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10.03.2005
 

Interview mit Max Mutzke

"Bodenhaftung ist wichtig"

Letztes Jahr reiste Max Mutzke für Deutschland zum Eurovision Song Contest, jetzt veröffentlichte er sein erstes Album und eroberte sofort die Charts. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der 23-jährige Soulsänger über seinen schnellen Erfolg und seinen Mentor Stefan Raab.

Sänger Mutzke: "Man geht auf der Bühne stärker aus sich heraus"
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Sänger Mutzke: "Man geht auf der Bühne stärker aus sich heraus"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Mutzke, bei aller musikalischen Anerkennung wurde nach TV-Auftritten oft über Ihre Steifheit auf der Bühne und die beim Singen meist geschlossenen Augen gelästert. Auf ihrer jüngsten Konzert-Tournee gaben Sie sich nun überraschend ausgelassen und tobten regelrecht herum. Hat Sie der große Erfolg im vergangenen Jahr lockerer gemacht?

Mutzke: Die Leute kommen, weil sie meine Musik aus dem Fernsehen und von der Platte kennen. Da fühlt man sich geehrt und auch sicherer. Wenn ich eine direkte Resonanz vom Publikum bekomme, gehe ich in der Musik richtig auf. Im Fernsehen ist das so nicht der Fall. Ein Auftritt bei Live-Konzerten ist dagegen ein komplett anderes Gefühl. Man ist nicht wegen irgendeines Events wie dem Vorentscheid in Berlin, sondern um seine eigene Musik vorzustellen. Und die Leute sind auch nur aus diesem Grund da. Das erzeugt eine besondere Atmosphäre und man geht auf der Bühne stärker aus sich heraus.

SPIEGEL ONLINE: Welche Lehren haben Sie aus den Turbulenzen des vergangenen Jahres gezogen?

Mutzke: Bodenhaftung ist wichtig. Ich war froh, dass ich nach dem ganzen Medienrummel das Abitur nebenher noch gemacht habe. Das war etwas, was mich wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht hat: das Zusammensitzen mit Gleichgesinnten in der Schule, das gemeinsame Lernen. Es hat mich selbst erstaunt, wie wenig ich in der Zeit abgelenkt war, wie viele kulante Lehrer ich hatte. Auch meine Familie und meine Freunde haben sehr entspannt in dieser Zeit reagiert.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie denn die Zeit nach Ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest in Istanbul erlebt? Nach allen Vorschusslorbeeren wurden Sie nur Achter. Waren Sie enttäuscht oder erleichtert, dass der große Rummel vorbei ist?

TV-Gast Mutzke, Mentor Raab bei Anke Engelke: "Es darf nur nicht zu viel werden"
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TV-Gast Mutzke, Mentor Raab bei Anke Engelke: "Es darf nur nicht zu viel werden"

Mutzke: Der Rummel während des Eurovision Song Contest in der Türkei war tatsächlich enorm. Aber es hat viel Spaß gemacht. So etwas erlebt man einfach sehr, sehr selten, diese extreme Aufmerksamkeit von allen Medien. Doch dann habe ich für einige Zeit wieder mein altes Leben aufgenommen und bin wieder in die Schule gegangen. In dieser Zeit habe ich jede Medienarbeit verweigert, denn ich war schon Monate davor von fünf Schultagen drei nicht anwesend. Anschließend habe ich zwei Wochen Urlaub gemacht und dann schnell mit der Arbeit an dem Album begonnen. Stefan Raab und ich haben uns jedes zweite Wochenende getroffen und im Studio zusammen gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Das Album ging auf Anhieb auf Platz eins der deutschen Charts. Hat Sie der große Erfolg überrascht, immerhin lagen zwischen Grand Prix und Veröffentlichung ja einige Monate?

Mutzke: Wir hatten nicht damit gerechnet. Mit einem Platz unter den Top 20 oder 15 - das allein wäre nicht schlecht gewesen. Aber dass wir von null auf eins gehen: niemals. So hatten wir viel zu wenig Alben in den Geschäften, und die Platte war in der ersten Woche schon ausverkauft. Deshalb sanken wir gleich in den Charts, denn der Nachdruck dauert ein paar Tage.

SPIEGEL ONLINE: Viele Musiker, die durch Casting-Shows bekannt geworden waren, sind relativ schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Was machen Sie, damit Ihnen nicht ein ähnliches Schicksal droht?

Mutzke: Das ist nicht einfach. Eines spielt sicher eine große Rolle: mit wem man zusammenarbeitet. Das ist die Hauptsache. Denn die Menschen, mit denen man arbeitet, die wollen ja auch mit Dir etwas erreichen. Wenn Du so sein kannst, wie Du wirklich bist, von ihnen akzeptierst wirst, dann noch eine gute Band hast - dann hat man, glaube ich, gute Chancen. Wenn man allerdings in etwas hineingezwängt wird und sich überhaupt nicht wohl fühlt, wird es schwierig.

Mutzke-Entdecker Raab: "Er macht so eine Arbeit einfach gern"
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Mutzke-Entdecker Raab: "Er macht so eine Arbeit einfach gern"

SPIEGEL ONLINE: Sie fühlen sich anscheinend pudelwohl. Wie ist denn die Zusammenarbeit mit Ihrem Produzenten Stefan Raab?

Mutzke: Die Zusammenarbeit mit Stefan ist super. Wir kommen einfach gut miteinander aus und haben denselben Humor. Die Arbeit mit ihm im Studio war unkompliziert und lustig. Wir sind schnell vorangekommen, weil wir immer das gleiche Ziel vor Augen hatten. Wir mussten keine Kompromisse eingehen, sondern waren uns eigentlich immer einig, weil wir die gleiche musikalische Wellenlänge haben. So haben wir ein gemeinsames Album geschaffen, und Stefan konnte sich dann voll dahinter stellen. Er macht so eine Arbeit einfach gern.

SPIEGEL ONLINE: Es war also keine Abnabelung vom großen Mentor Raab nötig?

Mutzke: Nein. Stefan ist ganz normal mein Produzent und mein Manager, so wie jeder Künstler seinen Produzenten und Manager hat. Nicht mehr und nicht weniger. Zwar pflegen wir ein freundschaftliches Verhältnis, aber im Grunde genommen ist er ein typischer Produzent.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben einmal in einem Interview gesagt, Ihr Verhältnis zu Stefan Raab könne man mit einem Arztbesuch vergleichen: Man geht hin, sucht Rat und lässt sich Medikamente verschreiben, die man nehmen kann, aber nicht muss - und es dann meistens macht.

Mutzke: Es ging darum, ob ich Stefans Ratschläge immer annehme. Da habe ich gesagt, dass ich mich in dem Musikgeschäft noch nicht so auskenne, alles so neu ist. Deshalb ist es sinnvoll, Ratschläge anzunehmen, da er ja schon alles durchgemacht hat und daher weiß, welche Fehler man vermeiden kann. Manche sagen dann Mentor dazu. Ich bin schon froh, dass da jemand ist, der sich auskennt. Der mich darauf vorbereitet, was passieren kann und wann man aufpassen muss.

SPIEGEL ONLINE: Viele Musikexperten sagen, vor allem deutsche Musiker hätten nur dann noch eine Chance auf Erfolg, wenn sie über das Fernsehen bekannt gemacht werden. Teilen Sie diese Meinung?

Grand-Prix-Teilnehmer Mutzke: "Man muss eine gewisse Balance finden"
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Grand-Prix-Teilnehmer Mutzke: "Man muss eine gewisse Balance finden"

Mutzke: Fernsehauftritte sind sicher wichtig. Auch sollten Künstler immer mal in den Talkrunden vertreten sein. Es darf nur nicht zu viel werden. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, wenn man Künstler durch die Casting-Shows kennen lernt und die sind dann nur noch im Fernsehen - das geht einem irgendwann auf die Nerven. Man muss eine gewisse Balance finden, wo und wann man auftaucht.

SPIEGEL ONLINE: Letztes Jahr gewannen Sie Stefan Raabs Casting-Show "SSDSGPS" und durften zum deutschen Vorentscheid für den Grand Prix. In diesem Jahr hat Raab sogar einen eigenen "Bundesvision Contest" veranstaltet und sich vom Original in der ARD ganz abgekoppelt. Was halten Sie von dieser Rivalität?

Mutzke: Ach, darüber habe ich mir eigentlich noch gar keine Gedanken gemacht. Aber den Bundesvision Contest finde ich schon sehr geil. Ich war dabei, durfte als Gast auftreten. Die ganzen Bands, die dort waren, denen hat es tierisch Spaß gemacht. Jeder hat sich etwas Besonderes einfallen lassen für den Abend. Einige haben ihren eigentlich englischen Texten deutsche Strophen hinzugefügt. Es waren super Bands dabei. Jeder hat alles gegeben. Der Abend hatte einfach eine gute Qualität.

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie auch einige Bands, die zum Vorentscheid des diesjährigen Eurovision Song Contest antreten?

Mutzke: Damit habe ich mich noch gar nicht befasst, weil ich bei all den Proben, Konzerten oder der Wok-Weltmeisterschaft keine Zeit hatte. Da muss ich mal gucken, wer da alles mitmacht.

SPIEGEL ONLINE: Das machen Sie aber noch, oder?

Mutzke: Komischerweise interessiert es mich gar nicht mehr so. Den Eurovision Song Contest hatte ich damals ja nur mitgemacht, weil es ein Teil des Castings war. Das war chronologisch sehr sinnvoll: Erst eine Casting-Show, und der Gewinner geht dann zu der Deutschland-Casting-Show für den Eurovision Song Contest. Das hatte Spaß gemacht, aber ich will es nicht noch einmal machen. Solche Wettbewerbe interessieren mich normalerweise nicht so sehr.

Das Interview führte Silja Schriever

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