Er galt als Hohepriester der Congas, ein Virtuose, der auf seinen Handtrommeln dem Jazz die Vielfalt afrokaribischer Rhythmen beibrachte. Als Spätberufener kam Ray Barretto zur Musik; für eine professionelle Karriere als Instrumentalist entschied sich der 1929 in Brooklyn geborene Virtuose erst Ende der Vierziger, als er in Deutschland als Soldat stationiert war.
Mit vielen Großen des modernen Jazz hat "Mr. Hard Hands" gespielt, vor allem mit den Bebop- und Hard-Bop-Helden der fünfziger und sechziger Jahre, darunter Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Jimmy Smith und Art Blakey. Seinen ersten eigenen großen Hit landete er in den Sechzigern mit "El Watusi", einem Song im Stil des damals angesagten Boogaloo. Dieser Sound, gemischt aus Rhythm & Blues, Bomba und Son cubano, gilt als erster originäre Musikstil aus New York, geschaffen von den so genannten Nuyoricans, im Big Apple geborenen Kindern puoertorikanischer Eltern.
Auch im Salsa war Barretto ein Pionier: Er spielte jahrelang bei den legendären Fania All Stars und war Mitglied in den Bands von Tito Puente und Celia Cruz. Für den mit Cruz aufgenommenen Song "Ritmo en el Corazon" erhielt er 1989 auch den Grammy. Weitere Ehrungen folgten: Aufnahme in die Internationale Latin Music Hall of Fame und letztes Jahr die höchste offzielle Auszeichnung, die die US-Regierung an Jazzmusiker vergibt, den "National Endowment for the Arts Jazz Masters Fellowships". Auch sein letztes Jahr im September eingespieltes Album "Time Was - Time Is" wurde für den Grammy vorgeschlagen.
Mit Barretto verliert der Jazz eine "Integrationsfigur" ("Neue Zürcher Zeitung"), die Generationen übergreifend Traditionen bewahren und zugleich energisch und innovativ sein konnte. Der Musiker hatte erst im Januar eine Herzoperation überstanden, dann aber eine Lungenentzündung bekommen. Er starb heute im Kreis seiner Familie im Krankenhaus von Hackensack, New Jersey.
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