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18.01.2007
 

Top of the Blogs

Amy, Internet-Queen of Soul

Von Heiko Behr

Ob's ein Star wird oder nicht, das entscheidet oft... das Netz. SPIEGEL ONLINE sucht in den Internet-Communitys nach den meistdiskutierten Bands und Künstlern - Top of the Blogs. Heute mit Amy Winehouse, Mika, Loney, Dear, Gisbert zu Knyphausen und Bedroom Eyes.

AMY WINEHOUSE

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Amy Winehouse hat sich erst mit deutlicher Verzögerung in die Blogs geschlichen. Bei ihrem Debütalbum "Frank" wurde sie noch als Jazz-Chanteuse vermarktet und fiel damit schnell durchs Aufmerksamkeitsraster. Allein ihre alkoholgetriebenen Boulevardmedienauftritte sorgten für ein müdes Lächeln hier und da. Dann machte plötzlich ein Song die Runde, der aufhorchen ließ. "Rehab" erschien wie ein Quantensprung mit seiner voluminösen Soundpalette, der Retrosoul-Stimme, dem unwiderstehlichen Refrain.

Als dann bekannt wurde, dass der amerikanische Promiparty-DJ Mark Ronson der Engländerin dabei unter die Arme gegriffen hatte, gab es in der Blogosphäre kein Halten mehr. Was ein bisschen eingekaufte Glaubwürdigkeit eben so ausmachen kann. Doch lassen wir die Häme beiseite – nach mehreren Durchgängen des kommenden Albums "Back to Black" (Veröffentlichung im März) zeigt sich: mit Amy Winehouse könnte Soul endlich wieder in bewegtere Gewässer gelangen. Achja: momentan rotiert ein Remix der Kritikerlieblinge Hot Chip im Netz.

http://www.amywinehouse.co.uk/ http://www.myspace.com/amywinehouse

MIKA

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So wie Schriftsteller in ihren Biographien ja gerne von Beschäftigungen als Totengräber, Tellerwäscher oder Busfahrer schwadronieren, können sich derlei Alleinstellungsmerkmale auch im Popgeschäft auszahlen. Der 23-jährige Londoner Mika kann schon auf seine Zeit als Kaugummi-Jingle-Lieferant, British-Airways-Auftragsschreiber und Darsteller am Royal Opera House zurückblicken. Besonders dieser letzte Karriereschritt schien nachhaltig gewirkt zu haben: als Songwriter und besonders als Sänger hat er ein Händchen für die theatralischen Kniffe – dann schwingt sich seine exaltierte Stimme auch gern mal in Höhen, die zuletzt die Scissor Sisters wieder populär machten. Eine ganze Armada von Assoziationen kommt bei Mikas unwiderstehlicher Single "Grace Kelly" in den Sinn, und es sind gleich die ganz großen Paten des theatralischen Pomps: Freddie Mercury, Elton John, George Michael. Immer ganz nah dran am Musical, nie in dessen Untiefen versunken; Mika ist besonders in England ein heiß gehandelter Tipp für 2007.

http://www.myspace.com/mikamyspace http://www.mikasounds.com/

LONEY, DEAR

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Jönköping ist ein Kaff mit knapp über 50 000 Einwohnern. Wie wahrscheinlich also ist es, dass hier zwei tolle Songwriter leben? Sehr wahrscheinlich. Jönköping liegt nämlich in Schweden. Neben Emanuel Lundgren, dem Mann hinter dem Sommerphänomen des letzten Jahres (I'm From Barcelona), stammt auch Emil Svanängen aus dem kleinen Städtchen. Müßig zu erwähnen, dass Emil bei Emanuels 29-Mann-Band mitwirkte. Jetzt aber verläßt er sich auf sich selbst und sein eigenes Projekt Loney, Dear. Wie seine geistigen Mitstreiter Peter, Björn and John (noch so ein Phänomen) arbeitet auch Svanängen so lange an den Details seiner Songs, bis sie die knackige Konsistenz Knäckebrots erhalten. Immer wieder steigern sie sich dabei – Arcade Fire nicht unähnlich – in eine euphorische Trance. Ein Musterbeispiel dafür, was ein simples Tamburin so auslösen kann. Mit echter Indie-Attitüde veröffentlicht Loney, Dear seine Songs außerhalb des Internets nur auf Vinyl-Singles, und so gelang ihm ein klassischer Hype in den Blogs – nichts geht über ein bisschen Distinktionsgewinn im Vorbeischlendern. Erst auf Albumlänge jedoch zeigt sich dann die wahre Klasse dieses Songwriters. Nachzuhören auf seinen zahllosen mp3s auf seiner Homepage.

http://www.loneydear.com/ http://myspace.com/loneydear

GISBERT ZU KNYPHAUSEN

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Conor Oberst, man hört ihn trapsen. Nicht umsonst hat Gisbert von Knyphausen (ja, der heißt wirklich so!) sein kleines Online-Netzwerk Omaha-Records genannt, die Heimstatt von eben jenem ungekrönten König der blutenden Herzen, der seine Platten als Bright Eyes veröffentlicht. Auch wenn der Wahlhamburger Knyphausen mit seinem unbehauenen, schroffen Sound nicht an den verzehrenden Weltschmerz von Oberst anschließt, ist ihm doch dieselbe Abseitigkeit zu eigen. Mal mit dezenter Bandbegleitung, mal allein erzählt er persönliche kleine Geschichten: "Manchmal glaube ich, dass nichts mehr wichtig ist/ Ich treibe ziellos bis zum Tag, an dem ich sterbe, jaja/ Und gerade dann, wenn ich dann wirklich nicht mehr weiter will, liegt mein gepflegter Pessimismus in Scherben". Knyphausen suhlt sich nie in seinen Niederlagen, er bewahrt sich eine Haltung, die ihn an ein Morgen glauben läßt. Bitte mehr davon.

http://www.omaha-records.de/index.php/gisbert-zu-knyphausen http://www.myspace.com/gisbertzuknyphausen

BEDROOM EYES

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Menschen wie Jonas Jonsson aus Östersund/Schweden haben verstanden: das Internet kann im besten Falle eine Marketingkampagne ersetzen. So füttert er seit September letzten Jahres fleißig die einflussreichen, meinungsstarken Blogs mit der Debüt-EP "Embrace in Stereo" seines (bis dato ungesignten) Projektes Bedroom Eyes. Individuelles Guerilla-Marketing quasi. Und während wir hier die wunderbar luftigen, harmonieseligen Popsongs mitpfeifen, werden vermutlich irgendwo bereits Doktorarbeiten zum Thema "Schweden – Phänomenologie einer musikalischen Mystifizierung" geschrieben. Jonsson selbst beschreibt seine Musik mit der bestechenden Formel "Pop music from the heart - to the feet." und hat recht: er findet die Balance zwischen süßlichem Refrains und dem hier und da eingstreuten energetischen Bocksprung. Die Schweden-Saga wird weitergehen. – Auf seiner Homepage steht die komplette EP zum freien Download bereit.

http://www.bedroomeyes.se/ http://www.myspace.com/bedroomeyesosd

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