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30.11.2001
 

Nachruf

Der sanfte Beatle

Von Werner Theurich

Am Anfang, während der "Beatlemania", als die Fab Four aus Liverpool nichts anderes als eine Boygroup mit Hysterie-Faktor waren, liebten viele Fans den introvertierten George Harrison am meisten. Bald darauf profilierte sich der Brite auch als Musiker und genialischer Leadgitarrist und wurde nach dem Bruch der Beatles zum visionären Solo-Künstler.

George Harrison: Der Konsens-Beatle
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AFP

George Harrison: Der Konsens-Beatle

George Harrison war für die weiblichen Fans der Konsens-Typ. Wem John Lennon zu arrogant erschien oder Paul zu weich, für den war George genau richtig: Zurückhaltend, fast schüchtern, aber mit einem männlichen, klaren Blick. Ach ja, da war auch noch Ringo - aber wie viele Drummer war er ein Freak, ein Fall für Liebhaberinnen des Bizarren.

Lange Zeit stand der am 25. Februar 1943 geborene Liverpooler im Schatten des Songschreiber-Duos Lennon/McCartney, obwohl er die Leadgitarre spielte und technisch sicher der beste Musiker des Quartetts aus Liverpool war. Harrison war die Musik nicht in die Wiege gelegt - der ehrgeizige Sohn eines Busfahrers musste sich seine Fähigkeiten akribisch erarbeiten, und die Einflüsse von klassischen Rock- und Countrymusikern wie Lonnie Donegan, Carl Perkins, Duane Eddy oder Chet Atkins überführte er nach und nach in seinen eigenen, feinen und persönlichen Stil.

Mit der hysterischen "Beatlemania" Anfang und Mitte der sechziger Jahre konnte Harrison wahrscheinlich am wenigsten anfangen, da dem sensiblen Musiker der rettende Zynismus eines John Lennon oder die stoische Ruhe Ringo Starrs fehlte. Seine Songs, die er im Laufe der Zeit zu den Beatles-Alben beisteuerte, waren immer als Harrison-Werke erkennbar - auch die frühen "If I Needed Someone", "I Need You", "Taxman" oder gar "While My Guitar Gently Weeps", konnten sich gut gegen die Lennon/McCartney-Dominanz behaupten, während ihm später mit "Something" und "Here Comes The Sun" auf dem "Abbey Road"-Album veritable Klassiker gelangen.

Beatlemania 1965: Boygroup mit Hysteriefaktor (Paul McCartney, Ringo Starr (oben, v.l.), George Harrison, John Lennon (unten, v.l.)
Apple Corps Ltd.

Beatlemania 1965: Boygroup mit Hysteriefaktor (Paul McCartney, Ringo Starr (oben, v.l.), George Harrison, John Lennon (unten, v.l.)

Schon zu "Sgt.-Pepper"-Zeiten hatte George Harrison darüber hinaus sein Interesse für indische Musik entdeckt und mit "Within You, Without You" den ersten Rocksong mit einer Sitar komponiert. Überraschend war auch, das George Harrison schließlich 1968 als erster Beatle ein Soloalbum veröffentlichte: "Wonderwall" war gleichzeitig der Startschuss für das damals frisch gegründete Beatles-Label Apple. Anschließend schockierte er die Beatles-Fans mit dem geräuschvollen Album "Electronic Sound" - eine Reinigungs- und Abnabelungstherapie vom Fab-Four-Mythos.

Doch erst 1970 veröffentlichte Harrison mit "All Things Must Past" sein genuines Meisterwerk - ein Dreifachalbum, damals ebenso unerhört opulent wie kommerziell tödlich. Dennoch enthielt es mit "My Sweet Lord" einen weiteren Superhit für den Beatle, der die Beschäftigung mit östlichen Philosophien am intensivsten betrieb. Ein Jahr später organisierte er in New York das "Concert for Bangla Desh", um für die Opfer der dortigen Hungerkatastrophe Geld zu sammeln - hier leistete Harrison Benefiz-Pionierarbeit, wobei auch das (wiederum im Triple-Format veröffentlichte) Konzertalbum dank der Mitarbeit von Kollegen wie Bob Dylan und Eric Clapton zu einem Erfolg wurde.

Geehrt von der Queen: 1965 werden die Beatles zu "Members of the Order of the British Empire gekürt
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DPA

Geehrt von der Queen: 1965 werden die Beatles zu "Members of the Order of the British Empire gekürt

Seinen weiteren Soloalben war kein so glückliches Schicksal mehr beschieden, doch den Musiker Harrison zog es ohnehin nicht zu eitlen Auftritten in Medien und Öffentlichkeit. Er gab wenig Interviews, vermied allzu viele Partys und pflegte ein zurückgezogenes Leben. Dass er nichts verlernt hatte, bewies er mit Alben wie "Cloud Nine" (1987) oder im Jahr darauf in der schunkelnden Rock-Truppe The Traveling Wilburys, zu der auch Roy Orbison, Tom Petty, Bob Dylan und Jeff Lynne gehörten. Immerhin zwei höchst erfolgreiche Alben brachte das Allstar-Ensemble heraus. Anschließend machte sich Harrison wieder rar, lediglich 1992 erschien noch eine in Japan aufgenommene Live-CD.

Dazwischen widmete sich George Harrison als Produzent immer wieder seiner zweiten kulturellen Liebe, dem Kino. Wenn auch seinen Unternehmungen zumeist kein großer Kassenerfolg beschieden war, so setzte er doch Akzente. Monthy-Python-Star Michael Palin erzählte der BBC am Freitag, dass Harrison der Truppe ihren Kino-Hit "Das Leben des Brian" überhaupt erst ermöglicht hatte. "Er war wirklich ein sehr witziger Typ, mit viel Humor, wir haben immer viel gelacht", so Palin. "Im August traf ich ihn noch. Er war so optimistisch wie immer, obwohl es ihm nicht sehr gut ging. Schließlich setzten wir uns still hin und hörten Musik von Hoagy Carmichael. Er war bis zum Schluss ganz der alte George."

George Harrison verstarb am 29. November 2001 um 22.30 Uhr MEZ im Alter von 58 Jahren in Los Angeles an einem Krebsleiden.

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