London - In einem Brief an Robert von Bahr, Chef der Plattenfirma BIS, hat der Ehemann der britischen Starpianistin Joyce Hatto zugegeben, Aufnahmen anderer Musiker unter dem Namen seiner Frau veröffentlicht zu haben. Wie die britische Zeitung "The Times" berichtet, wollte William Barrington-Coupe seiner Frau am Ende ihres Lebens eine letzte und trostspendene Anerkennung zuteil werden lassen. Doch bewirkt habe er das Gegenteil. "Ich denke, sie ist nun gänzlich stigmatisiert, das ist sehr, sehr traurig", erklärte von Bahr gegenüber der "Times".
Die seit 1952 als eine der größten britischen Musikerinnen geltende und von der Kritik gefeierte Pianistin konnte nach einer Krebsdiagnose bereits ab Mitte der siebziger Jahre nicht mehr öffentlich auftreten.
Die Erkrankung habe ihr das Klavierspiel erschwert, deshalb habe Barrington-Coupe anfangs nur einzelne Schwächen in den Neuaufnahmen seiner Frau durch Aufnahmen von Pianisten mit ähnlichem Spiel ersetzt, später immer größere Teile.
"Ich bin hoffnungslos unglücklich über die dummen Entscheidungen, die ich getroffen habe, um ihre letzten Monate glücklicher zu machen, mit denen ich aber ihren Namen beschmutzt habe", schrieb Barrington-Coupe dem Bericht der "Times" zufolge.
Das Magazin "Gramophone" hatte in diesem Monat Untersuchungen angestellt, die ergaben, dass vier ihrer CDs identisch mit den Aufnahmen bekannterer Virtuosen waren. Eine davon war Laszlo Simons Interpretation der "Transcendental Studies" von Franz Liszt. Die Website pristineclassical.com demonstiert mit einem Soundbeispiel, wie Barrington-Coupe seine Fakes fabriziert hat.
Im Juni 2006 war Hatto an den Folgen ihrer Krankheit gestorben. Ihr Ehemann beteuert, sie habe von seinem Vorgehen nichts gewusst.
hae/afp/dpa
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