Zum Tode Norbert Hethkes Schatzgräber der Comic-Kultur

Seine Akivitäten prägten die deutsche Sammlerszene: Norbert Hethke druckte Comics aus den fünfziger Jahren nach, veröffentlichte aber auch "Superman", "Conan" und den umfassendsten deutschen Comic-Katalog. Jetzt starb der Verleger im Alter von 63 Jahren.


Ein Blick in Norbert Hethkes Verlagsprogramm war immer wie ein Blick in die Urzeit der Bundesrepublik. "Akim, "Nick", "Tibor" und "Sigurd" waren die Namen von Comicserien, deren Actionhelden in den fünfziger Jahren für etwas Aufregung im eingezwängten Wirtschaftswundergrau sorgten. Gelesen vor allem von Kindern und Jugendlichen, boten die Heftchen meist simpel gestrickte Unterhaltung mit häufig gleich aussehenden Helden und sich wiederholenden Handlungsmustern. Nur Namen und Schauplatz wechselten.

Hethke-Publikation: Standardwerk für Comicsammler

Hethke-Publikation: Standardwerk für Comicsammler

Aber weil diese Comics von den Erwachsenen als "Schund" und "jugendgefährdend" eingestuft wurden, konfisziert und mitunter auch verbrannt, wurden sie von ihren Lesern um so mehr geliebt. Und das meist ein Leben lang, selbst als diese Comics schon gar nicht mehr erschienen.

Norbert Hethke war so etwas wie der Schutzpatron dieser Fans. In seinem nach ihm benannten Verlag druckte er die Nostalgie-Comics nach, komplettierte ihrerzeit abgebrochene oder unvollständige Serien und ließ sie mitunter auch fortsetzen – oft von den gleichen Künstlern, die diese Titel schon früher produziert hatten.

Häufig waren das technisch aufwändig produzierte Reprints für eine zahlenmäßig überschaubare Kundschaft und zu entsprechend hohen Preisen. Allerdings in erstaunlicher Vielzahl: mehrere tausend Comics in fast 200 verschiedenen Reihen hat Norbert Hethke in dreißig Jahren Verlagsaktivität produziert.

Aber es wäre falsch, Norbert Hethke auf einen reinen Nachdruck-Spezialisten zu reduzieren. In das Verlagsgeschäft war er eher zufällig gerutscht. Bereits ab den siebziger Jahren gab er als Comichändler ein Informationsblatt mit aktuellen Preislisten heraus, das er mit redaktionellen Artikeln und Comicnachdrucken anreicherte. Ursprünglich unter dem Titel "Comic Börse", später als "Die Sprechblase", wurde das Blatt zum langlebigsten Comicmagazin Deutschlands mit aktuell über 200 Ausgaben.

Der "Hethke" ist der Duden für Comicfans

Außer Sekundärartikeln kamen in diesem Magazin viele Comicklassiker erstmals auf deutsch zum Abdruck. Darunter die legendären "Conan"-Episoden aus dem Haus Marvel, die damals dank der Schwarzenegger-Filme gerade Hochkonjunktur hatten. Später übernahm Hethke für einige Zeit die Lizenzen der DC-Superhelden und veröffentlichte Superman, Batman und andere Helden des Verlages in Deutschland. Auch Comics zur damals frisch gestarteten TV-Serie "Star Trek – The Next Generation" fanden sich im Programm.

Seine neben den Comics markanteste Veröffentlichung dürfte der "Allgemeine deutsche Comic-Preiskatalog" sein, der seit 1976 jährlich aktualisiert in Buchform erscheint und die Handelspreise nahezu aller je auf Deutsch erschienen Comics listet. Dieses Buch, inzwischen ein mehrhundertseitiger Wälzer in Kleinstschrift, ist eng mit Norbert Hethkes Namen verbunden. So wie man vom "Duden" spricht, spricht man vom "Hethke".

Mit diesen Aktivitäten, die sich fast nie an ein breites Publikum richteten, sondern an eine spezialisierte Sammlerschaft, hat Norbert Hethke die deutsche Comicszene geprägt wie nur wenige. So ist auch die Entstehung einer Sammlerszene, die ursprünglich als Wegwerfpublikationen gedachte Comics begeistert aufbewahrt, stark auf Hethke zurückzuführen.

Wie jetzt bekannt wurde, starb Norbert Hethke am Freitagabend in seinem Heimatort Schönau im Odenwald. Der Verlag wird voraussichtlich von seiner Familie fortgeführt werden.

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