preisträger gefunden. Wer weiß, vielleicht lässt sich ja sogar die Darmstädter Akademie von der zwingenden Entscheidung aus Wien in ihrer Auswahl für das nächste Jahr beeinflussen, und Wondratschek wird zum ersten Doppelpreisträger in der Geschichte dieses großen Preises und seiner Alternative. Unsere Stimme hat er jedenfalls.

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marcus_tullius 23.06.2017
1. Wondratschek-XXX-Preis
Die beste Idee wäre, Wolf "Schusswunde" Wondratschek jedes Jahr einen alternativen Preis zu verleihen, der einen etablierten Preis einfach emuliert. Preisgeld inklusive, Pokal oder Medaille dito. Würde beim "Alternativen Wondratschek-Nobelpreis" etwas teurer (aber noch deutlich unter einer Mio. Euro), doch der Mäzen wird sich wohl leisten können und müssen, den Giganten der deutschen Sprache angemessen auszustatten. Wenn heutzutage schon Feld-Wald-und-Hasen-Lyriker und nuschelnde Folk-Sänger Literatur-Preise kriegen ...
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