Von Jonathan Fischer
Viele jüngere Fans aber kennen Queen Latifah inzwischen sowieso eher aus dem Kino denn aus den Rap-Charts: Ihre Rolle in "Chicago" brachte ihr eine Oscar-Nominierung ein, auch Unterhaltungsfilme wie "Bringing Down The House" verdankten ihren Erfolg wesentlich ihrer so einfühlsamen wie schlagfertigen Darstellung.
Dabei war sie eher durch einen Zufall zum Film gekommen: Spike Lee suchte 1992 für "Jungle Fever" eine Kellnerin, die auch rappen kann – und seine erste Wahl, Monie Love, war schwanger geworden. So übernahm Queen Latifah die Rolle. Danach wirbelte sie durch die Sitcom "Living Single" und spielte in "Set It Off" sich selbst: Ein zähes Mädchen aus dem Ghettoviertel. Und Danny DeVito engagierte sie für "Living Out Loud" erst, nachdem er sich persönlich überzeugt hatte, was hinter ihren angeblichen Jazzgesangs-Künsten steckte. Für eine Filmrolle reichte es jedenfalls locker.
Kein leichtes Spiel mit Jazz
Wenn sie jetzt allerdings glaubt Shirley Horn, Billie Holiday oder Dionne Warwick auf Albumlänge Konkurrenz machen zu müssen hat sie etwas zu hoch gegriffen. Latifahs Seele jedenfalls sucht man zwischen Schnulzen a la "Georgia Rose" – mit Stevie Wonder an der Mundharmonika – , dem Sektkracher "I Love Being Here With You" oder einer harmlos plätschernden Neueinspielung von Smokey Robinsons "What Love Has Joined Together" vergeblich.
Am Aufwand kann es nicht gelegen haben: Klar, dass die Queen nur die erste Liga der Jazzmusiker um sich schart. Unter anderem George Duke, Joe Sample, Christian Mc Bride und der Bossa Nova-Gitarrist Oscar Castro-Neves stehen ihr im legendären Capitol Studio A in Los Angeles, wo schon Sinatra und Konsorten aufnahmen, zur Seite. Die ersten sechs Tracks hat zudem Tommy Li Puma produziert, der Mann dessen goldene Händchen ein halbes Jahrhundert Jazzgeschichte geprägt haben.
Queen Latifah aber hat nicht den gesangstechnischen Hintergrund, um Songs, die schon Sarah Vaughn oder Nina Simone interpretiert haben, ernsthaft etwas hinzufügen zu können. So bleibt nur ihr Mut zu bewundern. Und ihre wunderbar warme, aber doch sehr begrenzte Stimme.
Aber wer weiß, ob sie nicht auf ihrer nächsten Tournee schon wieder die Rolle wechseln wird: Berichten zufolge nutzte sie jede Pause bei den Aufnahmen zu "Trav’lin Light", um sich an einem speziell für sie aufgebauten Schlagzeugset zu üben.
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