Berlin - Nicht gerade überraschend vertritt der Abiturient Max Deutschland beim Grand-Prix d'Eurovison in Istanbul. Der 22-jährige Sänger, der sich über die Show von Stefan Raab für den Vorentscheid in Berlin qualifizierte und schon vorab als Favorit galt, tritt mit seinem Song "Can't wait until tonight" am 15. Mai in der Bosporus-Metropole an.
Dieses Jahr mussten die Künstler ein Stechen austragen. Aus den zehn Teilnehmern wurden zwei ausgewählt: Außer Max kam noch die Raveband Scooter ins Finale. Doch letztlich setzte sich Max mit klaren 92 Prozent gegen die besonders in Großbritannien und bei Minderjährigen beliebte Band Scooter durch.
Seit einigen Jahren schon doktern die Veranstalter des deutschen Vorentscheid zum Schlagercontest am Prozedere herum. Aber nach dem letztjährigen "Let's get happy"-Debakel und der erdrückenden Konkurrenz durch "Deutschland sucht den Superstar" wurde es dem ausrichtenden NDR zu bunt. Das gesamte Konzept wurde komplett geändert. Geblieben ist (fast nur) die Telefon- und SMS-Abstimmung durch die Zuschauer, auch die gibt aber noch nicht allzu lange.
Um sich für die Teilnahme an der Endausscheidung zu qualifizieren, mussten die Künstler ein Video beim Musiksender Viva einschicken, so dass auch das ARD-Programm eine ziemlich chartlastige Anmutung bekam. Auch neu war die Stichwahl: Das Fernseh-Publikum hatte zunächst für ihren Favoriten anzurufen, um anschließend nochmals zum Hörer zu greifen, um die finale Entscheidung herbei zu telefonieren. Überraschenderweise wollte eine nicht geringe Anzahl von Menschen die Raveband Scooter in Istanbul sehen. Sowie Max, der für die Show seine Abitur-Vorbereitung unterbrach.
Mitten im Publikum, jung und euphorisiert wie beim Teenie-Popspektakel "The Dome", drückten sich beiden Moderatoren Jörg Pilawa und Sarah Kuttner herum, die viel redeten, manchmal Lustiges, manchmal weniger Lustiges, und Witzchen auf Kosten von Ralph Siegel machten. Dafür zollte das australische Tenor-Ensemble "Ten Tenors" dem Komponisten mit einem Potpourri musikalischen Respekt. Ebenfalls mit dabei: Dauer-Grand-Prix-Moderator Peter Urban. Zusammen mit dem amerikanischen Schmusestar Lionel Ritchie saß er im hinteren Bühnenbereich herum und nahm so etwas wie eine Expertenfunktion ein.
Sarah Kuttner beeindruckte vor allem durch ausgewählte Sprache: In jedem zweiten Satz spie sie Wörter wie "Scheiße", "Arsch", "total irgendwie" ins Mikrofon und bezauberte ein Millionenpublikum mit Formulierungen wie "Hier stinkt es nach Angstschweiß". Es ging darum, einen Künstler zu finden, der Deutschland auf einer internationalen Bühne repräsentieren soll - dafür wählte die ARD eine Moderatorin, die sich für keine Vulgarität zu schade war. Jörg Pilawa bat zweimal die Zuschauer von Carmen-Nebel-Sendungen um Nachsicht für die Musikauswahl, doch gegen das ordinäre Gekeife Sarah Kuttners waren selbst Krachmacher wie Westbam und Scooter noch vergleichsweise bürgerlich.
Bereits zur Hälfte der Veranstaltung prophezeite Peter Urban für Istanbul ein gutes Abschneiden des deutschen Beitrags. "Wir haben hier internationale Popsongs von Profis gesehen und gehört", sagte der Urban. Auch Lionel Ritchie zeigte sich begeistert über das Angebot: "So viele Stile hier, so viele Talente. In den Vereinigten Staaten haben wir nur zwei Musikstile, doch hier gibt's alles", so Ritchie.
Diese Jahr hatte der Vorentscheid sogar ein Motto: "Germany 12 Points". Zehn Künstler und Bands traten in der Arena in Berlin-Treptow gegeneinander an und die Mischung war ziemlich bunt. Von Rap über HipHop, Techno, Pop bis zum Folk-Rock war alles vertreten. Sozialkritisches etwa kam vom DJ-Duo Westbam und Africa Islam, Letzterer übrigens aus New York City. "Wir haben was gegen die Choreografisierung der Gesellschaft", sagte Westbam bedeutungsschwanger über seinen technolastigen Song "Dance with the Rebels". Ganz unpolitisch dagegen Finalist Scooter, die in bewährter und ziemlich angestaubter Rave-Manier als letzte Künstler das Publikum anbrüllten. Jigga! Jigga!
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