Obszönitäten und Drohungen gehörten bislang zum verbalen Repertoire der schlimmen Jungs des Rap-Geschäfts. Legendär der "Arschficksong", mit dem der Berliner HipHop-Clown Sido sich ins Bewusstsein begeisterter Kids und geschockter Eltern rappte. Weil Lady Ray ein Star sein will, ist das F-Wort auch ein Zentralbegriff ihrer Rhetorik. "Meine Tracks sind voll gestopft mit Sex!", reimt die 26-jährige Germanistik-Doktorandin stöhnend auf ihrer Myspace-Seite.
Die weltweite Community dankt es ihr: Über 800.000 mal wurden die Songs mit dem Luder-Faktor angeklickt. Kein Wunder: Die geborene Türkin präsentiert sich gern mit der Hand im Slip und den Brüsten nahe der Kameralinse. Passend dazu werden Schmähworte postfeministisch umgedeutet. "Für mich ist eine Bitch was Positives. Das ist eine Frau, die sich nimmt was sie will."
Rehan Sahin, so ihr bürgerlicher Name, ist Tochter eines anatolischen Gastarbeiterehepaars und beherrscht die Finessen der Aufmerksamkeitsherstellung im Pop bereits wie die Großen ihres Fachs. Eine bekennende Deutschtürkin der zweiten Generation, kombiniert sie Images exotischer Weiblichkeit, Ghetto-Romantik und einen ausgeprägten Hang zum Exibitionismus zum gut vermarktbaren Erscheinungsbild. Grenzüberschreitung als Stil-Prinzip – die bösen Buben haben’s schließlich vorgemacht.
Dagegen wirkt die Schauspielerin Anna Fischer, 21, mit ihrer Band Panda fast brav. Ihr erstes Album heißt "Tretmine", was im Berliner Sprachgebrauch für Hundehaufen steht. In der dazugehörigen Single kommt es nicht zu Gangbang oder Knochenbrüchen, für Zotiges reicht’s aber allemal: "Jeh Kacken" heißt es in der ersten Single wenig subtil.
Klingt so die neue deutsche Welle Berliner Pop-Amazonen? Und lässt sich das breite Publikum die drastische Geste auch von Frauen gefallen? Bei Universal gibt man sich kämpferisch: "Musikkultur ist immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und in der Gesellschaft geht es vielen gerade nicht so gut. Denen spricht Panda aus dem Herzen."
Fischer jedenfalls geht selbstbewusst zu Werke, hält ihre Major-Label-Leute von Universal auf Trab. Als im Zuge der Promotion für ihr Album ein "Bravo"-Interview gemacht werden sollte, sagt sie ab. Kein Bock.
Mit SPIEGEL TV hat sie geredet. Zu sehen Sonntagabend, 22.45 Uhr, auf RTL.
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