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"Vagabond Ways" Faithfull läßt tief blicken

Auf ihrem neuen Album "Vagabond Ways" zeichnet Marianne Faithfull das Bild einer Herumtreiberin, die den geraden Weg durchs Leben nie so richtig spannend fand.

"Vagabond Ways" sind Stationen im Leben einer Sängerin: Alkohol, Drogen, Sex, das erste Kind mit 14. Doch von Reue keine Spur, allen Schwierigkeiten, Ängsten und Selbstzweifeln zum Trotz. Der Drang nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben ist stärker - und zweifellos auch Marianne Faithfulls Motor.

"Vagabond Ways"

"Vagabond Ways"

Die Großnichte von Leopold Ritter von Sacher-Masoch schwebte 1964 engelhaft mit "As Tears Go By" in die Charts, begann eine Liaison mit Mick Jagger und verschwand nach deren Ende im Drogentunnel. 1979 war Schluß damit, und ihre Stimme, die jede Naivität verloren hatte, kroch rauh und brüchig mit "Broken English" aus den Lautsprechern.

Als die Woge des Erfolgs wieder abebbte, widmete sich Faithfull den Stücken von Kurt Weill und der Musik der zwanziger und dreißiger Jahre - eine Phase, die ihre Alben noch in den Neunzigern inspirierte: "20th Century Blues" (1997) und ihre vielbeachtete Version der Weill/Brecht-Oper "The Seven Deadly Sins" letztes Jahr.

Nun also "Vagabond Ways", vielleicht ein zweites Comeback für die inzwischen 52jährige. Zehn Songs, die Rückblicke auf Faithfulls Leben sind. Überwiegend langsam vorbeischlendernde Nummern, mal sentimental, mal abgrundtief traurig. Doch in allen steckt eine gehörige Portion Kraft und kein Bedauern.

"Incarceration Of A Flower Child" erinnert an die Zeit des guten Dopes und billigen Weins, "File It Under Fun From The Past" schleppt noch immer an der Last einer unerwiderten Liebe. Grüblerisch geht es mit "Electra" weiter, einer mysteriösen Frau, die Faithfull aus dem Spiegel entgegenstarrt - Göttin, Jungfrau oder erschreckende Kreatur. "Wilder Shores Of Love" - eine wehmütige Ballade mit sägenden Gitarren im Hintergrund, von tosender Brandung jedoch keine Spur. "For Wanting You" kam von Elton John. Er hat es ordentlich in Moll getränkt - die Grundstimmung von "Vagabond Ways". Bei "Marathon Kiss" war Daniel Lanois federführend, leider wurde daraus eine unerträgliche Schunkelnummer, den guten Lyrics zum Trotz. Mit Leonhard Cohens "Tower Of Song" findet Marianne Faithfull dann endlich zu mehr Kraft und sogar zu Spuren von Humor.

Marianne Faithfull: „Vagabond Ways“ (Virgin)

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