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27.08.2003
 

"Superstar"-Aussteigerin Judith Lefeber

"Das war alles so krank"

Die Sängerin Judith Lefeber bricht ihr Schweigen. Mit SPIEGEL ONLINE sprach die TV-Aussteigerin über den Gladiatorenkampf in den Casting-Shows, Klauereien im Superstar-Haus und den Rummel um den irren Daniel Küblböck.

Sie stand in der Gunst der Zuschauer weit vor dem späteren Sieger Alexander Klaws, doch dann passierte das, womit keiner gerechnet hatte: Die aus Indien stammende Hamburgerin Judith Lefeber, 22, warf mitten in der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" das Handtuch. Jetzt bringt Judith Lefeber ohne die Allmachts-Power von RTL und "DSDS" ein eigenes Album heraus
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Kajetan Kandler

Sie stand in der Gunst der Zuschauer weit vor dem späteren Sieger Alexander Klaws, doch dann passierte das, womit keiner gerechnet hatte: Die aus Indien stammende Hamburgerin Judith Lefeber, 22, warf mitten in der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" das Handtuch. Jetzt bringt Judith Lefeber ohne die Allmachts-Power von RTL und "DSDS" ein eigenes Album heraus



SPIEGEL ONLINE:

Fau Lefeber, sind Sie glücklich?

Judith Lefeber: Weiß Gott glücklicher als noch vor einem Jahr. Die ganzen Kandidaten, das ganze Prozedere bei "Deutschland sucht den Superstar", das ging gar nicht, das war für mich ein einziges Spießrutenlaufen. Und schauen Sie sich doch den Daniel Küblböck an, der spricht ja nun wirklich für sich. Der ist vierundzwanzig Stunden am Tag hyperaktiv, wie oft habe ich mich bei dem auf eine einsame Insel gewünscht. Und der Rest war ohnehin relativ unterbelichtet.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie mit Daniel Küblböck öfter aneinander geraten?

Lefeber: Nein, wir sind uns einfach aus dem Weg gegangen. Er hat mich in Ruhe gelassen und ich ihn. Es war aber offensichtlich, dass wir nichts miteinander anfangen können. Die Situation in dem Haus, wo man von RTL fast noch auf der Toilette gefilmt wurde, hat ihr übriges getan.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind Sie damals freiwillig ausgeschieden?

Sängerin Lefeber: "Ich mag das nun mal nicht, wenn auf einmal mein Kuscheltier weg ist"
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Kajetan Kandler

Sängerin Lefeber: "Ich mag das nun mal nicht, wenn auf einmal mein Kuscheltier weg ist"

Lefeber: Man hatte kein Stück Privatleben in diesem Haus und musste auf alles verzichten, nur der Öffentlichkeit zuliebe und nur, damit abends "Explosiv" und die anderen Sendungen ihr Material bekamen. Und es gab Leute im Haus, die dieses Material gerne geliefert haben. Das war wie bei "Big Brother", das alles war so krank. Leider kommt man erst dahinter, wie das läuft, wenn man drinsteckt. Auf jeden Fall ging es um weit mehr als nur gut zu singen. Als ich das verstanden hatte, habe ich erst abgewogen und dann die Konsequenz für mich gezogen. Es gab Spielregeln, die für meinen Begriff jede gute Sitte ad absurdum geführt haben. So war ich zum Beispiel für meine Familie nicht erreichbar, weil wir unsere Handys ausmachen mussten. Außerdem wurde meines Erachtens im Haus geklaut.

SPIEGEL ONLINE: Im Haus wurde geklaut?

Lefeber: Jeder von uns hatte persönliche Dinge, die auf einmal weg waren oder verlegt. Ich mag das nun mal nicht, wenn auf einmal mein Kuscheltier weg ist und wenn das jeder in die Hand nimmt. Ich habe jedenfalls immer die Tür meines Zimmers abgeschlossen, auch nachts. Das haben übrigens alle getan.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie in den ersten Tagen gemacht, nachdem Sie die Show verlassen hatten?

Lefeber: Ich bin erst mal nach Hause gefahren und habe meine neue, alte Intimität genossen. Ich wollte nur weg, um diese vier Monate von September bis Januar zu verarbeiten und vor allem zu vergessen. Die ersten Tage waren so schlimm, dass ich immer dachte, dass hinter mir noch die Kameraleute herlaufen. Einfach auf dem Sofa liegen und lesen, ohne dass jemand "Aufstehen!" oder "Tu dies, tu das" brüllt - ich habe das sehr genossen.

"Superstar" Küblböck: "Der ist  vierundzwanzig Stunden am Tag hyperaktiv"
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DDP

"Superstar" Küblböck: "Der ist vierundzwanzig Stunden am Tag hyperaktiv"

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie ein sensibler Mensch?

Lefeber: Ja, ich bin sehr sensibel. Ich stecke Dinge wie Neid und Konkurrenzkampf nicht so leicht weg wie andere. Und diesen Konkurrenzkampf gab es natürlich bei "DSDS", davon lebt ja auch die Show. Ich bereue es keinesfalls, gegangen zu sein, und Alexander beneide ich kein bisschen, so wie der jetzt rumgeschleift wird.

