SPIEGEL ONLINE: Kommen wir zu Angenehmerem: Was ist Ihr Lieblingssong von Elvis?
Remmler(singt): I want to be free-ee-ee. There is no joy in my hea-ea-ea-rt, only sorrow… Und das singt er hinter Gefängnisgittern, toll! Oder der: When the night is cold, do-o-o-o'nt (macht einen Knacklaut mit der Zunge) do-o-o-o'nt!
SPIEGEL ONLINE: Sie singen ja fast so gut wie Elvis.
Remmler: Na ja…
SPIEGEL ONLINE: Dabei ist der Weg von "Heartbreak Hotel" zu einem Song wie "Anna - Lass mich rein, Lass mich raus" musikalisch ziemlich weit. Hat Elvis es geschafft, sogar eine Neue-Deutsche-Welle-Band wie "Trio" zu beeinflussen?
SPIEGEL ONLINE: Hätte Elvis der minimalistische Song "Da Da Da" gefallen?
Remmler: Puh, so genau kenne ich Elvis ja nicht, aber... (überlegt)... ja, doch, hätte er.
SPIEGEL ONLINE: Ich wurde 1973 geboren und bin mit Songs wie "Da da da" aufgewachsen statt mit "Heartbreak Hotel". Wie erklären Sie einem wie mir, was Elvis bedeutete?
Remmler: Schau mal, diese Wellen, die alle zehn Jahre kommen: Eine Jugendkultur entsteht, mit echter Musik, die das ausdrückt, was die jungen Leute fühlen und die Eltern ausschließt. Dann wird sie kommerzialisiert, die Luft ist raus - aber etwas Neues entsteht. Auf den Rock'n'Roll folgten Pop, Punk und Rap. Und mit Elvis hat das alles angefangen. Er steht ganz am Anfang.
SPIEGEL ONLINE: Vor Elvis gab es keine Jugendkultur? Was ist mit Swing, Rockabilly und Beat?
Remmler: Vor Elvis wurde Unterhaltungsmusik von ausgebildeten Musikern gespielt: Komponisten, Arrangeuren, Instrumentalisten, Sängern. Die Musik, die Elvis machte, dieser Mix aus schwarzem Rhythm and Blues und weißer Country Music, erforderte zwar etwas Praxis, aber kein Musikstudium. Der Hörer konnte denken: "Das kann ich auch. Ich kann mit Musik das ausdrücken, was mich bewegt." Die Jugendlichen konnten das direkt nachahmen. Elvis hat diese Musik aus der regionalen Nische auf die internationale Bühne gehievt. Dazu diese unglaublich charismatische Figur. Das war das Geheimnis von Elvis' Erfolg.
SPIEGEL ONLINE: Herr Remmler, vielen Dank für das Gespräch.
Remmler: Die Frisur!
SPIEGEL ONLINE: Welche Frisur?
Remmler: Elvis' Frisur darfst du nicht vergessen!
SPIEGEL ONLINE: Was ist mit seiner Frisur?
Remmler: Die war ganz wichtig! Erst wenn man so eine Frisur hatte, gehörte man zur Gruppe.
SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie auch so eine Tolle?
Remmler: Na klar, jedenfalls soweit das bei meinen Eltern durchging. Wenn ich aus dem Haus ging, sagten sie: Mach dir mal die Haare richtig. Kaum war ich draußen, zückte ich den Kamm. Ich kann die Bewegung noch heute: Links hoch, rechts hoch, dann in der Mitte den Runterzieher und schließlich hinten den Entenschwanz. Der Kamm war wichtig, den hatten wir immer dabei. Sogar im Schwimmbad: Wir haben ihn in die Badehose gesteckt. Das gehörte dazu.
SPIEGEL ONLINE: Ok, habe ich notiert. Gab es sonst noch etwas, das wichtig war?
Remmler: Die Mode! Jeans, Hemd mit aufgestelltem Kragen und schwarz-weiße Schuhe - solche Schuhe trage ich bis heute. Vor kurzem habe ich mal wieder diesen zweiten Film von Elvis gesehen, "Loving you". Richtig klasse. Da trägt er Jeans-Anzug und den Kragen aufgestellt. Das hat eine ganze Generation von Teenagern kopiert. Wir haben sogar nachgeahmt, wie Elvis stand - wie er einfach nur dastand. Er war schon ein ganz Besonderer, der Elvis.
Das Interview führte Florian Harms
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