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13.08.2007
 

Elvis Presleys 30. Todestag

"Der wichtigste Erneuerer im 20. Jahrhundert"

Vor 30 Jahren starb Elvis Presley. Sänger Stephan Remmler ("Da Da Da") war Augenzeuge, als der "King" 1958 nach Deutschland kam, um seinen Militärdienst zu leisten. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt er den Welterfolg Presleys - und seinen Absturz.

SPIEGEL ONLINE: Herr Remmler, offiziell starb Elvis Presley am 16. August 1977. Tausende von Fans sind jedoch überzeugt, dass der "King" in Wahrheit an einem geheimen Ort lebt und sich von Zeit zu Zeit in der Öffentlichkeit zeigt. Lebt Elvis oder ist er tot?

Remmler (lacht): Ich glaube, dass Elvis tot ist.

SPIEGEL ONLINE: So richtig hundertprozentig tot?

Remmler: Physisch ist er tot, ja. Glaube ich zumindest. Ich habe keine Untersuchungen angestellt.

SPIEGEL ONLINE: Gut, er ist also tot. Gibt es etwas von Elvis, das überlebt hat?

Remmler: In der Musik lebt er noch. Er war schließlich der wichtigste Erneuerer im 20. Jahrhundert.

SPIEGEL ONLINE: Elvis?

Remmler: Natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Was hat er denn erneuert?

Zur Person

Philip Lethen
Stephan Remmler wurde am 25.10.1946 in Witten/Ruhr geboren und wuchs in Bremerhaven auf. Dort war er 1958 Augenzeuge, als Elvis Presley von einem US-Kriegsschiff an Land ging, um in Deutschland seinen Militärdienst zu leisten. Remmler begeisterte sich schon in seiner frühen Jugend für den Rock 'n' Roll und spielte Ende der sechziger Jahre im legendären Hamburger "Star Club".

Anfang 1980 gründete Remmler mit Kralle Krawinkel und Peter Behrens die Band Trio, die als eine der wichtigsten Vertreterinnen der Neuen Deutschen Welle galt und mit Hits wie "Anna - Lassmichrein Lassmich raus" und "Da da da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha" Erfolge feierte.

Nachdem Trio sich 1985 aufgelöst hatte, startete Remmler eine Solo-Karriere. Zuletzt veröffentlichte er das Album "1,2,3,4...". Stephan Remmler lebt mit seiner Frau und zweien seiner drei Söhne in Basel und auf Lanzarote.

Quelle: www.stephan-remmler.de
Remmler: Die Jugendkultur! Seine Botschaft war die jugendliche Rebellion. Eigentlich wäre das nichts Neues gewesen, weil die in jeder Generation stattfindet. Aber bei Elvis war sie erstmals mit Musik verbunden. Zum ersten Mal war Musik etwas, das den Jugendlichen gehörte und worüber ihre Eltern den Kopf schüttelten.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren mittendrin in der Bewegung: Am 1. Oktober 1958 legte das amerikanische Kriegsschiff "USS General Randall" in Bremerhaven an, und Elvis Presley ging von Bord, um in Deutschland seinen Militärdienst zu leisten. Am Kai warteten Hunderte deutscher Fans. Einer davon waren Sie.

Remmler: Ich war dabei! Mit mehreren Schulfreunden. Es waren gerade Ferien oder wir haben geschwänzt, weiß ich nicht mehr genau. Was ich aber noch weiß: Ich hatte Lederhosen und Sandalen an. Mit elf Jahren war ich einer der Jüngsten.

SPIEGEL ONLINE: Was war das für ein Moment: Ging er schnell vorbei oder mussten Sie lange auf Elvis warten?

Remmler: Wir haben lange gewartet. Die Soldaten standen oben an der Reling und zeigten immer wieder auf einen von ihnen. Dann haben wir jedes Mal angefangen zu schreien. Ob das wirklich Elvis war, wussten wir nicht, vielleicht haben die sich einfach einen Spaß daraus gemacht. Dann wurden wir von Polizisten abgedrängt. Es gibt ein schönes Bild davon: Ein amerikanischer Militärpolizist und ein deutscher Polizist halten Hand in Hand die Fans zurück - und genau in der Mitte zwischen den beiden stehe ich.

