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17.09.2007
 

Pop-Tipp

Zwischen iPod und Manga

Von KulturSPIEGEL-Autorin Marianne Wellershoff

Cinema Bizarre heißt ein Pop-Quintett, das wie eine Kopie von Tokio Hotel aussieht. Dahinter steht ein ambitioniertes Marketingkonzept.

Man kann sich eigentlich nur wundern, wie lange es gedauert hat, bis jemand Tokio Hotel kopiert. Wo doch Kopieren zu den zuverlässigsten Erfolgsfaktoren zählt. Es ist klar, dass auf dem Markt auch noch Platz sein muss für weitere Teenie-Bands, deren Mitglieder aussehen wie Manga-Figuren. Punk war schließlich auch nicht für die Sex Pistols reserviert.

Popgruppe Cinema Bizarre: "Das visuelle Erscheinungsbild ist sehr wichtig"
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Universal

Popgruppe Cinema Bizarre: "Das visuelle Erscheinungsbild ist sehr wichtig"

Bevor nun aber die Konkurrenz eine Kopie auf den Markt bringt, hat die Tokio-Hotel-Plattenfirma Universal praktischerweise selbst eine Band konzipiert: Cinema Bizarre heißt das Quintett aus fünf 17- bis 21-Jährigen, deren Single "Lovesongs (They Kill Me)" gerade auf den Markt gekommen ist. "Die Leute sehnen sich danach, dass wieder irgendetwas Großes auf sie zukommt, etwas Glamouröses", sagt der Sänger Strify. Universal wird sich in dem schwierigen Plattengeschäft wohl ebenfalls danach sehnen.

Jedenfalls hat man sich marketingtechnisch bei allem bedient, was derzeit in der Teeniekultur erfolgreich ist:

1. "Visual Kei" ist der Fachbegriff für Musik und Styling, das eine Mixtur aus Manga, New Wave und Metrosexualität ist. Erfunden hat das Ganze 1982 die japanische Metal-Band "X Japan"; in den Neunzigern wurde Visual Kei zum riesigen Hype, der mit Tokio Hotel dann in Deutschland ankam.

2. Geschrieben hat die Musik unter anderem der frühere Sex-Pistols-Manager Malcolm McLaren, ein Hipster-Veteran, der immer weiß, wo es gerade lang geht.

3. Die Band singt auf Englisch, das macht es international etwas leichter.

4. Der Musikstil von Cinema Bizarre hat einen eigenen Namen: "iPop", was, logisch, an iPod erinnert. Daran klebt dann noch "5.0", die Zukunftsvision von (Web) 2.0.

5. Die Kunstnamen der Bandmitglieder scheinen entweder aus Mangas entnommen ("Yu", "Shin", "Kiro") oder aber aus "Herr der Ringe" und "Harry Potter" ("Luminor").

6. Berlin. Da kommt, so wird suggeriert, die Band her. Das stimmt genauso wenig, wie es bei "Wir sind Helden" zutraf, klingt derzeit aber ziemlich gut.

7. Erster Auftritt bei "The Dome", gesendet von RTL 2. Die Fans schrieben später in Foren, die Musik sei vom Band gekommen, aber die Sendung ist nun mal der beste Startpunkt für Teenie-Bands.

8. Enge Anlehnung an Tokio Hotel. Selbst die Silbenaufteilung der Namen Tokio Hotel und Cinema Bizarre ist identisch.

Drei der Jungs haben sich laut Plattenfirma in einem Manga-Internetforum kennen gelernt, zwei wurden später dazu addiert. Das gilt dann als authentische Band, aber was echt ist und was nicht, ist sowieso längst eine müßige Frage. Die Musik schreiben sie nicht selbst, und wo sie tatsächlich herkommen, bleibt im Halbdunkeln. Shin wird als "Berliner" geführt, Luminor als Wahlberliner, und ansonsten ist versteckt von "Heimatdörfern" die Rede. Oberolm oder Klein-Winternheim oder Ähnliches würde wohl auch wenig glamourös klingen. Glamour sollen dagegen die Vorlieben der Bandmitglieder geben: Yu mag das Parfüm Dior Addict, Strify Dior Homme; Kiro trinkt am liebsten Coke Zero, Yu Vanilla Coke und Luminor Coke Light. Man kann sich schon fragen, ob es da vielleicht Deals mit Parfüm- oder Getränkekonzernen gibt.

Der Sänger Strify sagt: "Das visuelle Erscheinungsbild ist sehr wichtig." Mal abgesehen vom weißen Schimmel in dem Satz trifft das den Kern, denn das Styling ist tatsächlich das Wichtigste an der Band. Auch, um sich von anderen abzugrenzen. "Bei Studentenbands wie ‚Wir sind Helden' oder ‚Revolverheld' sehen die Sängerinnen aus wie Sozialkundelehrer und die Sänger wie Busfahrer", sagt Strify. Er dagegen schminke sich mal sehr, und mal sehe er "fast schmutzig" aus. Fast eben. Und die Musik? Naja, die lässt sich am besten mit glattgestrichenem Depeche-Mode-Sound beschreiben. Groß, glamourös, ein bisschen dunkel. Die Hookline der Single bleibt im Ohr, der Refrain ist textlich überschaubar, vor allem für jene, die erst ein Jahr Englisch in der Schule hatten.

Übrigens ist fast zeitgleich zu Cinema Bizarres Debütsingle auch das Album ("Stacked Rubbish)" der japanischen Visual-Kei-Stars The Gazette in Deutschland herausgekommen. Eine schöne Gelegenheit, Original und, ja, was, Kopie? Weiterentwicklung? Deutsche Interpretation? zu vergleichen.

Am 12. Oktober wird Cinema Bizarres Album "Final Attraction" veröffentlicht. Dann zeigt sich, ob man mit Marketingkonzepten Charterfolge erzielen kann.


Cinema Bizarre: "Lovesongs (They Kill Me)" (Universal); http://www.cinema-bizarre.de

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Ich weiß gar nicht wie die Redaktion auf die Idee kommt das das Cinema Bizarre eine Kopie von TH oder The Gazette sein soll. Erstens ist doch nichts was ein paar gemeinsam keiten hat gleich eine Kopie ( Nur weil jm. z.B. ein [...] mehr...

17.09.2007 von collset: Visual Kei kommt aus Japan und hat nichts mit Tokio Hotel zu tun!

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