Zeichnerin Melanie Schober Superaction Mangastar

Rassismus, Jugendkriminalität, Weltkrieg - so sieht das "Personal Paradise" von Melanie Schober aus. Die Österreicherin hat sich mit der dunklen Zukunftsvision ihren Berufstraum erfüllt: Sie zeichnet Mangas. Für SPIEGEL ONLINE fertigte sie einen exklusiven Comic an.


Am Ende steht die böse Zukunft. Die Städte sind in Reviere aufgeteilt, die von verschiedenen Gangs beherrscht werden. Hier die Weißen, dort die Schwarzen, da die Asiaten. Abgrenzung bestimmt das Leben. Auch das der Schüler, die sich im Gefüge der kriminellen Banden einordnen müssen oder draufgehen.

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Melanie Schober

Melanie Schober: "Superaction Mangastar", 6 Bilder
Nicht vergessen: Mangas liest man von rechts nach links!

"Personal Paradise" nennt Melanie Schober sarkastisch ihren Manga, dessen erster Band gerade erschienen ist. Ein Paradies ist es vor allem für die 1985 geborene Österreicherin selbst, die sich mit der Serie ihren Berufswunsch Mangaka erfüllt hat. Dabei sah die Zukunft für sie zunächst ähnlich finster aus wie ihre Geschichte. Nach der Ausbildung als Grafikdesignerin drohte zunächst die Arbeitslosigkeit.

Die Mangas sorgten für Erleichterung. 2006 belegte Schober, Künstlername Aoki Nezumi, den zweiten Platz beim Talent-Wettbewerb der Leipziger Buchmesse. Im selben Jahr veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten in den Anthologien des Verlages Schwarzer Turm. Das brachte Anerkennung. War aber noch kein Beruf.

Zeichnerin Schober: Naive Romantik und finstere Zukunftsszenarien
Melanie Schober

Zeichnerin Schober: Naive Romantik und finstere Zukunftsszenarien

Manga-Zeichner werden, das bedeutet Klinkenputzen. "Ich habe mich bei diversen Verlagen beworben", erzählt sie. Oft mit wenig Feedback: "Meine Arbeitsproben gehörten zu denen, die irgendwie immer untergingen oder übersehen worden", schildert sie die Ochsentour ihrer Bewerbungen. "Tag des Durchbruchs" nennt sie inzwischen den Moment, als der Carlsen Verlag doch noch überraschend zusagte.

Trotz gesellschaftlicher Apokalypse steckt noch einiges an naiver Romantik in "Personal Paradise". "Ursprünglich sollte alles im Mittelalter spielen", erklärt Melanie Schober das ursprüngliche Konzept ihrer Serie. Die ist jetzt stattdessen kurz nach dem dritten Weltkrieg angesiedelt, mitten in der Trostlosigkeit deutscher Großstädte. Reste des Ursprungsgedankens schimmern allerdings noch durch, wenn in den Dialogen auf Vampire und Ritter angespielt wird.

Dem gegenüber steht allerdings eine Handlung, die vor allem auf der Unterschiedlichkeit der Charaktere beruht. Schobers Figuren sind keine austauschbaren Teenies, sondern durchgängig individuell gestaltete Figuren. Außenseiter, Mitläufer, Machtmenschen halten die Episoden eher im Fluss als äußere Ereignisse. Damit zeigt sie eine erzählerische Reife, über die nicht alle ihre Kolleginnen in der deutschen Manga-Szene verfügen. Melanie Schober ist Perfektionistin: Nicht nur ihr Handlungskonzept ist gründlich durchdacht, auch die Zeichnungen wirken klar und aufgeräumt. Sechs Monate braucht sie für ein Taschenbuch von knapp 180 Seiten Länge.

Für SPIEGEL ONLINE hat Schober eine kurze, aber exklusive Geschichte erstellt. "Superaction Mangastar" erzählt, wie die knalligen Helden des japanischen Comics zu ihren Jobs kommen.



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