SPIEGEL ONLINE: Ein erhebendes Erlebnis?

Remmler: Das war schon was.

SPIEGEL ONLINE: Was geschah dann?

Remmler: Elvis ging mit seinem Seesack von Bord, aber nur einer der Fans hat es geschafft, an die Gangway vorzustoßen und sich ein Autogramm zu holen. Elvis lief zum Zug und wir hinterher. Wir sind am Zug entlang gerannt. Ich glaube, er kam dann noch mal an die Tür und hat gewinkt. Aber ob ich ihn wirklich gesehen habe? Da bin ich mir gar nicht sicher. Das hatte alles eine enorme Gruppendynamik: Alle guckten hierhin, dann plötzlich dorthin. Dann fuhr der Zug ab.

SPIEGEL ONLINE: War das Erlebnis damit für Sie abgeschlossen oder haben Sie Elvis' Zeit in Deutschland danach weiterverfolgt?

Remmler: Die "Bravo" berichtete eine zeitlang darüber: Dass Elvis in Bad Nauheim in Hessen lebte, dass er ausging, sein eigenes Haus hatte und nicht in der Kaserne wohnte. Aber wichtiger als Elvis' Aufenthalt in Deutschland war für mich meine Initiation durch "Heartbreak Hotel".

SPIEGEL ONLINE: Eine Initiation durch eine Musik-Single?

Remmler: Ja. Das war der Anfang, dadurch wurde ich zu einem Rock'n'Roller.

SPIEGEL ONLINE: Die Platte hatten Sie gekauft?

Remmler: Nein, nein! Die habe ich von meinen Großeltern geschenkt bekommen. Die hatten ein Kino und holten vom Plattenladen immer die Musik, die vor der Vorstellung lief. Eines Tages, als ich bei ihnen zu Besuch war, schenkte mir meine Großmutter die Platte "Und der Haifisch, der hat Zähne"...

SPIEGEL ONLINE: ...aus der Dreigroschenoper...

Remmler: ...von Lotte Lenya gesungen. Aber das hat mich nicht sehr beeindruckt und ich fragte, ob ich die Platte umtauschen könne. Das durfte ich, weil meine Großeltern gute Beziehungen zu dem Mann im Plattenladen hatten. Also bin ich hin und habe mir von Elvis "Heartbreak Hotel" geholt. Das war es. So etwas hatte es noch nie zuvor gegeben. Ich hatte zwar auch vorher schon mit Musik zu tun und habe Schlager nachgesungen. Aber das war etwas anderes. Der Anfang einer ganz wichtigen Zeit in meinem Leben.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie empfunden, als Sie den Song zum ersten Mal hörten?

Remmler: Die Platte war ja nicht so hart wie die späteren, wo die Zwei und die Vier von der Snare…

SPIEGEL ONLINE: ...der zweite und der vierte Schlag auf die Kettentrommel...

Remmler: ...wo die viel härter waren. Die Platte war recht langsam. Aber diese ungewöhnliche Art zu singen, mit diesem o-ho, o-ho, o-ho, weißt du? Dieses u-hu, u-hu u-uhuu! Das war Elektrizität. So etwas hatten wir vorher in den Schlagern nie gehört. Ich habe das dann ständig nachgesungen, ohne den englischen Text zu verstehen oder richtig aussprechen zu können. Rein phonetisch. Von allen damaligen Rock 'n' Rollern - Little Richard, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly, Chuck Berry - war Elvis eindeutig der Heißeste. Er war der Universellste. Auch die anderen fand ich toll, aber wenn Elvis lächelte oder die Lippe hochzog: Da kamen die anderen einfach nicht ran.

SPIEGEL ONLINE: Aber Elvis wurde oft vorgeworfen, er "schnulze" nur, während die anderen rockten. Was war denn so außergewöhnlich an seiner Stimme?

