• Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.08.2006
 

Love

Rock-Legende Arthur Lee gestorben

Er würde heute neben Jimi Hendrix als einflussreichster Gitarrist gelten, wenn seine Karriere nicht in Drogenproblemen und Gerichtsprozessen versandet wäre: Arthur Lee, exzentrischer Kopf der Sechziger-Jahre-Rockband Love, ist im Alter von 61 Jahren gestorben.

Los Angeles - "Sein Tod ein Schock für mich, denn Arthur hatte unglaubliche Fähigkeit, sich von jeder erdenklichen Sache wieder zu erholen", schrieb Arthur Lees Manager Mark Linn in einer E-Mail an die Agentur Reuters. Von der Leukämie, die den Sänger und Gitarristen seit Anfang des Jahres auszehrte, erholte er sich nicht mehr. Der Musiker erlag seiner Krankheit gestern Abend im Alter von 61 Jahren in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Memphis, Tennessee. Dabei sei er "sicher gewesen, dass er im Herbst wieder auf der Bühne stehen würde", schrieb Linn.

Musiker Lee (2004): Exzentriker der Hippie-Ära
Zur Großansicht
REUTERS

Musiker Lee (2004): Exzentriker der Hippie-Ära

Arthur Lee, 1945 als Arthur Taylor Porter geboren, war Ende der sechziger Jahre einer der einflussreichsten Musiker der USA. Mit seiner Band Love nahm er zwischen 1965 und 1968 drei Alben auf, die auf revolutionäre Weise Folkrock und Blues mit frühem Punk und nahezu symphonischen Elementen vermählten. Love, in Los Angeles gegründet, stammten aus der selben Psychedelic-Rock-Szene, die The Byrds, The Doors und Buffalo Springfield hervorbrachten. Zahlreiche nachfolgende Bands, darunter Led Zeppelin und Siouxie and the Banshees, bezeichneten den ungestümen, aber immer fest im Blues-Schema verwurzelten Sound Loves später als Haupteinflussquelle.

Lee, der sich selbst als "erster sogenannter schwarzer Hippie" bezeichnete, mischte den friedfertigen "Summer of Love" gehörig auf. Neben Jimi Hendrix, mit dem er einige Songs zusammen schrieb ("Girl On Fire"), galt der Exzentriker als enigmatischster Rockmusiker der Ära und wurde als Songwriter-Genie verehrt. Musikalisch setzten Love durchaus Standards. Das zweite Album der Band enthielt 1967 den ersten Rock-Song ("Revelation"), der eine ganze Album-Seite einnahm. Das dritte und letzte reguläre Studio-Werk Loves, "Forever Changes" von 1968, wird regelmäßig zu den wichtigsten Rockplatten aller Zeiten gezählt.

Lees Karriere hätte also ebenso legendär enden können wie sie ein den Sechzigern begann, doch im Zuge seines steigenden Drogenkonsums machte der Ausnahme-Gitarrist immer öfter durch erratisches Benehmen auf sich aufmerksam. Die beharrliche Verweigerung der Band, Los Angeles zu verlassen, um auf Tournee zu gehen, führte dazu, dass Lee 1969 alle Mitglieder feuerte, um unter demselben Namen, aber mit wechselnden Studiomusikern weiterzumachen. Doch Lee war kein weiterer Erfolg vergönnt. Nach diversen mediokren Love-Alben veröffentlichte er 1972 das hervorragende Solo-Album "Vindicator", das jedoch kein großes Publikum mehr fand. In den Folgejahren ging Lee zwar regelmäßig auf Tournee, versäumte es aber, neues Material aufzunehmen.

Stattdessen nahmen drogenbefeuerte Scharmützel mit der Justiz überhand. 1995 wurde Lee festgenommen, nachdem er in einem Streit mit seinem Nachbar eine Waffe abgefeuert hatte. Da er in den achtziger Jahren bereits zweimal wegen Drogendelikten verhaftet worden war, fiel die Strafe für den unerlaubten Besitz der Pistole besonders hart aus. Lee wurde zu acht bis zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er sechs Jahre verbüßte. Anfang 2006 wurde bei ihm eine besonders aggressive Form von Leukämie diagnostiziert. Im Mai war Lee der erste erwachsene Patient im US-Bundesstaat Tennessee, bei dem eine Knochenmarktransplantation mit Stammzellen vollzogen wurde. Zuvor hatte er drei Chemotherapien hinter sich gebracht.

Zahlreiche Benefiz-Konzerte wurden veranstaltet, um Geld für die Krankenhaus-Rechnungen Lees zu sammeln. Erst im Juni hatte der ehemalige Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant ein großes Konzert in New York veranstaltet. Auch wenn er dem Krebs letztlich erlag, so hat der unermüdliche Einsatz seiner jüngeren Kollegen letztlich gezeigt, dass die Erinnerung an das musikalische Erbe Arthur Lees erhalten geblieben ist.

bor/reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Musik

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP