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29.03.2007
 

Top of the Blogs

Reingelegt vom Ungeheuer Pop

Von Heiko Behr

Ob's ein Star wird oder nicht, entscheidet oft ... das Netz. SPIEGEL ONLINE sucht in den Internet-Communitys nach den meistdiskutierten Bands und Künstlern - Top of the Blogs. Heute mit Frances, Slaraffenland, Land of Talk, Panda Bear und Beat Radio.

FRANCES

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Es wird sich im Musikbereich schwerlich ein erfolgreicheres und resonanzreicheres Online-Unternehmen finden als Pitchforkmedia. Über die Jahre ist das ehemalige Schlafzimmerprojekt zu einer einflussreichen Stimme im Internetkosmos gewachsen. Wer hier stattfindet, wird beachtet. Wenn also die Single einer unbekannten, ungesignten New Yorker Band namens Frances hier überschwänglich gepriesen wird, sieht die Community genau hin. Und diesmal ist man sich einig: Wer derart ausdifferenzierte, auskomponierte Musik macht, derart stilsicher mit imposantem Instrumentarium hantiert, der kann noch Großes erreichen. Erstaunlich ist schon jetzt die emotionale Spannbreite, die selbstbewusste elegante Geste, die an momentan verehrte Bands wie Arcade Fire oder auch die Decemberists erinnert. Beängstigend gut.

http://www.myspace.com/francestheband

http://www.francestheband.com/

SLARAFFENLAND

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Wie muss man sich das vorstellen? Da kratzen fünf Skandinavier ihr letztes bisschen Geld zusammen, fliegen nach New York, geben im (mittlerweile geschlossenen) New Yorker Ur-Punkschuppen CBGBs ein Konzert – und schon gelten sie als das neue, brandheiße Ding? Tja, so kann das unter Umständen funktionieren. Auch ihr (für Nicht-Dänen) schräger Name scheint ihnen einen Obskuritätenbonus zu verschaffen: Sluh-raf-in-luhnd - so radebrecht so mancher Blog – arbeiten sich in ihren Stücken schwitzend durch den Noiserock der Sonic Youth`schen Prägung, die wildgewordenen Blechbläser marschieren dabei immer in Sichtweite. Ein organisches Mäandern zwischen strenger Komposition und freier Improvisation. Den Postrock – ein schnell allzu enges Korsett - scheinen sie nach zwei EPs abgelegt zu haben: Auf der ersten Single "Polaroids" taucht plötzlich eine fordernde, verzweifelte Stimme auf, ein kurzes Aufbäumen, bevor sie wieder im Sound versinkt.

http://www.slaraffenland.net/

http://www.myspace.com/slaraffenland

http://www.youtube.com/Slaraffenland

LAND OF TALK

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Was ist eigentlich in dieser Stadt los? The Dears, Stars, Islands, Wolf Parade, Malajube, die Wainwright-Geschwister, Arcade Fire – sie alle und noch unzählige andere aufstrebende Bands kommen momentan aus Montreal, Kanada. Dieser Umstand wird natürlich ausgiebig diskutiert in den Spezialisten-Blogs, man weiß ja kaum wohin mit seiner Zeit. Nun gesellt sich mit Land of Talk eine neue Indie-Gitarren-Band in den Montreal-Kanon. Dunkel, leicht dissonant und treibend der sparsame, akzentuierte Sound – roh, zerbrechlich, süßlich die Stimme. Oft innerhalb eines einzelnen Songs klingt Elizabeth Powell mal wie Karen O von den Yeah Yeah Yeahs, mal wie Cat Power, mal wie Nina Persson von den Cardigans. Eine kratzige, kehlige Aggression, von der man mehr hören möchte.

http://www.myspace.com/landoftalkmtl

http://www.landoftalk.com/

PANDA BEAR

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Brian Wilson. Der Name reicht als Referenzgröße in gewissen Kreisen aus, um in Begeisterungsstürme zu verfallen. Sobald Panda Bears' erster Song von seinem Album "Person Pitch" durchs Netz wehte, machte sich ein Hauch Nostalgie in der Rezeption breit: hach, die Fortsetzung der Beach Boys mit anderen Mitteln. Sicher, Noah Lennox schichtet als gelernter Tenorsänger die sonnigen Melodiebögen voller Hall behutsam aufeinander, seine Texte bersten voller luftiger Drogenassoziationen. Doch als Mitglied des Experimentalrock-Konglomerats Animal Collective geht es ihm eher um den repetitiven Schub als um sinnenbetäubenden Wohlklang. Seine mit Bedacht gewählten Sixties-Samples legen die Falle aus, bereitwillig tappt man hinein. Und befindet sich plötzlich in einer irritierenden Zwischenwelt, in der das Ungeheuer Pop eigentlich gar keine Rolle spielt. Reingelegt.

http://www.myspace.com/rippityrippity

http://www.paw-tracks.com/

http://www.youtube.com/watch?v=6GQCVOLbRU8

BEAT RADIO

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Brian Sendrowitz scheint ein smarter, sympathischer Mensch zu sein. Eigentlich spielt er nur in einer kleinen vertragslosen Band aus New York. Und dennoch scheinen ihn viele Blogger persönlich zu kennen. So lesen sich zumindest die zahlreichen Ankündigungen momentan: Beat Radio habe eine neue Single, die sei toll, das Album mit Sicherheit noch besser, das müsse doch jetzt was werden. Ja, Brian Sendrowitz verschickt "People are talking" direkt an die Community und setzt noch ein paar wohldosierte, persönliche Zeilen darunter. Im Vergleich mit den Songs der letzten Platte "The Great Big Sea" (die übrigens komplett zum Download auf ihrer Homepage bereitsteht!) scheinen Beat Radio tatsächlich einen Schritt hin zu mehr Dringlichkeit, Emphase und Expermentierfreudigkeit getan zu haben. Und Sendrowitz Stimme passt momentan einfach in die Zeit. Mögen sein Grassroots-Bemühungen Erfolg haben.

http://www.beatradio.org/

http://www.myspace.com/beatradio

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