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26.07.2002
 

Wagner-Festspiele

Auftakt mit "Tannhäuser" auf Nummer sicher

Während Dirigent Christian Thielemann seine Feuerprobe beim Publikum mit Bravour bestand, fiel Regisseur Phillippe Arlaud mit seiner Version des "Tannhäuser" durch. Der Auftakt zu den Wagner-Festspielen in Bayreuth war mehr eine solide Basisnummer denn ein grandioser Start.

Auftakt mit "Tannhäuser": Innovativ war nur das Bühnenbild
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Auftakt mit "Tannhäuser": Innovativ war nur das Bühnenbild

Sie kamen in Scharen erwartungsvoll auf den "Grünen Hügel", um den Auftakt der Festspiele zu feiern. Bundespräsident Johannes Rau, Kanzlerkandidat Edmund Stoiber und Thomas Gottschalk erklommen den Wagner-Tempel, bereit, sich vom allerhand Neuem betören zu lassen. Was eine glanzvolle Premierenfeier hätte sein sollen und wollen, wurde allerdings mehr eine traurige Nummer, vom Publikum mit einigen Buhrufen und eher mäßigem Applaus belohnt.

Schuld an der zeitweise aufgekommenen Langeweile war weniger Dirigent Christian Thielemann, der sein Orchester zu musikalischen Höhepunkten führte. Der bekennende Konservative wurde schon im Vorfeld erwartet, die Festspiele wieder traditioneller gestalten zu wollen, was ihm mit diesem Auftakt durchaus gelungen ist.

Vielmehr ließ die Regie des Franzosen Philippe Arlaud zu wünschen übrig. Der Wahl-Wiener Arlaud ist in Bayreuth Regisseur, Bühnenbildner und Lichtdesigner in einem - eine schlechte Union für die diesjährige Bayreuther Neuinszenierung der romantischen Oper "Tannhäuser". Das Stück blieb ohne Schwung, auch die farbenfrohen Bühnenbilder und die beeindruckenden Lichteffekte des sich verzettelnden Arlauds konnten das nicht retten.

Der stimmengewaltige Chor: Konnte wie gewohnt überzeugen
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DPA

Der stimmengewaltige Chor: Konnte wie gewohnt überzeugen

Vor lauter Licht und Bühnendesign scheint Arlaud die Regie-Aufgabe glatt vergessen zu haben. Angewurzelt blieben die Sänger auf der Stelle stehen, stolpern ziellos umher, schwenken die Arme, fuchteln mit ihren Schwertern, ziehen dabei schmerzvolle Grimassen. Anstatt Spannung baut sich hier eher unfreiwillig eine komische Szenerie auf.

Zwar war der Sänger der Titelrolle, der Australier Glenn Winslade, von einer Fußverletzung in seinem Aktionsradius behindert, was zumindest seine starre Positionierung erklären würde. Doch auch die Venus der Münchnerin Barbara Schneider-Hofstetter und die Elisabeth der Chemnitzerin Ricarda Merbeth zeigten sich wenig aktiv, lediglich ihre sängerischen Leistungen blieben ohne Tadel. Nur der Südkoreaner Kwangchul Youn als Landgraf und Roman Trekel als Wolfram von Eschenbach konnten sich beim Publikum durchsetzen.

Zwischen Plastikblumen: Vom Regissseur allein gelassen.
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DPA

Zwischen Plastikblumen: Vom Regissseur allein gelassen.

Anstatt eine neue und innovative Neuinterpretation lieferte Arlaud ein Stück ohne originellen Gestaltungswillen. Wirklich neu war nur das Äußere: mittelalterlicher Hofstaat und Pilgerscharen in grellen Designer-Kostümen und kitschgrüne Bühnenwiesen mit roten Plastikblumen. Bayreuth ist mit dieser "Tannhäuser"-Inszenierung ganz auf Nummer Sicher gegangen.

Der Applaus am Ende fiel dann auch erwartungsgemäß sparsam aus. In höflichen Beifall für Arlaud mischten sich lautstarke Buhrufe, von denen sich erstaunlicherweise auch Thielemann einige gefallen lassen musste. Lediglich Eberhard Friedrich, der Chordirektor, konnte ohne jegliche Kritik vom Podest entlassen werden in die nächste Runde. Wenigstens auf den Festspielchor kann man sich in Bayreuth immer verlassen.

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