Von Philipp Oehmke
Von dem Plan für sein neues Leben erzählte Wasiem Taha seinen Eltern zum ersten Mal vorletztes Jahr im Winter. Wasiem hatte, damals 22, seinen Vater Hani und seine Mutter Hiam ins Wohnzimmer bestellt, in dem die Familie damals zu viert lebte, die Eltern, Wasiem und seine Schwester Amani plus ein paar Katzen, eine Einzimmerwohnung in Pirmasens in der Pfalz.
Wasiem hatte sich genau überlegt, was er sagen wollte, und wie immer sprach er mit seinen Eltern Arabisch, er sagte: "Vater, Mutter, ich möchte, dass wir nach Berlin ziehen. Ich werde dort Gangsta-Rapper werden, ich werde Erfolg haben, reich werden und für euch alle sorgen können."
Die Mutter schüttelte den Kopf. Dann fing der Vater an zu schreien. Ging denn mit diesem, seinem einzigen Sohn alles schief?
Die Familie Taha lebte seit über 25 Jahren in Pirmasens. Sie ist dort heimisch geworden, nachdem sie durch Zufall dort gelandet war, damals 1980, als sie wie viele Palästinenser aus dem Südlibanon fliehen musste. Der Vater hatte sich in Pirmasens einen Job erkämpft, von dem er nicht weiß, wie er auf Deutsch heißt, doch der damit zu tun hatte, Metallteile zu verzinken. Die Mutter hatte endlich ein bisschen Deutsch gelernt, es gab Freunde. Niemals würden sie dieses Leben aufgeben, nur weil der Sohn etwas von - wovon? - von Gangsta-Rap redete.
Rapper Massiv: Immer wieder nach Berlin gereist
Zu dieser Zeit, vor ein paar Jahren, begann Wasiem, immer wieder nach Berlin zu reisen. Manchmal blieb er zwei Wochen, andere Male monatelang. Er habe dort Freunde gefunden, berichtete er den Eltern, Araber wie sie. Sie hätten ihm geholfen, in Berlin Fuß zu fassen, und ihn beschützt. Außerdem hat er dort angefangen, kleine Geschichten aus seinem Leben aufzuschreiben, über Messerstechereien, über Kokainhandel, Freunde im Gefängnis und über "Nutten". Diese Geschichten hat er über HipHop-Beats gerappt und aufgenommen.
Und jetzt, sagte Wasiem an jenem Tag vor anderthalb Jahren im Wohnzimmer in Pirmasens zu seinen Eltern, lasse sich in Berlin für jemanden wie ihn als Gangsta-Rapper Geld machen, viel Geld.
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