Remmler: Das war einfach pure Musikalität, verbunden mit Rebellion. Auch Pavarotti ist pure Musikalität, aber eben ohne Rebellion. Die frühen Elvis-Aufnahmen, die Sun Records: Die sind fantastisch. Da war in den Kompositionen noch nichts von Mainstream zu hören. Das war nur sein persönliches Umfeld mit ein bisschen Country, ein bisschen Schwarzen-Musik und ein bisschen Gospel, ohne jede Anbiederung. Später hat sich das geändert, da hat er alles gesungen, auch diese Schnulzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mal gesagt: "Will man in der Popmusik Erfolg haben, muss man Eindeutigkeit an den Tag legen, denn Pop hat viel mit Identifikation zu tun. Vielschichtigkeit ist einer Karriere nicht selten abträglich."

Remmler: Das gilt auch für Elvis. Er ist mit seinem Publikum gewachsen, und das waren eben irgendwann irgendwelche mittelalterlichen Mittelständler, die mit dem puren Rock 'n' Roll gar nichts zu tun haben wollten, sondern ihn in seiner nationalen, breitgewaschenen Version konsumierten.

SPIEGEL ONLINE: Aber Elvis hat das mitgemacht und gut daran verdient.

Ich und der King

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Remmler: Er hat einfach irgendwann den Überblick verloren und wurde von seinem Manager und seinen Beratern in diese Breite gedrängt. Am deutlichsten war das in seinen späteren Filmen zu sehen: Die waren alle Mist. Mit all diesen komponierten Liedern über Sultane, Hawaii und Trallala. Elvis hat das mitgemacht, weil er es als Musiker alles draufhatte. Aber dadurch hat er seine Wurzeln verloren. Vielleicht ist er daran gestorben: Er hat seinen Weg aus dem Blick verloren.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es anders gekommen wäre und er heute noch lebte: Wie wäre er denn so, der Elvis?

Remmler: Wenn er es gepackt hätte, wie die Rolling Stones jetzt noch riesige Tourneen zu machen und sein Publikum mit alten Hits zu unterhalten, angereichert durch ein bisschen was Aktuelles: Das wäre doch toll! B.B. King tourt noch mit über 80, Eric Clapton ist auch schon über 60. Aber Elvis ist da irgendwie… (überlegt)… mit seinen Pillen… er hat's halt nicht gepackt.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht ist es besser so. Oder würden Elvis heutige Popstars wie Britney Spears und "50 Cent" gefallen?

Remmler: Es gibt Gerüchte, dass Elvis sich schon gegen die Beatles gewehrt hat, als sie durch die USA tourten. Angeblich wollte er sie aus dem Land drängen. Das spricht nicht für seine Intelligenz. Vielleicht würde er über Britney Spears einfach nur schimpfen.

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27.06.2011 von I'm a Substitute:

Eben nicht - bei einer Fragestellung: "Gefällt Ihnen die Musik Elvis Presleys?" würden reine, dem jeweils persönlichen Geschmack entsprechende Äußerungen der Diskuskussionsteilnehmer genügen. Gefragt wurde aber danach, [...] mehr...

27.06.2011 von sitiwati: es ist

h halt alles Geschmacksache.meine Katze frisst Mäuse, ich mag sie nicht mal gebraten-die Mäuse ! mehr...

26.06.2011 von I'm a Substitute:

Leider scheint, *was* ich hier an Beiträgen schreibe, zumeist in seinem Sinngehalt verzerrt aufgefasst zu werden, so daß gänzlich unbeachtet bleibt, in welcher Absicht ich mich zu Wort gemeldet habe... wissen Sie, Forist [...] mehr...

26.06.2011 von sitiwati: leider

ist das so, deshalb vermeide ich solche Events, man kann ev sehr früh morgend da hin gehen, ab 11 Uhr strömen die Massen, aber das kann man leider nicht vermeiden, der schönste Abend war dann immer der Freitagabend, da gings [...] mehr...

26.06.2011 von I'm a Substitute:

Selbstverständlich sind die "Golden Oldies" als Unterhaltung gedacht, das werfe ich Veranstaltungen wie diesen auch keineswegs vor; ich sehe es allerdings als einerseits bezeichnend, andererseits als erschreckend an, [...] mehr...

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