SPIEGEL ONLINE: Machen sich Ihrer Ansicht nach die Casting-Kandidaten über solche Dinge vorher Gedanken?

Lefeber: Nein, das macht niemand. Schauen Sie sich doch die Leute an, die bei diesen Shows am Casting teilnehmen. Ich schaue heute da ganz anders drauf. Und niemand macht sich auch nur im entferntesten Gedanken darüber, was mit ihm passiert, wie man sich von der Persönlichkeit her ändert. Jeder muss sich im Klaren sein, dass er eine Mutation durchmacht, wenn er den Gladiatorenkampf für das Fernsehen mitmacht. Und zwar jeder, nicht nur der Gewinner. An diesen mörderischen Konkurrenzkampf denkt niemand vorher.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie nachträglich noch Ärger mit RTL, weil Sie hingeworfen haben?

Lefeber: Nein. Da hat sich der Sender wirklich menschlich gezeigt. Es gab keine Sprüche hinterher, keine Vorwürfe, nichts. Und dass der Sender angeblich gesagt hat, ich sei labil und mein Rückzug für die Show das Beste, stimmte definitiv nicht. Dass haben sich die Zeitungen hinterher ausgedacht.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es trotzdem etwas positives, was Sie mitnehmen?

Pop-Sängerin Connor: "Ihr fehlt die Tiefe, so wie ich sie habe"
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REUTERS

Pop-Sängerin Connor: "Ihr fehlt die Tiefe, so wie ich sie habe"

Lefeber: Ja, die Erkenntnis, dass diese Castingshows der falsche Weg sind, um berühmt zu werden. Wenn jemand das Talent hat, muss er erst einmal selbst an sich arbeiten und dann andere davon überzeugen. Aber eben ohne die Dramaturgie, die einem das Fernsehen vorschreibt. Diese Shows wollen Blut, Neid und Tränen zeigen und verkaufen eine falsche Realität. So nach dem Motto: Gewinnst du den Gladiatorenkampf, machen wir dich zum Star. Bis dahin hältst du aber die Klappe und tust, was wir sagen.

SPIEGEL ONLINE: Sie bringen nun Ende September ganz unabhängig von Dieter Bohlen, RTL und BMG ein eigenes Album heraus, werden aber von Ihrer Plattenfirma Warner Bros. als "deutsche Antwort auf Whitney Houston" verkauft. Mangelt es der deutschen Musikbranche mittlerweile so sehr an Selbstbewusstsein, dass man schon auf so unsinnige Vergleiche und abgedroschene Verkaufsargumente zurückgreifen muss?

Lefeber: Ich sehe das gar nicht als negativ an. Man muss das als Verkaufsargument sehen und nicht unbedingt als Klassifizierung. Unbestritten ist es eine Schublade, aber immerhin weiß man, wenn man sie aufzieht, was drin ist und was einen erwartet. Whitney Houston ist ein Weltstar, und wer kennt dagegen schon Judith Lefeber?

SPIEGEL ONLINE: Sie sind immerhin ausgebildete Sängerin, haben an der Detmolder Musikhochschule und an der Essener Folkwang-Schule Gesang studiert.

Lefeber: Aber das nützt mir alles nichts, wenn ich nicht die richtigen Kontakte habe. Das richtige Marketing und ein gutes Management mit hervorragenden Kontakten ist heute genau so wichtig wie Talent. Was nützt mir eine gute Stimme, wenn ich niemand um mich herum habe, die sie für mich verkauft?

Popstar Lefeber: "Was nützt mir eine gute Stimme, wenn ich  niemand um mich herum habe, die sie für mich verkauft?"
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Kajetan Kandler

Popstar Lefeber: "Was nützt mir eine gute Stimme, wenn ich niemand um mich herum habe, die sie für mich verkauft?"

SPIEGEL ONLINE: Erkennt man mit Ihrem musikalischen Background Fehler bei Sangeskollegen schneller?

Lefeber: Klar. Ich habe ein sehr geschultes Ohr und bekomme solche Kleinigkeiten wie Atmung, Technik und so weiter sofort mit. Und es gibt viele Sängerinnen, die sehr populär und erfolgreich sind, aber technisch unsauber arbeiten. Sarah Connor beispielsweise versucht als Deutsche, ihrer Stimme einen souligen Klang zu geben. Das funktioniert bei einer Anastacia ja schon nur bedingt, und bei Sarah schon gar nicht, weil sie als Weiße definitiv keine schwarze Stimme hat. Sie hat unbestritten eine gute Stimme, aber ihr fehlt die Tiefe, so wie ich sie habe. Wissen Sie was? Da werde ich doch lieber mit Whitney Houston verglichen.

Das Interview führte Stéfan Picker Dressel



Das Album "In My Dreams" von Judith Lefeber erscheint am 29. September. Die Single "I Will Follow You" wurde am 25. August bei Warner Bros. veröffentlicht.

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