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09.06.2001
 

Musikvideo-Award

Onanie und fliegende Implantate

Von Harriet Dreier

Niemand kennt sie, aber sie prägen, was "in" ist. Die besten Regisseure und Kameraleute deutscher Musikvideos sind in Berlin mit dem "Clip 2001" ausgezeichnet worden. Rapper Smudo versuchte sich als Moderator.

Rapper Smudo: "Bügeln oder Onanieren"
AP

Rapper Smudo: "Bügeln oder Onanieren"

Dass Deutschlands Musikmarkt mehr zu bieten hat als Modern Talking und Guildo Horn, zeigte die Gala der Branchenbesten im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Rund 400 Musikvideos kommen jährlich aus heimischer Produktion: Grund genug für den Verband der Musikclip-Produzenten, den "Clip" für die besten deutschen Musikvideos zu verleihen - bereits zum zweiten Mal.

"Das Geheimnis eines guten Videos ist der Song", sagte Zoran Bihac bescheiden, nachdem er gleich zwei Preise überreicht bekam. Der Regisseur erhielt in der Kategorie "Beste Regie Dance" die silbern schimmernde "Clip"-Trophäe für sein Video zu "No Melody" von Turntablerocker und im Bereich Rockmusik für seine Umsetzung des Rammstein-Stücks "Links 2 3 4".

Ein gutes Video könne bei einem schlechten Song viel bewirken, fand dagegen Smudo, der gemeinsam mit Radioreporter Ken FM Jebsen die Verleihung moderierte. Er selbst würde bei Musikclips aber "Bügeln oder Onanieren, wenn das Video gut ist", gab der Schwaben-Rapper zu. Ob er bei dem mit Kakerlaken durchsetzten Musikclip zu seinem eigenen Song "Rudi" genau hingesehen hat, ließ er offen. Immerhin gewann sein Kameramann Franz Lustig den Preis für die beste Cinematografie im Bereich "R'n'B-HipHop-Rap". Freier freute sich über seinen Pokal unbändig und sorgte mit seinen tiefschürfenden Dankesworten "Peace, make party, have fun" bei einigen Frauen für hysterisches Kreischen.

Tiefgründige Hirngespinste

Auf ähnlich hohem Niveau ging es weiter: Laudatorin und Ex-Porno-Queen Gina Wild, die sich angesichts der lautstarken Veranstaltung Sorgen machte, ob ihr "die Implantate wegfliegen", erhielt viel Zuspruch. So viele Fans waren Dr. Motte nicht beschieden. Seine Love-Parade sei verboten, verkündete er und schickte aufmunternde Parolen wie "Wir tanzen, und unsere Droge ist die Musik" ans Publikum. Müder Beifall in der von Haschschwaden durchzogenen Ausstellungshalle war das Echo.

Andere Laudatoren nutzen den Auftritt vor den rund 800 Gästen der Verleihungsparty erfolgreicher für ihre persönliche Kundgebung. So philosophierte Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann, der zusammen mit Blümchen den Preis in der Kategorie Art Director vergab, über den Sinn der ästhetischen Berater. "Was ist ein Art Director? Das merkt man immer dann, wenn keiner da ist. Angela Merkel hat auch keinen."

Videokünstlerin und Jurymitglied Pipilotti Rist, die den Preis an Torsten Eichten (Schönheitsfarm) für die besten Spezialeffekte überreichte, sagte, sie selbst würde nur ein Musikvideo produzieren, um die Frauenquote bei den Nominierungen hoch zu schrauben. Sie lobte, dass die Nominierten Effekte nicht für "doofe Sachen" wie Explosionen und Krieg sondern für tiefgründige Hirngespinste genutzt hätten.

"Scheiß Mafia"

Die "Fantastischen Vier" machten einfach die ganze Veranstaltung zur eigenen Sache. Nicht nur, dass Smudo moderierte und Housemarke an den Turntables stand, nein: Die deutschen Hiphopper schoben sich und ihren Regisseuren die Siegestrophäen gegenseitig zu. "Scheiß Mafia", musste sogar Hausmarke zugeben, als dann auch noch Regisseur Matthias Freier eine silbrige Statuette für Smudos Video davontrug.

Auch Thomas D.'s "Uns trennt das Leben" ging nicht leer aus: Als beste Nachwuchsregisseure wurden Time Tourists alias Kalle Arnoldy und Oliver Bradford für das Video geehrt. Der Meister selbst allerdings war gar nicht erst zur Verleihung erschienen. Zwei Auszeichnungen erhielt auch das Video zu "Actionist Respoke" von Mouse on Mars; Til Obladen gewann als Regisseur in der Kategorie Pop.

Die Partyatmosphäre bei der Preisverleihung heizten No Angels und DJ Tommekk an. Mit ihnen traten immerhin Gäste auf, die später keinen Preis bekamen. DJ Tomekk konnte das gut verschmerzen, schließlich hat er hochfliegende Pläne: "Ich wollte nur mal wieder heimische Atmosphäre schnuppern. Ansonsten habe ich mir gerade ein Haus in New York gekauft und gehe mit Coolio auf Tournee nach Amsterdam. Die Arbeit mit dem Gangsterrapper ist cool - aber er ist wirklich ein schlimmer Finger!"

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