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21.08.2006
 

Madonna in Düsseldorf

Gekreuzigt, aber nicht verdächtig

Wenn Madonna Konzerte gibt, schaut sogar die Staatsanwaltschaft zu. Wie gestern in Düsseldorf, wo die Gesetzeshüter prüften, ob die Kreuzigungs-Show der Pop-Diva strafbar ist. War sie nicht, dafür aber wohl höchst unterhaltsam.

Geht es um popkulturelle Symbolverwurstung, ist Madonna ein Global Player: Vom christlichen Kreuz bis zur muslimischen Burka ist kein Symbol, keine Folklore vor ihr sicher. Das Kruzifix gehört seit jeher zu ihrem Outfit; dass sie sich im Rahmen ihrer aktuellen Tournee selber an eines hängt, ist letztlich nur konsequent: die Pop- als Leidensqueen, in deren Selbstinszenierung sich Ideologie und Mode zum provokanten Erscheinungsbild vermengen.

Natürlich ist die Aufregung groß, seitdem der Popstar am vorvergangenen Sonntag in Rom auftrat. Der römische Kardinal Ersilio Tonini sprach von einem "Akt offener Feindseligkeit", das Erzbistum Köln ereiferte sich über die Freiheit der Kunst, Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann schimpfte: "Sich selbst an die Stelle Jesu zu setzen, ist eine Selbstüberschätzung ungeheuren Ausmaßes.

Das Märtyrium dauert dabei nur rund vier Minuten: Solange hängt Madonna am Kreuz, bis sie herabsteigt und sich auf die Bühne legt. Immer noch lang genug, um hierzulande sogar die Gesetzeshüter auf den Plan zu rufen. Ermittelt wird jetzt aber doch nicht, heißt es heute aus der Rheinstadt. Es liege kein Anfangsverdacht für eine Straftat vor, so Johannes Mocken, der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft heute. Die Szene habe zwar vermutlich die religiösen Gefühle von Menschen verletzt, eine Verhöhnung von Bekenntnissen und Religionsgemeinschaften im strafrechtlichen Sinne liege aber nicht vor.

So kann sie also ihre Mission fortsetzen, die Pop-Aktivistin im Reiterinnen-Stil (Pferdesättel und Peitschen gehören zum aktuellen Look). Kann per Video Terroristen und politische Schurken in die Arena zitieren, ihre Tänzer mit jüdischen und muslimischen Symbolen dekorieren und abhängen an eben jenem gefliesten Kreuz, das einen "Welt"-Reporter an einen "Märtyrer im Swimmingpool" denken ließ. Und man weiß ja: Im Planschbecken der Provokationen bewegt sich Madonna wie ein Fisch im Weihwasser.

dan/ddp/dpa

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