Frankfurt/Main - "Mit Albert Mangelsdorff ist ein Freund und ein großer Musiker gegangen", sagte der Saxophonist Klaus Doldinger, der mit Mangelsdorff zuletzt in der Band "Old Friends" spielte. Der Konzertveranstalter Fritz Rau - er hatte 1955 sein erstes Konzert mit Mangelsdorff veranstaltet - nannte den Musiker "den wichtigsten Posaunisten des Jazz".
"Er war äußerst liebenswürdig und gemessen an seinem Können sehr bescheiden", sagte Rau, der Mangelsdorff als großen Freund bezeichnete. Rau betrieb Jahrzehnte lang eine der größten Konzertagenturen in Deutschland.
"Wir haben uns blind verstanden", sagte sein Freund, der Pianist und Keyboarder Wolfgang Dauner, am Dienstag in Stuttgart. Beide waren 20 Jahre lang zusammen als Duo auf Welt-Tourneen unterwegs. Dauner, der mit dem Posaunisten weitere Auftritte geplant hatte, will eine bisher unveröffentlichte Aufnahme eines verjazzten Ravel-Stücks mit Mangelsdorff herausbringen.
Mangelsdorff sei ein "Vorbild für jeden deutschen Jazzmusiker" gewesen, sagte der Berliner Trompeter Till Brönner, der zu bekanntesten jüngeren Jazzern gehört.
Der hessische Kunstminister Udo Corts (CDU) würdigte die Verdienste Mangelsdorffs, der Präsident des Landesjugendjazzorchesters war, um die Förderung des Nachwuchses. Mit seinem Bruder Emil habe Mangelsdorff den Ruf Frankfurts als Jazzstadt begründet. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte den Jazz-Pionier bereits am Montagabend als "Weltstar ohne Allüren" bezeichnet. Er habe die Stadt musikalisch wie kein anderer in den vergangenen Jahrzehnten geprägt.
Mit Erschütterung hat auch der Vorsitzende des renommierten Jazz-Clubs Hannover, Bernd Strauch, auf Mangelsdorffs Tod reagiert. "Eigentlich wollte er noch am 19. September bei uns auftreten", sagte Strauch der Nachrichtenagentur dpa. "Wir haben einen großen Star verloren. Er war einer der faszinierendsten Musiker, die ich erlebt habe." Zuletzt habe Mangelsdorff 2002 im Jazz-Club auf der Bühne gestanden.
Der Frankfurter Bandleader und Posaunist, der am Montag im Alter von 76 Jahren in seiner Heimatstadt an einer Krebserkrankung starb, prägte nach dem Zweiten Weltkrieg wie kein anderer den deutschen Jazz. Mangelsdorff, der auf seinem Instrument eine spezielle, mehrstimmige Blastechnik entwickelte, galt international als der bekannteste deutsche Jazzer. Mehrfach wurde er zu Europas Jazzmusiker des Jahres gewählt. Mangelsdorff soll am kommenden Montag auf dem Frankfurter Waldfriedhof beigesetzt werden.
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