Pop-Literat Wolfgang Welt ist tot

Er schrieb über sein Leben als Plattenhändler, Popkritiker und Nachtwächter - und porträtierte dabei das Ruhrgebiet eindrucksvoll. Nun ist der Schriftsteller Wolfgang Welt in Bochum gestorben. Er wurde 63 Jahre alt.


An prominenten Fürsprechern mangelte es Wolfgang Welt nicht: Als er Anfang der Achtzigerjahre als Musikjournalist über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus bekannter zu werden suchte, veröffentlichte Diedrich Diederichsen seine Texte im Magazin "Sounds". Leander Haußmann schrieb das Vorwort für eine Taschenbuchausgabe seines Romans "Peggy Sue". Und Peter Handke setzte sich dafür ein, dass der Suhrkamp-Verlag seine Bücher herausbringen solle - was dann Mitte der Nullerjahre mit der Romansammlung "Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe" auch geschah.

Besonders groß wurde sein Ruhm über die engere Literaturwelt hinaus auch dann allerdings nicht. Dabei hatte der am 31. Dezember 1952 geborene Wolfgang Welt schon früh die Form des detailgetreuen, an der eigenen Biografie entlanggeschriebenen Romans etabliert, die in den letzten Jahren so gefeiert wurde. Und da der Studienabbrecher Welt eben Platten verkaufte und über Musik schrieb, kommen in seinen Texten zahlreiche Personen und Geschichten aus dem Pop-Umfeld der Achtzigerjahre vor - von Grönemeyer über Heinz-Rudolf Kunze (den er herrlich verriss) bis Helge Schneider.

Welt schrieb also Pop-Literatur bevor der Begriff etabliert war; zudem war er auch ein genauer Beobachter der sozialen Verhältnisse in seiner Heimatstadt Bochum. Dort, nachdem eine psychische Erkrankung ihm keine andere Tätigkeit mehr erlaubte, arbeitete er von 1991 an als Nachtportier im Schauspielhaus.

In Bochum ist Wolfgang Welt nun am Sonntag im Alter von 63 Jahren gestorben, wie der Suhrkamp Verlag meldet. Die Stadt verliert einen großen Verkannten.

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