"Das ist der größte Umbruch in der 30-jährigen Geschichte der Chartermittlung durch Media Control", sagt Media-Control-Geschäftsführerin Ulrike Altig. Man mag es ihr glauben. Schließlich krempelt das neue System die komplette Systematik um, nach der bislang die Musik-Charts festgelegt wurden. Künftig zählen nicht mehr Stückzahlen, sondern Umsätze.
Zudem werden erstmals Titel zugelassen, die ausschließlich im Internet vertrieben werden.
Das geänderte Reglement, so Altig, wird "den aktuellen Entwicklungen im Musikbusiness gerecht". Laut Media Control ist die Ermittlung der Chart-Positionen nach Verkaufserlösen weltweit einzigartig und soll "die Bedeutung von hochwertigen Musikprodukten im Markt unterstrichen". Mit anderen Worten: was teuer ist, kommt schneller auf einen der vorderen Ränge.Für die Zukunft könnte das neue Reglement bedeuten, dass Neuerscheinungen zuerst als aufwendige - und teure - Editionen auf den Markt kommen, so genannte Deluxe-Editionen mit Bonus-Material oder -DVD zum Beispiel. In der Annahme, dass die treuen Fans bekannter Popstar sowieso alles kaufen, was ihr Idol produziert, könnten Plattenfirmen auf diese Weise vom Start weg für gute Chart-Platzierungen ihrer Produkte sorgen.
Zwar betont das Unternehmen, legale Downloads seien "ein zunehmend wichtiger Faktor für die Industrie", doch mit Einführung der neuen Zählweise hat es in der aktuellen Hitliste, die am Freitag offiziell veröffentlicht wird, dennoch kein einziger Download-only-Titel in die Top-100 geschafft. Kunststück: Downloads sind meistens um einiges günstiger als Singles oder reguläre CDs, so dass sie sich in der Bewertung nicht so stark niederschlagen. Künstler, die ihre Songs oder Alben kostenlos zum Download anbieten, haben nach der neuen, umsatzorientierten Berechnung, überhaupt keine Chance mehr, in den Charts vorzukommen.
Unter den bereits in der offiziellen Hitliste platzierten Songs hat es in der neuesten Version allerdings einige Bewegung gegeben. Eines der krassesten Beispiele dürfte das bereits vor Monaten veröffentlichte Album "Loose" von Nelly Furtado sein. Dem Dauerbrenner gelang ein beeindruckender Sprung vom zwölften auf den dritten Platz der Album-Charts. Ein Schelm, der glaubt, dies könnte damit zusammenhängen, dass die CD derzeit in einer "Sommer-Edition" in den Läden steht - die einige Euro teurer als die Standardausführung ist. Von der Aktualität, also davon, was wirklich frisch und neu ist, haben sich die Charts meilenweit entfernt.
mak/bor
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