Wunderkinder-Bücher Partyluder, Teilzeit-Hure, schreibt auch

3. Teil: Sacha Sperling begeistert mit Killersätzen über einen 14-Jährigen in Paris


Darum geht's: Der 14-jährige Sacha geht auf eine Reiche-Leute-Schule in Paris. Als er Augustin kennenlernt, gerät sein Leben außer Kontrolle: Er schwänzt die Schule, klaut Wodka, snifft Koks, raucht Gras, legt Mädchen flach - und verliebt sich in Augustin, mit dem er gemeinsam zu Handy-Pornos wichst.

Der hat's geschrieben: Sacha Sperling ist ein Pseudonym, hinter dem sich Yasha Kurys verbirgt, der Sohn der französischen Filmemacher Alexandre Arcady und Diane Kurys ("Die kleinen Pariserinnen", "Eine leidenschaftliche Affäre", "Bonjour Sagan"). Mit 14 begann er seinen Roman, mit 16 warf er alles über den Haufen und begann von vorn, mit 18 veröffentlichte er das Buch in Frankreich. Zurzeit arbeitet er an seinem zweiten Roman.

Das sagt der Verlag: "Sperling erzählt mit subtiler Beobachtungsgabe und in einem geradezu filmischen Stil die immer wieder neue Geschichte vom Erwachsenwerden. Der besondere Ton dieses Romans - desillusioniert, luzide, beißend - zeugt von ganz ungewöhnlichem literarischem Talent."

Das sagen wir: Die Marketingmenschen, o Wunder, sie haben recht: Der Roman ist klug. Der Roman ist poetisch. Der Roman ist komisch. Der Roman ist einer der besten Romane des Frühjahrs - egal wie alt der Autor ist. Sperling gelingt es, als Teenager, über Liebe und über Sex zu schreiben - und dabei weder peinlich zu klingen noch aufgesetzt cool. Ihm gelingen Killersätze, die einen umhauen, weil sie lakonisch sind, frei vom pathetischen Furor der Jugend.

Das Echtheits-Zertifikat: Hauptfigur und Autor tragen den- selben Namen: Sacha. Beide haben jüdische Wurzeln, beide haben eine Künstlerin zur Mutter, beide haben eine Privatschule besucht, die Romanfigur die fiktive École Lorraine, der Autor die legendäre École Alsacienne, wie vor ihm schon André Gide, Jean-Paul Belmondo und Michel Piccoli. Kurzum: Der Roman scheint ein intimes Tagebuch zu sein. Ist er aber nicht, das macht Sperling im Nachwort klar, und das hat er auch in Interviews deutlich gesagt: Er sehe die Welt wie Sacha Winter - aber er lebe nicht wie er. Er habe in seinem Umfeld beobachtet, was er beschreibe - aber er habe es nicht selbst durchlitten.

Das Aufreger-Potential: In Frankreich war der Roman ein Skandal. Sicher auch, weil die École Alsacienne dort vielen ein Begriff ist, anders als bei uns. Sicher auch, weil seine Eltern dort sehr bekannt sind, anders als bei uns.

Das Bestseller-Potential: Wenn der Buchmarkt fair wäre, würde Sperling einen Bestseller landen, besser als Hegemann. Ist er aber nicht. In Frankreich hat Sperling etwa 25.000 Exemplare verkauft, in Deutschland beträgt die Startauflage 8000.

Buchtipp

Sacha Sperling:
Ich dich auch nicht

Übersetzt von Carina von Enzenberg

Piper Verlag; 224 Seiten; 17,95 Euro.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
kimba2010 19.03.2011
1. ...
Mit dem Wort "Wunderkind" bei Frau Hegemann wäre ich vorsichtig. Guttenberg lässt grüssen!
introspiegel 19.03.2011
2. Geht´s noch?
Zitat von sysopGeschlechtsverkehr, Drogen und intellektuelle Eltern: Seit dem Bestseller des 19-jährigen*Wunderkinds Helene Hegemann*entdecken*deutsche Verlage*ihr Herz für Autoren im Teenageralter. Tobias Becker hat passend zum*Bücherfrühling drei Debüts*auf ihren Koks- und Sexanteil*hin untersucht. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,750981,00.html
Nach den Berichten und Auswertungen zu urteilen ist es immer das selbe: materiell Begünstigte schreiben über nicht ganz so Begünstigte, die sich - natürlich - mit Sex, Drugs and Crime durch´s Leben bringen. Natürlich höherer Ziele wegen, natürlich wegen Stress mit mindestens einem Elternteil. Wo ist der Reiz, wo ist das Neue? Solche Erlebnisse kann man an jedem Wochenende in jeder beliebigen deutschen Großstadt haben, natürlich nicht so wortgewaltig und ohne die direkte bzw. harte Ansprache des Autors. Dafür aber echt und intensiv, wenn der Betreffende leider hops geht und so gar nichts von den Bildergeschichten dieser behüteten Autoren ihm helfen kann, weder das gemeinsame Wichsen vor der Handykamera noch das gemeinsame Kiffen von was auch immer. Aber das muss wohl so sein.
xeniabloom 19.03.2011
3. Frau Hegemann, Wunderkind?
So viel wie zu Guttenberg kann sie allemal. Und hat sie den Rest auch wirklich selbst geschrieben? Vielleicht hat Papa geholfen?
Cassandra105 19.03.2011
4. *************
Ich würde die ja eher "Guttenkind" nennen.
catcargerry 19.03.2011
5. Ich frage mich auch
Zitat von Cassandra105Ich würde die ja eher "Guttenkind" nennen.
wieso das ein Wunderkind ist, wenn es Abgeschriebenes vom in der Szene bestens vernetzten Vater verlegen lässt - nach dem Motto: Wir sind zwei Guttenbergs. Mein Sohn hat mit zwölf Jahren mit viel Fleiß und Herzblut an einer Mixtur von "Das kleine Volk", den Hobbits und Harry Potter gearbeitet. Meine Fragen, wo er was her hat und was seine eigenen Gedanken sind, waren sehr frustrierend für ihn - und seine Reaktion für mich. Ich sehe aber an seinen heutigen Elaboraten, dass sich der Stress gelohnt hat. Das betrifft aber nur die Qualität. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm nicht völlig antiquierte Werte vermittele, die seine Wettbewerbsposition nur belasten.
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