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"Jim Knopf"-Jubiläumsausgabe: Das N-Wort bleibt

Tutur, Lukas und Jim Knopf als Marionetten: im Buch bleibt das Wort "Neger" Zur Großansicht
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Tutur, Lukas und Jim Knopf als Marionetten: im Buch bleibt das Wort "Neger"

Der Begriff ist veraltet und rassistisch: Dennoch bleibt das N-Wort auch in der Jubiläumsausgabe des Kinderbuchs "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" enthalten.

Das rassistische Wort "Neger" wird auch in der Jubiläumsausgabe von Michael Endes "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" genannt. Das teilte der Stuttgarter Verlag Thienemann-Esslinger mit, der das Kinderbuch veröffentlicht.

Der Verlag begründet die Entscheidung zum einen damit, dass der Schriftsteller Ende, der 1995 verstorben ist, sich nicht mehr dazu äußern könne; zum anderen, weil das Wort "Neger" nur in einer Szene vorkomme, die vor allem dazu diene, Herrn Ärmel, eine Figur aus dem Buch, als Besserwisser darzustellen. Deshalb habe man beschlossen, den Begriff in der kolorierten Ausgabe von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" stehen zu lassen, die anlässlich eines Jubiläums veröffentlicht wird: Am 9. August vor 55 Jahren war das Buch zum ersten Mal erschienen.

Im Buch wird das Wort verwendet, als die Bewohner von Lummerland das fehlgeleitete Postpaket mit dem schwarzen Baby Jim finden. "Das dürfte vermutlich ein kleiner Neger sein", sagt Herr Ärmel dann.

Andere Beispiele der vergangenen Zeit zeigen, dass die Entscheidung des Verlags eine Ausnahme darstellt: Der Schriftsteller Otfried Preußler hatte kurz vor seinem Tod im Jahr 2013 zugestimmt, dass in seinem berühmten Kinderbuch "Die kleine Hexe" das Wort "Negerlein" politisch korrekt ersetzt wurde, was bundesweite Debatten auslöste.

2014 strich das schwedische Fernsehen den Begriff aus den Pippi-Langstrumpf-Verfilmungen, die auf den Büchern Astrid Lindgrens fußen. In den Filmen hatte Pippi ihren Vater bis dahin als "Negerkönig" bezeichnet; in den aktuellen Versionen wurde daraus "König". Der deutsche Verlag Friedrich Oetinger gab 2013 bekannt, Wörter wie "Neger" und "Zigeuner" aus den Übersetzungen von "Pippi Langstrumpf" und anderen Lindgren-Büchern zu streichen.

skr/dpa

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