Hamburg - Von Jugendwahn kann keine Rede sein, und auch der Klamauk wird sich wohl in Grenzen halten: Mit Vicky Leandros, 53, Olli Dittrich, 49, und Thomas Anders, 42, als Kandidaten wird der nächste Grand-Prix-Vorentscheid kleiner - und älter - als bisher. Den ungewöhnlichen Mix der ARD-Show, die am 9. März aus dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg übertragen werden soll, macht TV-Comedian Thomas Hermanns als Moderator komplett, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) heute berichtete.
Sänger Anders: Dritter Kandidat für Deutschland
Der neue Leiter der Abteilung Talk und Unterhaltung des NDR Fernsehens, Jan Schulte-Kellinghaus, betonte, man wolle eine "musikalisch höherwertigere Veranstaltung" produzieren als in diesem Jahr. Deshalb sei auch der Schritt "raus aus der Halle in Berlin" ins Schauspielhaus der Hansestadt gemacht worden. Schulte-Kellinghaus hatte den Posten im Sommer von Jürgen Meier-Beer übernommen, der zuvor beim NDR zehn Jahre lang die Geschicke des Grand Prix gelenkt hatte.
Der Unterhaltungschef fügte hinzu, man wolle möglichst unterschiedliche Genres präsentieren. So sei mit Olli Dittrich ein Vertreter der Country-Musik ausgewählt worden. Im Bereich Chanson sei Leandros geeignet wie keine andere. Pop-Musiker Anders habe mit Modern Talking "die Welt erobert". Die Welt kenne ihn, und er wisse, "wie es geht". Alle drei seien Könner, so Schulte-Kellinghaus gegenüber ddp.
Die Zahl der Teilnehmer sei auf drei reduziert worden, um möglichst namhafte Künstler zu haben. "Wir wollten nicht mehr wie in den Vorjahren Kandidaten dabei haben, die keiner kennt". In diesem Jahr sei der Sender auf die Künstler zugegangen und habe die drei attraktivsten Kandidaten ausgewählt.
Als prominente Gäste der Show werden unter anderen die bislang einzige deutsche Grand-Prix-Siegerin Nicole, Hape Kerkeling und Dirk Bach sowie die ehemaligen Grand-Prix-Teilnehmer Olsen Brothers, Johnny Logan und Dana International erwartet. Die Veranstaltung will anlässlich des 50. Jubiläums des Schlagerwettbewerbs auch einen Blick zurück werfen.
Bereits Ende November hatte Schulte-Kellinghaus angekündigt, das Ziel des Eurovision Song Contest in Deutschland bestehe darin, der deutschen Musikszene mehr internationale Anerkennung zu verschaffen. Dazu konzentriere sich der ARD-Vorentscheid auf in Deutschland aktive Musiker mit internationalem Potenzial. Dies schließe Anfänger und billige Gags ebenso aus wie eine Rückkehr zu international ungeeigneten deutschen Schlagertraditionen.
Der frühere Modern-Talking-Sänger Thomas Anders stelle sich dem Vorentscheid zum Schlager-Grand-Prix mit einer sanften Schmuseballade, berichtete die "Bild"-Zeitung. Leandros, die 1972 den Grand Prix für Luxemburg gewonnen hatte, freut sich nach eigenen Worten schon auf den Wettbewerb mit ihren männlichen Konkurrenten. Wichtig sei, dass "ein qualitativ hochwertiger Titel" für Deutschland ins Rennen gehe.
Beim diesjährigen Grand Prix in Kiew war die deutsche Kandidatin Gracia weit abgeschlagen auf dem letzten Platz gelandet. Es war das schlechteste Ergebnis für Deutschland seit zehn Jahren. Strahlende Siegerin war die griechische Sängerin Helena Paparizou.
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